Stand: 17.08.2014 13:01 Uhr

Protest gegen geplanten Windpark in Tützpatz

Rund 500 Windkraftgegner sind in Tützpatz auf die Straße gegangen.

In Tützpatz (Kreis Mecklenburgische Seenplatte) haben am Sonntag rund 500 Menschen gegen einen geplanten Windpark protestiert. Die Gegner der Anlage machten mit Trillerpfeifen und Plakaten ihrem Unmut Luft. Die auf den Plakaten abgebildeten Windräder sind höher als der Kölner Dom. "Rund um Altentreptow stehen so viele Windenergieanlagen, dass die Landschaft das einfach nicht mehr verkraftet", sagte einer der Demonstranten NDR 1 Radio MV. "Ich finde, dass man mit unserem schönen Land solche Schweinereien nicht machen kann", sagte eine andere Teilnehmerin. Weitere Parks seien nicht erforderlich, weil vor Ort bereits genug Windenergie produziert werde. Außerdem befürchten die Anwohner gesundheitliche Schäden und einen Wertverlut ihrer Häuser.

Umstrittenes Projekt

Der neugeplante Windpark soll außerhalb der für Windkraft geeigneten Gebiete errichtet werden. Das geht nur mit einem sogenannten Zielabweichungsverfahren. Dazu muss der Betreiber nachweisen, dass das Projekt innovativ ist und dass die betroffene Kommune finanziell beteiligt wird. Innovativ sei der neue Windpark, weil er Strom in Wasserstoff zur Energiespeicherung umwandelt, heißt es. Auch die Kommunen sollen vom Bau profitieren. Die Bürgerinitiative Windflüchter um Gilbert Schulz zweifelt das jedoch an: "Das, was dort als Innovation angepriesen wird, ist eine Schein-Innovation. Das gibt es schon in Deutschland. Und was der Investor als kommunale Beteiligung anbietet, ist ein Alibi-Modell."

Beteiligungsgesetz liegt noch nicht vor

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Die Region um Altentreptow gilt als das Gebiet mit der höchsten Windrad-Dichte in Mecklenburg-Vorpommern.

Konkret ist bisher nicht klar, wie die Menschen in der Region von dem neuen Windpark profitieren sollen. Ein Gesetz, das solche Beteiligungen regelt, liegt noch nicht vor. Bereits jetzt ist das Tollensetal rund um Altentreptow das Gebiet mit der höchsten Dichte an Windrädern in ganz Mecklenburg-Vorpommern. Weitere sind geplant. Für viele, die in der Umgebung leben, ist die Grenze erreicht.

"Dann sind wir komplett umzingelt"

Auch die mangelnde Transparenz ist den Windparkgegnern ein Dorn im Auge. "Auf irgendwelchen Karten und den ganzen Unterlagen wird dieses Projekt überhaupt nicht erwähnt. Man versucht im Prinzip, die Gemeinden dazu zu bringen, dass sie diesem Vorhaben zustimmen, obwohl die Gemeinden gar nicht wissen, zu was sie zustimmen sollen", kritisierte Schulz. "Wenn diese Anlagen erstmal stehen, dann sind wir komplett umzingelt."

Vielerorts regt sich Widerstand

Lange war Mecklenburg Vorpommern Windkraft-Musterland, nirgendwo in Deutschland wurden soviele Windparks gebaut und angeschlossen. Doch die Entwicklung hat sich verlangsamt. Laut aktuellen Zahlen rangiert der Nordosten beim Windkraft-Ausbau nur noch auf Rang vier - nicht zuletzt auch deshalb, weil die öffentliche Stimmung vielerorts gekippt ist. Immer häufiger wenden sich Menschen gegen neue Windparks vor ihrer Haustür. Eine Studie wies jüngst zudem auf potenzielle Gefahren druch Windkraftanlagen für den Tourismus hin.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 17.08.2014 | 12:00 Uhr

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