Stand: 15.01.2018 17:48 Uhr

"Nordkurier" nimmt Zusteller-Kündigungen zurück

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Die Kündigung von 60 Zustellern der Nordkurier-Mediengruppe wird rückgängig gemacht.(Archivbild)

Im Streit um geplante Entlassungen bei einer Zustell-Tocherfirma lenkt der "Nordkurier" nun doch ein. Die Mediengruppe mit Sitz in Neubrandenburg hat am Montag die Kündigungen von 60 vollzeitbeschäftigten Zeitungs- und Postausträgern in der Mecklenburgischen Schweiz zurückgenommen. Das teilte das Unternehmen mit. Vorausgegangen waren Verhandlungen zwischen Nordkurier-Geschäftsführer Lutz Schumacher und einem Teil der betroffenen Zusteller.

Unternehmen will "Organisationsmängel" beseitigen

Anders als zunächst von der Geschäftsleitung angekündigt, wird der Nordkurier-Zustellbetrieb in Teterow und Umgebung nicht dichtgemacht. Allerdings soll die Gesellschaft verkleinert werden, gleichzeitig will der Nordkurier in dem Zustellbezirk einen zweiten Betrieb aufbauen. Nach Angaben des Unternehmens sollen "Organisationsmängel" durch die neue Struktur beseitigt werden. Vor allem die steigende Zahl von Post- und Paketsendungen habe in dem Bereich mit zwei unterschiedlichen Landkreisen zu Problemen geführt, hieß es aus der Chefredaktion. Die beiden Gesellschaften sollen jetzt deckungsgleich mit Kreisgrenzen sein. Alle 60 Mitarbeiter sollen zu den bisherigen Bedingungen weiterbeschäftigt werden, heißt es, einige davon im neuen Betrieb.

War der Druck zu groß?

Der Nordkurier zieht mit dem Verzicht auf die Kündigungen die Notbremse und lässt die bisher angeführten Argumente für den Rausschmiss fallen. Bisher hieß es in internen Schreiben, Qualitäts- und Organisationsmängel in dem Bezirk machten eine Stilllegung nötig: Am Ende aber war der Druck offenbar zu groß. Viele Leser hatten sich über das als rigide empfundene Vorgehen beschwert und mit Abo-Kündigungen gedroht. Landespolitiker von SPD, Linke und CDU hatten sich eingeschaltet und von einer "Riesensauerei" gesprochen. Erst am vergangenen Donnerstag bot sich Wirtschaftsminister Harry Glawe (CDU) in dem Streit als Vermittler an.

Ver.di: Betriebsräte sollen in beiden Betrieben gegründet werden

Die Gewerkschaft ver.di hat angesichts des Einlenkens eine für Dienstag in Neubrandenburg geplante Protestkundgebung vorerst abgesagt. Man werde jetzt aber genau hinschauen, was der Nordkurier mache, so ver.di-Sprecher Thomas Ebeling. An der geplanten Gründung eines Betriebsrates halte man fest - jetzt in beiden Zustell-Firmen. "Die Einsicht der Geschäftsführung kam gerade noch rechtzeitig, um noch größeren Schaden abzuwenden", so der zuständige ver.di-Fachbereichtsleiter "Postdienste", Lars-Uwe Rieck. Er forderte die Chefetage jetzt zu gemeinsamen Gesprächen auf. Wirtschaftsminister Glawe reagierte erleichtert. "Wir begrüßen das Umdenken und die Verständigung miteinander", sagte Glawe. Der Einfluss des Wirtschaftsminsiteriums habe auch dazu beigetragen, dass eine Lösung gefunden worden sei.

Geschäftsführer dementiert Zusammenhang mit geplanter Betriebsrats-Gründung

Der "Nordkurier" hatte die Entlassungen Ende Dezember ausgesprochen. Gut sechs Wochen zuvor hatten die Mitarbeiter auch wegen schlechter Arbeitsbedingungen versucht, einen Betriebsrat zu gründen. Nordkurier-Geschäftsführer Schumacher wies am Montag einen Zusammenhang zwischen Kündigungen und der geplanren Gründung einer Arbeitnehmervertretung zurück. Man arbeite seit vielen Jahren eng und vertrauensvoll mit den Betriebsräten im Unternehmen zusammen.

Glückwünsche aus der SPD-Landtagsfraktion

Der Chef der SPD-Landtagsfraktion, Thomas Krüger, beglückwünschte die Mitarbeiter "zu dem Erfolg, den sie im Konflikt mit dem Management errungen haben". Der Einsatz für Arbeitnehmerrechte habe sich gelohnt. Er hoffe jetzt, so Krüger, dass das Angebot der Geschäftsführung auch "nachhaltig" sei. Die Mitarbeiter sollten in ihren Bemühungen für einen Betriebsrat jedenfalls nicht nachlassen. Krüger sagte, von dem Erfolg sollte ein "Impuls" in andere Belegschaften ausgehen, sich in Gewerkschaften und Betriebsräten zu organisieren. Ähnlich äußerte sich der Peter Ritter, Landtagsabgeordneter der Linken aus Stavenhagen. Der Widerstand habe sich gelohnt. Allerdings sollte die vom Unternehmen angekündigte Zusage zur Gründung eines Betriebsrates eine Selbstverständlichkeit sein, so Ritter.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 15.01.2018 | 18:30 Uhr

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