Stand: 26.04.2020 14:13 Uhr

Jäger werden Wildbret kaum noch los

Über vierzig Wildschweine sind nach einer Treibjagd als Strecke ausgelegt nach einer Jagd bei Glasin in Mecklenburg-Vorpommern © dpa Foto: Jens Büttner
Wildschweinfleisch zu verkaufen, fällt den Jägern derzeit schwer.

Durch die Corona-Krise stecken die Jäger auch in Mecklenburg-Vorpommern in der Zwickmühle. Sie müssen jagen, aber sie werden das Wildbret nicht los. Die Großhändler für Wildfleisch haben den Jägern bedeutet, dass ihre Kühlhäuser voll seien, so Volker Böhning, Chef des Landesjagdverbandes. Denn Hotels und Gaststätten sind geschlossen. Sie zählen zu den wichtigsten Kunden. "Wir werden das Wildfleisch nicht los", beklagt der Verbandschef. Die Großhändler seien bereits mit der Bitte an die Jägerschaft herangetreten, weniger zu jagen, etwa mit der Rehbejagung erst im August zu beginnen. "Wir können aber nicht auf die Jagd verzichten", sagt Böhning.

Jagd-Stopp wäre "grob fahrlässig"

Er nennt zwei wichtige Gründe. Wegen des Klimawandels werden viele Wälder umgebaut und aufgeforstet. Junge Bäume müssten auch durch die Jagd vor zu viel Verbiss geschützt werden. Außerdem müssten weiterhin Wildschweine gejagt werden, um das Risiko zu verringern, dass die Afrikanische Schweinepest nach Deutschland übertragen wird. Schließlich seien erste Fälle bereits im Westen Polens in der Nähe der deutschen Grenze registriert worden. Die Jagd einzuschränken solange das Schwarzwild sich noch nicht in hohen Maisfeldern verstecken kann, wäre laut Böhning "grob fahrlässig".

Mehr Wildfleisch direkt verkaufen

Bislang verkaufen die Jäger etwa 75 Prozent ihrer Strecke an Großhändler. Um ihr Wildbret weiterhin an den Mann zu bringen, müssten sie mehr davon direkt vermarkten - selbst wenn die Preise derzeit deutlich sinken. Allerdings haben viele Jäger nicht die Kapazitäten, noch mehr Fleisch selbst zu verarbeiten. Wer dies von einem Metzger erledigen lässt, darf es danach aber nicht weiterverkaufen. Nur in Baden-Württemberg gibt es dafür eine Ausnahmegenehmigung. Böhning wünscht sich eine ähnliche Regelung auch für Mecklenburg-Vorpommern. Hilfreich wären auch sogenannte mobile Wildkammern, in denen Wild zerlegt und verarbeitet werden kann. Selbst wenn sich die Jäger eines Hegeringes eine Wildkammer leisten würden, kostet sie immer noch mehr als 20.000 Euro. Staatliche Hilfe könnte die Anschaffung befördern, so Böhning.

73.000 Wildschweine erlegt

Wer Wildfleisch direkt vom Jäger kaufen möchte, könne sich etwa im Internet über die vom Deutschen Jagdverband betriebene Seite www.wild-auf-wild.de informieren. Der Landesjagdverbandschef macht sich noch keine Sorgen, dass Wildfleisch vernichtet werden muss. Rotwild könne etwa ein Jahr lang tiefgefroren gelagert werden, Schwarzwild etwa für drei Monate. In der vergangenen Jagdsaison wurden laut Böhning in Mecklenburg-Vorpommern rund 73.000 Wildschweine und 60.000 Rehe erlegt. Beim Damwild waren es 13.000 und beim Rotwild 8.200. 

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 26.04.2020 | 11:40 Uhr

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