Kästen für Fledermäuse hängen an Bäumen. © NDR Foto: Franziska Drewes

Raststätten für vorbeiziehende Fledermäuse

Stand: 24.09.2021 12:00 Uhr

Viele verschiedene Fledermausarten rasten auf ihrem Weg in den warmen Süden im Herbst an der mecklenburgischen Ostseeküste. Vor Rerik haben sie nun besondere Quartiere, in denen sie unterschlüpfen können.

von Franziska Drewes, NDR 1 Radio MV

Jetzt im Herbst ziehen Tausende Fledermäuse in wärmere Regionen. Auf ihrem Weg in die Winterquartiere legen die Tiere meist über 2.000 Kilometer zurück. Sie kommen aus Skandinavien oder Lettland, fliegen über die Ostsee und rasten an der Küste von Mecklenburg-Vorpommern.

Naturschützer bauen Hotels aus Holz

Ein schmaler Buchenwald zieht sich an der Küste vor Rerik entlang. Andreas Schwienhorst schaut zu den Bäumen hoch und zeigt auf 40 Holzkästen, die dort auf fünf Metern Höhe hängen. "Fledermäuse sind gefährdete Arten. Sie finden kaum mehr natürliche Quartiere. Wir verlieren immer mehr alte Bäume in der Landschaft, die Löcher haben und in die Fledermäuse reingehen. Und wir haben durch die perfekte Gebäudesanierung kaum mehr Unterschlupfmöglichkeiten, in denen die Fledermäuse dann rasten können." Schwienhorst engagiert sich ehrenamtlich beim Bund für Umwelt- und Naturschutz (BUND) und zwar in der Ortsgruppe Salzhaff-Rerik. Die Raststätten haben er und seine Mitstreiter selbst gebaut. Sie werden dabei finanziell unterstützt von der Gemeinde Am Salzhaff, der Norddeutschen Stiftung für Umwelt und Entwicklung oder auch durch regionale Unternehmen wie der Rotaria GmbH Rerik.

Lockrufe weisen Tieren den Weg

Damit die Fledermäuse die neuen Holzkästen finden, werden sie angelockt, erzählt Patrick Folkersma. "Das machen wir dadurch, dass wir Bioakkustik einsetzen. Das ist eine Art Gerät, das die Fledermausrufe reproduziert. Und morgens früh, wenn die Tiere auf der Suche nach einem Rastplatz sind, spielen wir die Rufe ab." Der gebürtige Niederländer setzt sich seit sechs Jahren für die Tiere ein. Er ist gespannt, welche Arten in die neuen Quartiere in Rerik einziehen werden.

Zweifarbfledermaus gesucht

Jetzt im Herbst sind viele wandernde Fledermäuse unterwegs, die von Skandinavien oder Lettland bis nach Nordspanien und in die französische Provence ziehen. Unter ihnen sind die Rauhautfledermaus, Mückenfledermaus oder der Große Abendsegler. Folkersma hofft, die mittelgroße Zweifarbfledermaus entdecken zu können. "Sie ist besonders schön anzusehen." Ihre Rückenhaare sind schwarzbraun und haben silberweiße Spitzen, ihre Körperunterseite ist meist weißlich-beige oder bräunlich-gelblich. Einige vorbeiziehenden Fledermäuse sind beringt, so dass die Naturschützer ablesen können, woher genau die Tiere kommen. Folkersma hat schon Tiere gesichtet, die von den knapp 2.000 Kilometer entfernten dänischen Faröer-Inseln nach Mecklenburg-Vorpommern geflogen sind. "Wir wissen einfach, da ist so viel Meer dazwischen. Die Tiere müssen die ganze Zeit geflogen sein oder konnten eventuell mal auf einer Ölplattform rasten". Der Fledermauszug ist noch wenig erforscht, ihre Flugrouten kaum bekannt. Die beringten Tiere helfen dabei, wichtige Informationen sammeln zu können.

Kraft tanken in Rerik

In den neuen künstennahen Quartieren können sich die Fledermäuse ausruhen und Insekten fressen, um dann gestärkt Richtung Provence oder Nordspanien weiterfliegen zu können. Dort bleiben die kleinen Fluggenies bis März/April, dann kehren sie zurück in ihre Sommerquartiere und legen dabei hoffentlich wieder einen Zwischenstopp im kleinen Buchenwald in Rerik ein. Darüber würde sich Folkersma freuen. "Die Tiere wissen dann, hier gibt es quasi ein schönes neues Motel. Hier können wir rasten, bevor es wieder weitergeht".

Ehrenamtliche Helfer gesucht

Die Fledermausschützer um Folkersma und Schwienhorst wollen weitere Raststätten entlang der Küste und am Salzhaff aufhängen. Dafür suchen sie noch neue ehrenamtliche Helfer, die sich bei der Orstgruppe Salzhaff-Rerik vom BUND melden.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 24.09.2021 | 12:00 Uhr

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