Stand: 13.09.2020 13:24 Uhr

Jubiläum: 30 Jahre Nationalparks in MV

Alte Buchenwälder, Boddenlandschaften, Salzwiesen und Steilküsten, breite Sandstrände - Mecklenburg-Vorpommern hat einen Naturschatz, der einzigartig ist. Der 12. September 1990 war dabei ganz entscheidend, vor 30 Jahren verabschiedete der Ministerrat der DDR in seiner allerletzten Sitzung das Nationalparkprogramm.

Michael Succow - Vater des Nationalparkprogramms

Spaziergänger laufen durch einen Buchenwald im Nationalpark Jasmund. © dpa/Picture Alliance Foto: Jens Büttner
Eine Familie genießt den Spaziergang unter alten Buchen im Nationalpark Jasmund. Laut Umweltminister Backhaus steht für die Erfüllung von Naturschutzaufgaben zu wenig Geld zur Verfügung.

Schon Jahre vorher, sagen Zeitzeugen, hatten führende Naturschützer im kleinen Kreis eine Liste wertvoller Landschaften geschrieben. Einer, der damals viel für die Natur im Osten bewegt hat, ist der Greifswalder Biologe Michael Succow. Er gilt als Vater des ostdeutschen Nationalparkprogramms. Dabei war der 12. September vor 30 Jahren schicksalhaft, insgesamt sind damals 500.000 Hektar, also viereinhalb Prozent der DDR-Flächen unter Schutz gestellt worden. Der NABU würdigte diese Leistung als "ein Jahrhundertwerk, geschaffen in weniger als einem Jahr."

3 Nationalparks, 7 Naturparks, 3 Biosphärenreservate

Insgesamt feiern an diesem Wochenende fünf Nationalparks in Deutschland ihr 30-jähriges Jubiläum, darunter auch die drei in Mecklenburg-Vorpommern - also der Nationalpark Vorpommersche Boddenlandschaft, der Nationalpark Jasmund und der Müritz-Nationalpark. Mecklenburg-Vorpommern hat darüber hinaus noch sehr viel mehr dieser Großschutzgebiete. Ein Gebiet, das für den Naturschutz eine ganz besondere Rolle spielt, ist auch die ehemalige innerdeutsche Grenze. Dort wo früher Sperrgräben, Minenfelder und Grenzzäune waren, hatte die Natur nach der Wende jahrzehntelang Zeit, sich zu regenerieren. Eine Perlenkette von Biotopen ist entstanden, seltene Tier- und Pflanzenarten existieren dort jetzt - Kräuter, Libellen, Vögel zum Beispiel - die es anderswo längst nicht mehr gibt.

Spagat zwischen Schutz und Erlebnis

Probleme gibt es mit Blick auf die Großschutzgebiete vor allem im Spagat zwischen dem Naturerlebnis für die Menschen auf der einen Seite und dem Schutz der Natur auf der anderen. Gerade in diesem Jahr haben viele Menschen ihren Urlaub hier in Deutschland verbracht. Da sind die Parkplätze voll, es wird illegal gecampt, Wildtiere werden gestört. Demgegenüber stehen zu wenig Fachkräfte, die sich um Umweltbildung, um Führungen aber auch um Kontrollen kümmern können.

Umweltminister: Zu wenig Geld für Personal

Der zuständige Umweltminister Till Backhaus (SPD) hatte diesen Sommer im Landtag erklärt, dass es Schwierigkeiten bei der Finanzierung von Naturschutzaufgaben gibt. Demnach musste in den vergangenen Jahren ein Drittel des Personals in den Nationalparks abgebaut werden - aus Kostengründen. Das sehen auch Naturschutzverbände im Land kritisch. Sie bemängeln vor allem, dass das Land den Naturschutz auf Ehrenamtliche abwälzt - und das dürfe nicht sein.

Weitere Informationen
Blick auf grüne steile Küstenabschnitte. Links und rechts ragen Bäume in das Bild hinein. Zwischen ihnen steht ein Mann, der den Blick über die Küste schweifen lässt.
44 Min

Grüne Schatzkammern | Nationalparks in MV

"Tafelsilber der deutschen Einheit", so werden die Nationalparks im Osten Deutschlands genannt. Allein in Mecklenburg-Vorpommern gibt es drei Nationalparks. 44 Min

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 13.09.2020 | 12:00 Uhr

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