Ein Wolf auf dicht belaubtem Boden. © dpa-Bildfunk Foto: Lino Mirgeler

Neuer Wolfs-Managementplan: Keine "aktive" Bejagung

Stand: 20.09.2021 16:42 Uhr

Für den Umgang mit Wölfen gibt es in Mecklenburg-Vorpommern jetzt einen neuen Managementplan. Umweltminister Till Backhaus (SPD) unterzeichnete das Papier am Montag. Aktiv gejagt werden dürfen die Raubtiere weiterhin nicht.

Das liegt daran, dass Wölfe nach EU-Regularien nach wie vor geschützt sind. Die EU müsste erst einen "günstigen Erhaltungszustand" für den Wolf feststellen, dann könnten Wölfe wie andere Tierarten gejagt werden. "Ich vertraue darauf, dass die neue Bundesregierung darauf hinarbeiten wird, dass Brüssel den günstigen Erhaltungszustand feststellt", teilte Backhaus mit. Diese Einstufung legt fest, ob eine Tierart sich von allein fortpflanzt und nicht wieder ausstirbt.

Landwirte: Erster Schritt in richtige Richtung

Der Landesbauernverband forderte, dass die Landespolitik dies nun vorantreiben solle. "Es ist ein erster Schritt in die richtige Richtung - nicht mehr und nicht weniger", sagte Bauernpräsident Detlef Kurreck. Weidetiere bräuchten effektiven Schutz, nicht nur Prävention und Entschädigung. Inzwischen sei der "günstige Erhaltungszustand" bei Wölfen im Nordosten bereits gegeben, erklärte Kurreck. Bauern und Weidetierhalter fordern zudem eine Ober- oder Akzeptanzgrenze des Wolfsbestandes sowie höhere Entschädigungen für gerissene Kälber. Kurreck hob auch die Bedeutung der Weidetierhaltung hervor. Mit ihrer natürlichen Düngung ermöglichten Weidetiere einen reichen Lebensraum für Insekten. "Wo Tiere weiden, bleibt die Landschaft offen, verbuscht nicht und bietet vielen Pflanzen und Tieren Lebensraum. Wo Tiere weiden, blüht ein gesundes Bodenleben auf, Humus wird gebildet und CO2 gespeichert."

Erhöhte Entschädigungen für Züchter

Während der Erarbeitung der neuen Regeln hatte Backhaus Hilfen und Entschädigungen für Nutztierhalter wegen der Raubtiere erhöht. Die Richtlinie, die der Schaf- und Ziegenzuchtverband begrüßte, trat am Montag in Kraft. Danach können Tierhalter erstmals Betriebskosten für Herdenschutzhunde und den Auf- und Abbau von Zäunen geltend machen. Zusatzkosten zum Schutz vor Wölfen hatten vor allem Schäfer an den Rand ihrer Existenz gebracht.

Wolfs-Managementplan von 2010 angepasst

Der erste Wolfsmanagementplan des Landes stammte aus dem Jahr 2010, als die Raubtiere sich noch nicht in nennenswerter Zahl im Nordosten angesiedelt hatten. "In den vergangenen zehn Jahren haben sich zahlreiche Neuerungen zum Thema und im Umgang mit dem Wolf ergeben. Dazu zählen unter anderem eine deutliche gestiegene Wolfspopulation und damit einhergehend neue Konfliktfelder", erklärte Backhaus. An der Überarbeitung hatten sich auch Weidetierhalter beteiligt. Es habe zwar nicht immer Einigkeit gegeben, so Backhaus, aber am Ende sei es dennoch gelungen, auch auseinandergehende Auffassungen unter den Beteiligten zu berücksichtigen. Am Ende hätten alle Gremien dem neuen Plan zugestimmt.

In 2021 bislang 41 vermutete Wolfsriss-Vorfälle

In diesem Jahr wurden bei bislang 41 Vorfällen 167 Schafe, Kälber und andere Nutztiere in Mecklenburg-Vorpommern getötet oder verletzt, bei denen ein Wolf als Verursacher vermutet wird. Meist konnten Wolfsspuren nachgewiesen werden. 2020 wurden mehr als 100 Vorfälle mit 452 getöteten und verletzten Tieren registriert. Im Jahr 2010 hatte es noch keinen solchen Vorfall gegeben. Inzwischen gelten 14 Rudel und sechs Paare und Einzeltiere als heimisch im Nordosten.

 

Weitere Informationen
Eine Nahaufnahme eines Wolfes im Wald. © picture alliance/Jens Büttner/dpa Foto: Jens Büttner

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 20.09.2021 | 14:00 Uhr

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Wildtiere

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