Ader mit roten Blutkörperchen © picture alliance Foto: P.Arnold, Inc./Helga Lade

Greifswalder Unimedizin: Sepsis-Dialog soll bundesweit Schule machen

Stand: 21.07.2021 15:23 Uhr

Es fühlt sich oft an wie eine schwere Grippe, wird aber schnell lebensbedrohlich: Etwa 75.000 Menschen in Deutschland sterben jedes Jahr an einer Blutvergiftung. Die Universitätsmedizin Greifswald setzt seit zehn Jahren erfolgreich auf Aufklärung.

Fachleute schätzen, dass bis zu 20.000 Todesfälle, die durch eine Blutvergiftung verursacht wurden, vermeidbar gewesen wären. Wichtig sei, dass Bevölkerung und Mediziner besser über das Thema Sepsis aufgeklärt werden. An der Universitätsmedizin gibt es ein spezielles Qualitätsmanagementprojekt - genannt Sepsis-Dialog. Demnach sind alle medizinischen Fachkräfte geschult, eine Sepsis zu erkennen und dann auch schnell und vor allem richtig zu handeln. Bei einer Blutvergiftung gerät eine Infektion außer Kontrolle. Das Immunsystem wehrt sich nicht nur gegen die Viren oder Bakterien, die diese Infektion auslösen, sondern auch gegen die eigenen Organe, die dann ausfallen.

Blutvergiftungen haben oft unspezifische Symptome

Blutvergiftungen sind deshalb so schwer zu erkennen, weil viele dabei an eine äußerliche Wunde und an den bekannten roten Strich auf der Haut denken. Den gibt es natürlich. Die meisten Sepsis-Fälle entstehen aber durch eine Infektion im Körper. Und die äußert sich sehr unspezifisch: Fieber, Schüttelfrost, Schmerzen, die Patienten sind vielleicht verwirrt, viele beschreiben auch, dass sie sich noch nie so krank gefühlt haben. Mediziner müssen die Symptome dann erstmal als Sepsis erkennen.

Niedrigere Sterblichkeitsrate durch Sepsis in Greifswald

In Greifswald gilt, solange die Diagnose nicht widerlegt ist, steht der Verdacht auf eine Sepsis im Raum. Damit konnte die Universitätsmedizin die Sterblichkeit der Sepsis-Patienten senken. Bei Universitätskliniken, die viele schwerkranke Patienten behandeln, liegt diese Sterblichkeit um die 40 bis 45 Prozent, sagt Intensivmediziner Matthias Gründling: "In Greifswald liegt die tatsächliche Sterblichkeit bei acht bis teilweise 10 Prozent niedriger. Und da glauben wir eben, dass dieser Unterschied einfach darin liegt, das bei uns durch die Schulung viel mehr Leute die Sepsis auf dem Zettel haben und frühzeitig erkennen." Und deswegen soll das "Greifswalder Modell" nun deutschlandweit Schule machen.

Greifswalder Modell soll bundesweit Schule machen

Gemeinsam mit dem Aktionsbündnis Patientensicherheit, der deutschen Sepsis-Hilfe und der Sepsis-Stiftung soll in Greifswald Schulungsmaterial für Kliniken in ganz Deutschland entwickelt werden. Dafür werden vier neue Mitarbeiter eingestellt - ein Wissenschaftler, ein Arzt, eine Krankenschwester und ein Mediengestalter. Sie bündeln alles, was an der Greifswalder Universitätsmedizin für die Schulung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zur Verfügung steht und bereiten es auf. Gefördert wird das Ganze vom Bundesgesundheitsministerium. 1,2 Millionen Euro gibt das Ministerium für die Initiative "Deutschland erkennt Sepsis" dazu. Bestandteil ist auch eine Aufklärungskampagne für die Bevölkerung, damit jeder von uns für die Anzeichen einer Sepsis sensibilisiert wird.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 21.07.2021 | 16:40 Uhr

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