Jetzt PCR-Test bei Schnupfen in Schule und Kita

Stand: 12.04.2021 05:22 Uhr

In Mecklenburg-Vorpommern müssen Kinder mit Schnupfen oder Husten vor dem Kita- oder Schulbesuch beim Arzt einen PCR-Test vornehmen lassen. Kritiker halten das für "völlig überzogen".

Eine Schnupfnase oder leichter Husten sind bei kleinen Kindern in manchen Monaten fast ein Dauerzustand und deshalb in vielen Kitas kein Grund, die Kinder nicht aufzunehmen, solange sie nicht Fieber haben und sich wohlfühlen. Das soll sich nun ändern: Von heute an gilt eine neue Corona-Landesverordnung für Kitas und in der Kindertagespflege. Die Regeln zum Gesundheitsschutz werden strenger. Das heißt, sowohl Eltern als auch die Kita-Fachkräfte müssen genauer hinschauen, sobald Kinder Krankheitssymptome zeigen.

Ein Erkältungssymptom reicht

Das gilt für alle klassischen Erkältungssymptome wie Husten, Schnupfen, Hals- oder Kopfschmerzen sowie für Durchfall oder Erbrechen - und zwar auch, wenn sie einzeln auftreten und das Kind kein Fieber hat. In diesen Fällen müssen die Familien mit den Kindern zum Haus- oder Kinderarzt und dort einen PCR-Test vornehmen lassen. Nur wenn dieser negativ ist und es bei milden Symptomen bleibt, dürfen die Kinder wieder in ihre Kita oder in die Tagespflege. Für den Arztbesuch muss ein Nachweis vorgelegt werden.

Ohne Test eine Woche zu Hause

Wenn die Eltern es ablehnen, für den PCR-Test einen Arzt aufzusuchen, dann müssen die Kinder vorsorglich sieben Tage zu Hause bleiben. Für diese Zeit bleibt ihnen der Kita-Besuch untersagt. Sozialministerin Stefanie Drese (SPD) begründete diese Schutzmaßnahmen mit den zuletzt deutlich gestiegenen Corona-Neuinfektionen bei Kindern unter fünf Jahren. Fast ein Viertel der Covid-19 erkrankten Kleinkinder hätten zudem Schnupfen als Symptom gehabt. Deshalb empfehlen Medizin-Experten und auch der Verband der Kinder- und Jugendärzte nun, Kinder mit Symptomen stärker zu testen - und zwar mit den sicheren Labortests.

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Neue Vorgaben gelten auch für Schulen

Die Vorgaben des Landesgesundheitsamtes gelten für Kitas und Schulen gleichermaßen. Das Bildungsministerium hatte den Schulen am Freitag einen aktualisierten Hygieneplan geschickt. Dieser listet die Symptome nun allesamt einzeln auf und nicht mehr in Verbindung mit Fieber. Auch in Schulen gilt: Wer Husten, Schnupfen, Durchfall oder Kopfschmerzen hat, muss das mit einem PCR-Test beim Arzt abklären lassen - am besten vor dem Schulbesuch. Für Kitas und Schulen gilt auch: Treten die Symptome erst während der Betreuung oder im Unterricht auf, müssen die Kinder getrennt betreut werden, bis sie abgeholt werden oder ältere Schüler alleine nach Hause gehen.

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Kinderärzte-Sprecher: "Richtiger Schritt"

Die Kinderärzte im Land unterstützen die neue Test-Regelung. Der Sprecher des Landesberufsverbands der Kinder- und Jugendärzte, Steffen Büchner, sagte NDR 1 Radio MV, es sei wichtig, jetzt möglichst jedes infizierte Kind zu finden. Kinder seien zwar weiterhin nicht die Treiber der Pandemie, aber mit der britischen Corona-Mutante würden infizierte Kinder und Jugendliche häufiger schwer erkranken. Die PCR-Tests beim Arzt seien der richtige Schritt, um mehr Sicherheit für Kinder in den Einrichtungen zu erlangen und Kitas sowie Schulen möglichst lange offen zu halten.

Kritik an "völlig überzogenen" Maßnahmen von der CDU

Die CDU kritisierte die erweiterten Testregelungen und Schutzmaßnahmen als "völlig überzogen". Mit der PCR-Testpflicht für Kinder mit Erkältungssymptomen habe sich Sozialministerin Drese "vergaloppiert", sagte der familienpolitische Sprecher der CDU-Landtagsfraktion, Daniel Peters. Er sprach von einen Paradigmenwechsel. "Denn bislang verzichten wir bei den Kleinsten aus gutem Grund auf einen Test, der für Kinder, die bekanntermaßen oft schon im Alter von einem Jahr die Kita besuchen, verstörend wirkt." Kinder seien nicht "die Treiber der Infektion".

SPD weist Vorwürfe zurück

"Schon bei Schnupfen ein Kind sozial isolieren zu wollen, fördert weder die Gesundheit noch die seelische Entwicklung des Kindes", sagte der CDU-Sozialexperte Matthias Manthei. Solche drakonischen Maßnahmen seien "kindeswohlgefährdend." Der Vorsitzende der SPD-Fraktion im Landtag, Thomas Krüger, kritisierte die Äußerungen aus den Reihen des Koalitionspartners: "Mal wieder zeigt die CDU-Fraktion, dass sie absolut uneins ist und damit nur für Verunsicherung der Menschen in Mecklenburg-Vorpommern sorgt", teilte er mit. In die Abstimmungen zur Teststrategie sei auch das CDU-geführte Gesundheitsministerium eingebunden gewesen.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | Die Nachrichten | 12.04.2021 | 05:30 Uhr

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