Stand: 19.02.2019 14:50 Uhr

Kreistag will Klarheit über Häuser im Schilf

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Für die Aufschüttungen im Schilfgürtel soll belastetes Material verwendet worden sein. (Archivbild)

Der Kreistag Vorpommern-Greifswald hat am Montagabend über den umstrittenen Bau von privaten Ferienhäusern im geschützten Schilfgürtel des Nepperminer Sees in Benz auf Usedom beraten. Das Thema soll nun in den Ausschüssen behandelt werden. Die SPD-Fraktion fordert Aufklärung darüber, wie es dazu kam, dass im geschützten Schilfgürtel Boden aufgeschüttet wurde, um darauf private Ferienhäuser zu bauen. Etwa 800 Quadratmeter geschütztes Schilfbiotop seien vernichtet worden. Für die Aufschüttung habe man zum Teil belastetes Material aus dem Straßenbau verwendet.

Ein Archivbild einer Luftaufnahme von Häusern im Schilf.

Kreistag will Häuserbau im Schilf aufklären

Nordmagazin -

Der Wirbel um die Ungereimtheiten beim Bau von Ferienhäuser im Schilfgürtel am Achterwasser auf Usedom hält an. Jetzt hat sich der Kreistag mit dem Thema beschäftigt.

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Antrag ohne Vorwürfe gegen Kreisverwaltung

Linke und Grüne hatten den ursprünglichen Antrag nicht mittragen wollen. Aber auch sie fordern Aufklärung, etwa über die Aufschüttungen im Schilfgürtel. Deshalb einigten sie sich mit der SPD auf abgeschwächte Formulierungen im Antrag: Anschuldigungen gegen die Kreisverwaltung wurden herausgenommen. Matthias Krins von der CDU warf der SPD vor, die Fakten nicht auf den Tisch zu legen. Für den Bau der Ferienhäuser am Nepperminer See gebe es bestandskräftige Baugenehmigungen. Sollte gegen Recht und Gesetz verstoßen worden sein, hätten die Sozialdemokraten klagen können.

SPD-Fraktionschef Günther Jikeli erklärte hingegen, er habe beim Kreis bereits Akteneinsicht beantragt. Er behauptet, dass vor zwei Wochen diese jedoch durch die Anwälte von Innenminister Caffier unterbunden worden sei. Die Privatperson Lorenz Caffier ist Eigentümer eines Ferienhauses am Nepperminer See. Im Gespräch mit dem NDR sagte Caffier, dass diese Behauptung falsch sei. Er habe nicht die Einsichtnahme beziehungsweise Herausgabe von Akten unterbunden oder gestoppt. In einer Stellungnahme des Innenministeriums heißt es zudem: "Der Landkreis Vorpommern-Greifswald hat Herrn Caffier als vom Antrag auf Einsichtnahme betroffene Privatperson angehört, da personenbezogene Daten von Herrn Caffier von der Akteneinsicht berührt sind. Als Privatperson hat sich Herr Caffier gegen eine Akteneinsicht ausgesprochen. Die eigentliche Entscheidung, ob einer Akteneinsicht zugestimmt oder diese abgelehnt wird, obliegt einzig und allein dem Landkreis und ist unabhängig von einer Einwilligung oder Ablehnung durch die angehörte Person."

Grüne wollen klären, ob Straftat vorliegt

Der Fraktionsvorsitzende der Grünen, Waldemar Okon, sagte am Rande der Kreistagssitzung, die Grünen störe vor allem, dass das Ufer des Nepperminer Sees zugebaut wurde. Den Einheimischen bliebe so nur ein schmaler Zugang zum Baden. Die Grünen wollten nachforschen, ob es sich bei der Aufschüttung in dem mehrfach geschützten Gebiet nicht um eine Straftat handele.

Vor der Kreistagssitzung haben etwa 50 Demonstranten Aufklärung über den Bau der Ferienhäuser gefordert.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 19.02.2019 | 06:00 Uhr

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