Waren an der Müritz © dpa-Bildfunk Foto: Jens Büttner

Mecklenburgische Seenplatte: Ausgangssperre und 15-km-Regel

Stand: 09.01.2021 14:20 Uhr

Der Kreis Mecklenburgische Seenplatte hat die kritische 200er-Inzidenzmarke gebrochen. Es gilt eine nächtliche Ausgangssperre, ab Montag kommen nach Auskunft der Kreisverwaltung Bewegungsbeschränkungen hinzu.

Im Landkreis Mecklenburgische Seenplatte gelten vorerst verschärfte Anti-Corona-Maßnahmen. Das hat der Landkreis am Donnerstagabend in einer Allgemeinverfügung festgelegt. Der Kreis hat als erster im Land die entscheidende Marke von 200 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner binnen sieben Tagen überschritten.

Nächtliche Ausgangssperre in Kraft

Zwischen 20 Uhr abends und 6 Uhr des Folgetages dürfen die Einwohner des Landkreises ihre Wohnungen nur unter bestimmten Bedingungen verlassen. (Die Frist wird möglicherweise - aufgrund der Beschlüsse des MV-Gipfels am 8. Januar - vom 11. Januar an auf 21 bis 6 Uhr verkürzt.) Zu den vorausgesetzten "triftigen Gründen" zählen unter anderem Wege zur Arbeit, Schulbesuche, der Einkauf von Lebensmitteln, die Teilnahme an notwendigen Veranstaltungen der Landesregierung sowie weitere unaufschiebbare Anliegen. Außerdem ist der Besuch bei Ehe- und Lebenspartnern, hilfsbedürftigen Menschen und Kranken zulässig. Erlaubt ist es auch, den Hund auszuführen.

Aufenthalt nur noch 15 Kilometer um Wohnort

Voraussichtlich von Montag an darf sich auch tagsüber niemand mehr ohne triftigen Grund mehr als 15 Kilometer vom Wohnort wegbewegen, sagte der stellvertretende Landrat Kai Seiferth (SPD). An allen Schulen gibt es dann Distanzunterricht, ausgenommen sind die Abschlussklassen. In den Kindertagesstätten soll eine Notbetreuung aufrecht erhalten werden. Der Termin dafür stand am Sonnabend noch nicht fest.

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Der Landkreis ist der erste Kreis in Mecklenburg-Vorpommern, in dem die 15-Kilometer-Regelung angewendet wird. Sie war am Dienstag bei den Bund-Länder-Beratungen beschlossen worden und soll zusammen mit den weiteren neuen Regelungen in die neue Corona-Verordnung des Landes einfließen, die nach Aussagen von Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) voraussichtlich am Sonntag in Kraft treten wird.

"Kontrollieren kann man so einen großen Kreis kaum"

Bei der Durchsetzung der Maßnahmen setzt die Kreisverwaltung auch auf die Einsicht der Bürger. "Kontrollieren kann man einen so großen Landkreis eigentlich kaum", sagte Seiferth. Die Mecklenburgische Seenplatte gilt mit einer Fläche von 5.500 Quadratkilometern als größter Landkreis Deutschlands und ist doppelt so groß wie das Saarland. Nichtsdestotrotz würden Polizei und Ordnungsämter Kontrollen durchführen. "Wer dann erwischt wird und keine Ausnahmegenehmigung vorlegen kann, wird ein empfindliches Bußgeld zahlen müssen." Gleichwohl setzt der Vize-Landrat auf die Einsicht der Bürger.

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Lange Zeit niedrige Zahlen, nun "flammt es an allen Ecken und Kanten"

Besondere Gründe für die hohen Infektionszahlen im Landkreis gibt es laut Seiferth nicht. Es gebe nicht nur einzelne Hotspots im Kreisgebiet, vielmehr flamme es an allen Ecken und Kanten auf. Die Infektionszahlen waren an der dünn besiedelten Seenplatte mit ihrer überdurchschnittlich alten Bevölkerung lange Zeit niedrig. Als sie Ende November stiegen, untersagte der Kreis Präsenzunterricht an Berufsschulen. Am 9. Dezember lag der Inzidenzwert, zusammen mit Schwerin, erstmals über 100. Mitte Dezember wurden die Kontakte bereits so beschränkt, wie es nun bundesweit sein soll. "Leider ist das Virus mittlerweile in der ganzen Gesellschaft angekommen", sagt Seiferth. Das mache die Bekämpfung sehr schwierig.

Gesundheitsämter: Nachverfolgung funktioniert - noch

Die Lage in den Gesundheitsämtern sei dementsprechend angespannt. Die Mitarbeiter dort seien "extrem gefordert" und verdienten "großes Lob". Je höher die Inzidenz steige, desto wichtiger sei eine funktionierende Nachverfolgung. "Noch schaffen wir die Nachverfolgung", aber bei weiter steigenden Inzidenzzahlen breche dieses Mittel bald zusammen, glaubt Seiferth.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | Die Nachrichten | 08.01.2021 | 06:00 Uhr

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