Stand: 21.02.2017 15:57 Uhr

Penkun kämpft um Schulstandort

von Inga Mathwig, NDR 1 Radio MV
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Der regionalen Schule in Penkun fehlen Schüler - auch weil immer weniger Kinder aus Brandenburg dorthin kommen.

Der regionalen Schule in Penkun (Landkreis Vorpommern-Greifswald) an der Landesgrenze zu Brandenburg droht die Schließung. Bei einer Podiumsdiskussion am Montagabend mit Schulvertretern, Eltern und Politikern schlugen die Wellen deshalb hoch. Für Jürgen Borbe, der vor knapp zweieinhalb Jahren vom Innenministerium als Sparbeauftragter in die Stadt geschickt wurde, ist die Sache nach dem Schulgesetz klar: Nur wenn 22 Schüler in der Eingangsklasse sind, könne die Schule mit Sondergenehmigung weiter betrieben werden.

Land zahlt keinen Schullastenausgleich

Doch woher sollen die Schüler kommen? Noch vor drei Jahren gingen in Penkun auch rund 50 Kinder aus Brandenburg zur Schule. Heute sind es nur noch zehn. Seit 2004 zahlt das Land den Schullastenausgleich für die Kinder aus Brandenburg nicht mehr. Die Stadt hat Schulden in Höhe von vier Millionen Euro und kann nicht einspringen. Damit müssen die Eltern selbst zahlen. Allerdings können sich nur wenige die mehr als 1.200 Euro pro Jahr leisten.

Eltern fürchten "Sterben auf Raten"

Im vergangenen Jahr hat die Kommunalaufsicht die Einschulung Brandenburger Schüler zusätzlich untersagt. Bürgermeister Bernd Netzel ist sauer: Dass das finanzielle Problem nach der Streichung des Schullastenausgleichs bei der Kommune liegt, sei "sehr unfair", so Netzel. Die Eltern fürchten, dass die Schule nur ein Teil des Problems ist. "Letztendlich ist es ein Sterben auf Raten", sagt Ole Schartmann, dessen drei Kinder in Penkun zur Schule gehen. Für ihn geht es dabei auch um die Zukunft der ganzen Region.

Lösung durch Zusammenlegung?

Doch Penkun kämpft. Eine Möglichkeit zum Erhalt der Schule haben die Stadtvertreter ausgearbeitet und zur Podiumsdiskussion mitgebracht: Die Grundschule soll demnach in die regionale Schule integriert werden. So könnte sich der Betrieb der großen regionalen Schule auch bei sinkenden Schülerzahlen rentieren. Schulleiter Roland Ganske ist skeptisch. Er bezweifelt, dass die Grundschule ohne größere bauliche Veränderungen in das größere Gebäude ziehen kann.

Dahlemann für Bürgerentscheid

In Penkun ziehen auch die Befürworter des Schulstandortes nicht alle an einem Strang. Der parlamentarische Staatssekretär für Vorpommern, Patrick Dahlemann (SPD), schlägt daher einen Bürgerentscheid vor: "Wenn es diesen Entscheid gibt, dann werden wir selbstverständlich auch alles dafür tun, dass dieser Entscheid, wenn er auf soliden Füßen steht, auch umgesetzt werden kann", so Dahlemann.

Machbarkeitsstudie soll Zukunft klären

Konkret heißt das: Das Land stellt Geld für eine Machbarkeitsstudie in Aussicht, die klären soll, ob es überhaupt möglich ist, die Grundschule in der regionalen Schule unterzubringen und welche Kosten entstehen würden. Nach mehr als zwei Stunden Diskussion sind sich die Vertreter immerhin einig: Das Treffen hat die Wogen zumindest ein wenig geglättet. Ob die Schule aber erhalten bleiben kann, ist nach wie vor offen.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 21.02.2017 | 17:10 Uhr

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