Stand: 24.04.2020 15:03 Uhr

Minister fordert Bundes-Hilfen für Werften

Von Stefan Ludmann, NDR 1 Radio MV

Am Standort Warnemünde der MV Werften wird das 216 Meter lange Mittschiff des ersten Global-Class-Kreuzfahrtschiffes "Global Dream" ausgedockt. © MV Werften Foto: MV Werften
Auf der Werft in Rostock wurde die mittlere Sektion eines Kreuzfahrtschiffes gebaut.

Finanzminister Reinhard Meyer (SPD) hat geplante Staatshilfen für die MV Werften in Wismar, Rostock-Warnemünde und Stralsund an strenge Bedingungen geknüpft. Bei der Förderung müsse es eine gerechte Lastenverteilung zwischen dem Land und dem Bund geben, sagte Meyer. Es könne nicht sein, dass sich der Bund auf Kosten des Landes zurückziehe. "Gemeinsam mit dem Bund", laute die Devise.

Auch der Mutterkonzern soll helfen

Meyer verlangt auch, dass sich der Mutter-Konzern Genting in Hongkong mit einem "nennenswerten Eigenanteil" an den Hilfen von bis zu 600 Millionen Euro beteiligt. So könne er zeigen, dass "er an die Zukunft des Unternehmens glaubt." Bisher garantiert das Land mit einer Bürgschaft in Höhe von 375 Millionen Euro für Kredite der Schiffbauer. Bevor das Land weiteres Geld freigebe, sei genau abzuwägen, ob es das Risiko wert sei. "Das zeigt auch den Ernst der Lage", sagte der SPD-Politiker. Immerhin gehe es um "das Geld der Steuerzahlerinnen und Steuerzahler". Die öffentlich Hand brauche eine möglichst sichere Fortführungsperspektive. Das gelte für die Analyse des Marktes und die Frage: für wen werden die Schiffe gebaut? Das gelte auch für die technische Umsetzung und die Finanzierung. Bisher baut die Werften vor allem Kreuzfahrt-Schiffe für den Mutter-Konzern. Drei sind im Bau, die "Crystal Endeavour" ist nahezu fertiggestellt. Die Arbeiten an der "Global 1" sind ebenfalls weit fortgeschritten. Allerdings wird das Schwesterschiff "Global 2" nicht wie geplant 2022, sondern erst 2024 fertig. Der Bau kleinerer Schiffe soll "dazwischen" geschoben werden, die Werft hat ihre Produktionsabläufe bereits krisenbedingt geändert. Etliche Zulieferer kann die Werft nicht bezahlen, die bleiben auf ihren Rechnungen sitzen. Das geht aus internem Schriftverkehr hervor, der NDR 1 Radio MV vorliegt.

Gewerkschaft: "Harte Situation"

Mit Sorge blickt die IG-Metall deshalb auch auf die Lage der Werft, der gut 3.000 Beschäftigten und der Zulieferer. Der Chef des Bezirks Küste, Daniel Friedrich, spricht von einer "schwierigen und harten Situation". Der Kreuzfahrtmarkt sei durch die Corona-Krise zusammengebrochen, es gebe "Verwerfungen". Die MV-Werften müssten diese Lücke jetzt überspringen und bräuchten dafür Zeit und Geld. Friedrich warb für das Unternehmen. Es habe in den vergangenen zwei Jahren viel investiert und Jobs geschaffen. "Genting hat Wort gehalten, das muss man auch mal zur Kenntnis nehmen." Der Kreuzfahrtmarkt habe durchaus Zukunft. "Wir können uns entscheiden: entweder finanzieren wir Arbeitslosigkeit oder wir versuchen, Firmen und Jobs zu halten." Friedrich dämpfte die Erwartungen auf einen schnellen Neustart auf den Werften, das werde ein langer Prozess sein. Das heißt wohl auch: die Kurzarbeit für die Werftarbeiter geht weiter. Im Gespräch ist, dass sie auch im Juni noch andauern könnte - selbst wenn die Hilfen jetzt schnell verabredet würden. Wirtschaftsminister Harry Glawe (CDU) rechnet in vier Wochen mit einem Ergebnis.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 24.04.2020 | 16:00 Uhr

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