Stand: 11.02.2020 15:41 Uhr

Öko-Agrarbetriebe aus MV auf Messe Biofach

Messe Biofach in Nürnberg © NürnbergMesse Foto: NürnbergMesse
Auf der Biofach Messe vom 12. bis 15. Februar in Nürnberg werden rund 3.500 Aussteller erwartet.

Vom 12. bis 15. Februar findet in Nürnberg wieder die international bekannte Messe Biofach statt. Dort präsentieren sich diesmal rund 3.500 Aussteller aus circa 100 Ländern, darunter auch sieben Unternehmen aus Mecklenburg-Vorpommern. Mit dabei sind unter anderem die biosanica GmbH aus Süderholz bei Grimmen. Das Unternehmen verarbeitet jährlich rund 10.000 Tonnen Äpfel zu Chips, Müsli oder Babynahrung. Auch dabei auf dem Gemeinschaftsstand: Die Erzeugerorganisation Mecklenburger Ernte, die regionales Obst und Gemüse vermarktet. Das Land liegt beim Anbau von Bio-Erzeugnissen weit vorne. Bei der Anzahl der ökologisch wirtschaftenden landwirtschaftlichen Betriebe steht es laut Kai-Uwe Kachel, Experte für ökologischen Landbau im Landwirtschaftsministerium in Schwerin, im bundesweiten Ranking auf Platz drei nach den Spitzenreitern Baden-Württemberg und Saarland.

Immer mehr Betriebe stellen auf Bio um

Die meisten Zuwächse von Ökoflächen gibt es, so Kachel, in den Landkreisen Mecklenburgische Seenplatte, Ludwigslust-Parchim und Rostock, Tendenz weiter steigend. Im vergangenen Jahr haben weitere 80 Betriebe im Land ihre Produktionsweise umgestellt. So werden aktuell auf gut 170.000 Hektar Fläche Bio-Produkte erzeugt. Das entspricht 12,6 Prozent an der Gesamt- Ackerfläche des Landes Mecklenburg-Vorpommern.

Preise für Bio-Ware stabil

Die Gründe für diese Entwicklung sind vielfältig: Nach Erkenntnissen des Landesbauernverbandes Mecklenburg-Vorpommern sind ein wichtiger Aspekt die im Vergleich zu konventionell erzeugten Lebensmitteln stabileren Preise. Biomilch liegt derzeit bei circa 47 Cent pro Liter, während normale Milch um die 33 Cent kostet, die Preise aber häufig schwanken. Damit lässt sich für den Bio-Produzenten aus betriebswirtschaftlicher Sicht sicherer arbeiten. Aber auch ideologische Gründe spielen häufig eine Rolle: Es gibt Bauern, die auf Öko-Landwirtschaft umstellen, weil sie damit etwas Nachhaltiges für Natur und Umwelt tun möchten.

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Vermarktungsstrukturen in MV fehlen noch

Manfred Leberecht, Vizepräsident des Landesbauernverbandes und selbst Ökolandwirt in Grabow (Landkreis Ludwigslust-Parchim), weiß das aus eigener Erfahrung: "Meine Biokälber werden nach dem Verkauf oft doch wieder konventionell weiter gemästet, weil Angebot und Nachfrage nicht übereinstimmen." Ein anderes Beispiel sei Getreide: Die Preise für Bioroggen, Bioweizen und Wintergerste als Futtermittel wären rückläufig, weil es ein Überangebot gäbe. Für die Landwirte, die auf Bio-Erzeugung umstellen wollen, sei es wichtig, sich schon vorher erfahrene und gut vernetzte Partner wie Bioverbände, Molkereien oder Getreidemühlen für die spätere Vermarktung ihrer Produkte zu suchen, so Leberecht.

Biofach als wichtiger Branchentreffpunkt

Die lokalen Aussteller auf der diesjährigen Biofach, darunter Betriebe aus Ludwigslust, Wittenburg (beide Landkreis Ludwigslust-Parchim) und Süderholz (Landkreis Vorpommern-Rügen), haben diesen Rat schon umgesetzt. Sie suchen auf der Messe den direkten Kontakt zu Geschäftspartnern und vor allem zu Fachmedien als Multiplikatoren, um dadurch interessierte Verbraucher zu erreichen. Denn obwohl der Markt für Bio-Lebensmittel zuletzt im Jahr 2018 um 5,5 Prozent zulegte, zeigen Umfragen immer noch, dass die Konsumenten zwar eigentlich mehr nachhaltig erzeugte Produkte essen möchten, ihr Kaufverhalten aber nicht immer entsprechend umstellen. "Hier bietet die Biofach eine hervorragende Gelegenheit, Bio-Produkte aus Mecklenburg-Vorpommern und die Menschen dahinter einem bereiten Publikum zu präsentieren und damit die Direktvermarktung anzukurbeln", kommentierte Agrarstaatssekretär Jürgen Buchwald vor Eröffnung der Messe.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 12.02.2020 | 12:00 Uhr

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