Stand: 15.09.2020 17:06 Uhr

Ovales Rätsel am Grund des Brückentinsees

Von Frank Breuner, NDR 1 Radio MV

Im grün gefärbten Brückentinsee zeichnet sich eine rätselhafte ovale Struktur ab. © NDR Foto: screenshot
Im grün gefärbten Wasser des Brückentinsees zeichnet sich eine rätselhafte ovale Struktur ab.

Barbara Karge staunt noch immer, wenn sie sich die Drohnenbilder ansieht, die sie im August in Auftrag gegeben hatte. Die Chefin des Inselhotels Brückentinsee (Landkreis Mecklenburgische Seenplatte) wollte die Aufnahmen für einen Werbefilm nutzen, doch dann entdeckte sie eine ovale Struktur unter Wasser. "Es sieht von oben aus wie ein riesiges Auge oder ein Boot", sagt Karge. Irgendetwas liegt jedenfalls in mehreren Meter Tiefe auf dem Grund, etwa zwanzig Meter vom Ufer der Insel entfernt.

Karge kann sich bis heute keinen Reim darauf machen, zumal in den vergangenen Jahren schon häufiger Luftbilder von der Insel und dem See gemacht worden sind. Aber nie war diese seltsame Struktur darauf zu sehen. "Wir sind fasziniert von diesem Gebilde, finden es spektakulär und machen uns die schärfsten Gedanken, was es wohl sein könnte.“, so Barbara Karge.

Wilde Spekulationen in der Region

Der Große Brückentinsee ist bis zu 30 Meter tief; um die Stelle zu untersuchen, an der die Struktur entdeckt worden ist, benötigt man schon eine professionelle Taucherausrüstung. Den Schnorchel aufsetzen und selbst schnell mal nachsehen, das war also unmöglich für Karge. Und dann kursierten kurz nach der Entdeckung schon die wildesten Gerüchte in der Region im Süden der Feldberger Seenlandschaft: Ein Angler, dem die Hotelchefin die Bilder gezeigt hatte, war überzeugt, dass es sich um einen Riesenwels handeln müsse. "Wir waren natürlich erst einmal begeistert, dass wir hier so einen großen Wels im See mit diesen Ausmaßen haben könnten", erzählt Karge. Ein Fisch von mindestens zehn Metern Länge - die Geschichte vom "Ungeheuer von Loch Brückentinsee" hätte bestimmt deutschlandweit für Aufsehen gesorgt.

Nazi-Schatz im Brückentinsee?

Eine andere Theorie war noch spektakulärer, erzählt die Betreiberin des Inselhotels: Es müsse sich um den legendären "Nazi-Goldschatz" handeln, der bisher im österreichischen Toplitzsee vermutet wurde, war sich ein Mann sicher. Seit den 1950er Jahren haben Taucher in dem Gewässer in der Steiermark immer wieder nach der Goldreserve des Dritten Reichs gesucht, die angeblich am Ende des Krieges dort versenkt wurde - allerdings ohne Erfolg. Liegt der Schatz also eigentlich gar nicht so weit von Berlin entfernt wie lange angenommen, sondern im Süden Mecklenburgs? Das dürfte dann doch eher ins Reich der Phantasie gehören, da sind sich Archäologen schon jetzt ziemlich sicher.

Überreste aus slawischer Zeit?

Herzdame der Herzinsel: Barbara Karge. © NDR/Anne Gänsicke
Hotelchefin Barbara Karge ist von dem Fund vor ihrer Insel fasziniert.

Barbara Karge hat sich Anfang September Rat suchend an den NDR gewandt und danach ihre Luftaufnahmen an das Landesamt für Kultur und Denkmalpflege in Schwerin weitergeleitet. Dort fand man den Fund sofort "wirklich interessant". Genaue Aussagen könnten natürlich erst nach einer gründlichen Untersuchung der Struktur unter Wasser gemacht werden. Womöglich handelt es sich um Überreste einer kleinen slawischen Inselburg, die einst auf Pfählen im See errichtet worden war. Solche Burgen gab es in runden und ovalen Formen - oval wie die Entdeckung im Brückentinsee. Trifft die Theorie zu, wären die Überreste um die 1.000 Jahre alt. Nun wollen Unterwasserarchäologen mit der Untersuchung der mysteriösen Struktur im See beginnen. Dann kann das Rätsel des Brückentinsees vielleicht bald gelüftet werden.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 16.09.2020 | 19:30 Uhr

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