Eine Familie im Gang einer Mutter-Kind-Klinik. © Picture Alliance Foto: arifoto UG

Mutter-Kind-Klinik Kühlungsborn: Frauen so erschöpft wie noch nie

Stand: 19.03.2021 10:36 Uhr

Chronische Erschöpfung, Depressionen, Konflikte: Davon berichten viele Frauen zu Beginn ihrer Kur in der Stella-Maris-Klinik in Kühlungsborn. Laut der Klinikleiterin Elisabeth Grochtmann ist die Situation bei vielen jungen Familien angespannt.

von Melanie Jaster, NDR 1 Radio MV

"Die Mütter sitzen im Erstgespräch und weinen vor Erschöpfung", schildert Grochtmann ihre Erfahrungen. "Sie stehen manchmal morgens um vier auf, um zu arbeiten - dann Homeschooling. Manche haben auch noch Eltern zu betreuen, und der eigene Haushalt kommt dann auch noch. Die Frauen sind fix und fertig."

Reha-Programm für Mütter

Um Familien zu entlasten, bietet die Stella-Maris-Kurklinik ein umfassendes Reha-Programm an. Dazu gehören laut Grochtmann unter anderem Physio- und Psychotherapie, Kinderbetreuung und Austauschmöglichkeiten wie Gesprächskreise. Ziel sei es, den Müttern einige Techniken mitzugeben, mit denen sie auch im Alltag entspannter bleiben können. Insgesamt 24 Eltern-Kind-Kliniken gibt es in Mecklenburg-Vorpommern, die ein ähnliches Programm anbieten.

Kinder verändern sich während der Pandemie

Nicht nur für Mütter oder Väter, sondern auch für die Kinder sei es wichtig, aus dem Alltag auszubrechen, sagt Annette Rösler vom Bäderverband. "Auffallend ist, dass die Kinder infolge des Maskentragens anders in Interaktionen gehen", beschreibt Rösler. "Das Miteinander ist schwieriger, weil das Ablesen von Stimmungen an den Gesichtern nicht möglich ist. Und da verändern sich Kinder sehr schnell." Bei allen notwendigen Hygieneregelungen appeliert Rösler, man müsse auch auf Kinder und ihre Bedürfnisse achten.

Lange Warteliste bei 80-prozentiger Auslastung

Wegen der Corona-Hygieneauflagen dürfen die Kliniken ihre Kapazitäten nicht voll auslasten. "Im Schnitt liegt die Auslastung bei 80 Prozent – mehr geht einfach mit den geltenden Hygienekonzepten nicht", sagt Annette Rösler vom Bäderverband. Dabei seien die Wartelisten schon vor Ausbruch der Pandemie bei allen Standorten lang gewesen - und das habe sich bis heute nicht geändert.

"Für mich war es der letzte Zaunpfahl"

Steffi Arlandt aus Sachsen-Anhalt hatte Glück: Sie hat gemeinsam mit ihrem neunjährigen Sohn Melvin einen Platz für eine dreiwöchige Kur in Kühlungsborn bekommen. "Für mich war das der letzte Zaunpfahl", sagt sie. "Ich musste einfach mal von zu Hause weg, einfach mal durchatmen. Irgendwann wird es einfach zu viel und gerade mit Corona macht einen das kaputt." Auch Ania Gawenda hat mit ihren drei Söhnen drei Wochen in Kühlungsborn verbracht: "Ich habe vor allem gelernt, Prioritäten zu setzen und mir auch mal Auszeiten zu nehmen."

Kliniken haben finanzielle Probleme

Wegen der verringerten Auslastung und dadurch, dass die Kliniken im vergangenen Frühjahr zeitweise schließen mussten, sind ihnen viele Einnahmen verloren gegangen. "Dafür gibt es Ausfallzahlungen", erläutert Rösler vom Bäderverband. "Leider ist es so, dass die sehr befristet sind und wir gefühlt ein Mal im Quartal dafür kämpfen müssen, eben diese weiteren Zahlungen einzufordern", erklärt sie weiter. Grochtmann ergänzt außerdem, ihr Haus könne die erhöhten Hygiene-Anforderungen nur dadurch stemmen, dass ihr Personal viele Überstunden macht. "Ich habe ein sehr engagiertes Team, anders wäre das auch nicht zu schaffen", betont sie.

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Bett auf einem Krankenhausflur © dpa / Picture Alliance

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 19.03.2021 | 14:00 Uhr

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