Stand: 03.07.2020 15:07 Uhr  - NDR 1 Radio MV

MV Werften: Rettung noch nicht in Sicht

Martin Möller, NDR Nordmagazin

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Die MV Werften entwickeln derzeit eine neue Kreuzfahrtschiff-Klasse. (Archivbild)

Auf den MV Werften wird wieder gearbeitet. Allerdings immer noch nicht an den Schiffen, die mehr oder weniger fertig in den Docks in Wismar und Rostock oder an der Kaikante in Stralsund liegen, sondern in der Entwicklungsabteilung. Die Idee der Ingenieure: eine ganz neue Kreuzfahrtschiff-Klasse für die Zeit nach Corona. Vergleichbar ist das vielleicht mit der Einführung des ersten Sicherheitsgurtes bei Pkws im Jahre 1959. Volvo war Vorreiter, alle anderen Hersteller zogen später nach.

MV-Werften hoffen auf Corona-Rettungsschirm

Nordmagazin -

Die MV Werften in Wismar und Rostock haben zwar 175 Mio Euro von ihren Sperrkonten erhalten. Gerettet sind sie damit aber noch nicht. Sie hoffen auf den Corona-Rettungsschirm des Bundes.

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Hygiene statt Größe

Die neue Universal-Klasse kann frühestens in einem Jahr auf Kiel gelegt werden. Sie wird deutlich kleiner als die gigantische Global-Klasse und trotzdem soll jeder einzelne Passagier mehr Platz bekommen. Keine Massenverköstigung, keim- und virenabtötende Schleusen in den Lüftungsanlagen, leicht desinfizierbare Oberflächen. Die Schiffbauer glauben an eine keimfreie Zukunft der Kreuzfahrtbranche. Das tut auch die Landesregierung, obwohl die Kritik an weiteren Hilfen für die MV Werften wächst. Immerhin gibt es erst mal eine Atempause. Nach der Freigabe der Sicherheitsfinanzreserve des Werfteigners werden in diesen Tagen Rechnungen der Zulieferer und Dienstleister, zu mindestens teilweise beglichen. Aber damit ist nur der erste Akt des langen Dramas zur Rettung des Unternehmens überstanden.

Bund verlangt Gutachten und Fortführungskonzept

Die MV Werften brauchen weiter frisches Geld und deshalb wollen sie unter den Rettungsschirm des Bundes. Konkret geht es um einen 570-Millionen-Euro-Kredit. Das Geld rückt der Bund nur raus, wenn die MV Werften eine Reihe von Voraussetzungen erfüllen. Sie müssen ein schlüssiges Fortführungskonzept liefern, in dem detailliert aufgeführt wird, welche Schiffe mit welchem Personal wo und wann gebaut werden. Dazu gehört auch, wer die Schiffe zu welchem Preis abnimmt. Außerdem müssen sich die MV Werften von unabhängigen Wirtschaftsprüfern durchleuchten lassen. Ende September soll das alles abgeschlossen sein. Danach entscheidet ein 24-köpfiges Gremium des Bundesfinanz- und Bundeswirtschaftsministeriums, ob die MV Werften unter den Rettungsschirm kommen.

MV-Werften: Banken geben grünes Licht für Hilfen

Nordmagazin -

Erleichterung bei den MV-Werften: Die Banken haben 175 Millionen Euro von Sperrkonten freigegeben. Wirtschaftsminister Harry Glawe berichtet, wie die Einigung zustande kam.

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Totalverlust droht

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Die MV Werften müssen noch immer auf die Unterstützung des Bundes hoffen.

Die Landesregierung riskiert dabei viel. Sollte die Werftenrettung wie im Falle der P+S Werften scheitern, wäre ein hoher zweistelliger Millionenbetrag verloren. Der Hongkonger Genting-Konzern, die Mutter der MV Werften, hat noch mehr zu verlieren. Mehr als zwei Milliarden Euro haben die Asiaten seit dem Kauf in die MV Werften gesteckt - in Löhne, Material, Anlagen. Sollte sich das Management in Hongkong dazu entscheiden, ihre norddeutschen Schiffbauaktivitäten einzustellen, wäre dieses Investment verloren.

Neustart wird vorbereitet

Und so wird erst mal weitergemacht. Neben der Entwicklungsabteilung arbeitet ein kleines Team auf den Werften, um das stufenweise Hochfahren des Schiffbaus vorzubereiten. Eine weitere Gruppe testet neue Hygiene-Standards, die das Arbeiten in den Hallen und auf den Schiffen unter Corona-Bedingungen möglich machen soll. Wann die gut 3.000 Schiffbauer wieder arbeiten gehen können, bleibt hingegen unsicher. Bis zum Jahresende gilt erst mal Kurzarbeit. Eine hoffnungsvolle Nachricht kommt in diesen Tagen von der Konzernmutter. Ende des Monats nimmt der Genting-Konzern Kreuzfahrten mit der eigenen Flotte wieder auf. Die "Explorer Dream" startet am 26. Juni zum Insel-Hopping rund um Taiwan.

Weitere Informationen

Landtag beschließt Werftenhilfe einstimmig

18.06.2020 17:00 Uhr

Der Landtag hat sich hinter den Rettungsplan der Landesregierung für die angeschlagenen MV-Werften gestellt. Das Parlament unterstützte einstimmig die geplanten Hilfen. mehr

Banken geben Soforthilfe für MV-Werften frei

29.06.2020 19:00 Uhr

Die MV-Werften in Wismar, Rostock und Stralsund können vorerst aufatmen. Insgesamt 17 Banken haben ein 175-Millionen-Euro-Hilfspaket für die Schiffbaubetriebe freigegeben. mehr

Hilfen für MV-Werften beschlossen

16.06.2020 19:30 Uhr

Die rot-schwarze Landesregierung hat den ersten Teil eines Rettungsplans für die MV-Werften beschlossen. Das Kabinett stimmte dafür, eine eingefrorene Sicherheitsreserve des Werft-Eigners freizugeben. mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 03.07.2020 | 15:00 Uhr

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