Stand: 07.08.2019 18:20 Uhr  - NDR 1 Radio MV

Landwirt aus Marlow vom WWF geehrt

von Franziska Drewes, NDR 1 Radio MV
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Landwirt Lenschow hält seine Milchkühe so weit es möglich ist auf der Weide.

Der Landwirt Wilfried Lenschow ist von der Umweltschutzorganisation WWF als "Ostseelandwirt 2019" für sein Engagement im Naturschutz geehrt worden. Er ist Chef der Agrargenossenschaft Bartelshagen I. Diese bewirtschaftet in Kuhlrade, einem Ortsteil von Marlow (Landkreis Vorpommern-Rügen), rund 3.300 Hektar Land. Seit 25 Jahren ist Lenschow Landwirt. Von Anfang an hat er sich auf vielfältige Art und Weise für die Tier- und Pflanzenwelt eingesetzt. Das hat den WWF überzeugt. "Wir wirtschaften für unsere Umwelt", sagt Lenschow, "ich bin mir sicher, dass wir auch etwas zurückbekommen".

Hohes Gras für den Gewässerschutz

Auf einem seiner Felder hat Lenschow links und rechts von einem Graben kniehohes Gras stehen lassen. Noch vor kurzem wuchs daneben Wintergerste. Sie wurde gerade abgeerntet. Der 20 Meter breite Schutzstreifen verhindert, dass Reste von Dünger und Pflanzenschutzmitteln in den Graben fließen. Das ist wichtig für den Gewässerschutz - bis hin zur Ostsee. Etwa 97 Prozent der Ostsee sind laut WWF zu stark mit Nährstoffen belastet - vor allem mit Stickstoff und Phosphat. Die Hälfte dieser Stoffe stammt aus der Landwirtschaft. Gewässerschutz steht für Lenschow an oberster Stelle.

Ein Herz für Insekten

An den Rändern von Lenschows Feldern wachsen Blühstreifen für Insekten. Im Kuhstall hat der Hobby-Ornithologe Nisthilfen für Mehl- und Rauchschwalben montiert. Auf dem Hof der Agrargenossenschaft stehen sogenannte Siloaufsteller. Lenschow und sein Team haben in die Silos Löcher gebohrt - auch das ist ein Vogelschutzprojekt. Uferschwalben sind hier eingezogen, die sonst an Steilküsten oder Kiesgruben brüten. Lenschow hat auch ein Herz für Bodenbrüter. Die bewirtschafteten Felder werden meist erst gemäht, wenn die Vögel ihre Nester verlassen haben. Dazu gehören die Feldlerchen, die in der Region wieder häufiger als vor einigen Jahren vorkommen, berichtet der Landwirt.

Nistplätze für seltene Vögel

Seit vier Jahren hält Lenschow seine Milchkühe auf der Weide. Er hat seine Koppeln teilweise mit Eichenpfählen eingefasst. Darunter lässt Lenschow das Gras wachsen. Dadurch entstehen perfekte Nistplätze für andere selten gewordene Vögel, beispielsweise für das Braunkehlchen. Neue Pläne hat Lenschow auch schon. Viele Teiche oder Sölle wurden in der Vergangenheit zugeschoben, um sie als Ackerfläche nutzen zu können. Lenschow baggert diese wieder aus und legt Biotope für Insekten und Lurche an.

Lenschows Team zieht mit

Wilfried Lenschow lebt für die Natur. Das geht, so sagt er, auch in der konventionellen Landwirtschaft. Er betont, dass seine Mitarbeiter mitziehen. "Wenn die sagen, das ist Quatsch, bringt es gar nichts. Das ist eine Gemeinschaftsarbeit. Und darauf bin ich stolz." Um den Titel "Ostseelandwirt 2019“ hat sich Lenschow selbst beworben. Der Preis ist mit 1.000 Euro dotiert. Das Geld ist für Lenschow Nebensache. Seine Motivation war eine andere. Er wünscht sich, dass andere Landwirte sich angesteckt fühlen und sich auch für die Natur einsetzen oder von ihren Projekten erzählen. "Das ist ein Geben und Nehmen. Auch ich kann dazulernen und von anderen Ideen profitieren.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 07.08.2019 | 06:30 Uhr

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