Stand: 22.10.2019 17:44 Uhr  - NDR 1 Radio MV

Gesundheitsreport: Schlafstörungen nehmen zu

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Manchmal reicht schon die Angst vor Schlaflosigkeit, um diese tatsächlich auszulösen. (Symbolbild)

Menschen in Mecklenburg-Vorpommern schlafen besser als Menschen in anderen Teilen Deutschlands. Zu diesem Schluss kommt eine Studie der Barmer-Krankenkasse. Allerdings schlafen die Menschen im Nordosten heute schlechter als noch vor 15 Jahren. Erhielten im Jahr 2005 noch 1,7 Prozent der Beschäftigten in Mecklenburg-Vorpommern die Diagnose Ein- und Durchschlafstörung, waren es 2017 bereits 3,1 Prozent, wie Barmer-Landesgeschäftsführer Henning Kutzbach am Dienstag in Schwerin bei der Vorstellung regionaler Daten aus dem Gesundheitsreport 2019 sagte.

Rostocker am häufigsten betroffen

Frauen sind der Studie zufolge häufiger betroffen als Männer und Stadtbewohner häufiger als Menschen auf dem Land. Die Rostocker schlafen der Studie zufolge in MV am schlechtesten - sie erreichen den Bundesdurchschnitt bei der Diagnose Ein- und Durchschlafstörung. Es folgen die Landkreise Ludwigslust-Parchim und Nordwestmecklenburg. Am besten schlafen demnach die Schweriner, gefolgt von den Menschen in den Landkreisen Mecklenburgische Seenplatte, Vorpommern-Greifswald, Vorpommern-Rügen und dem Kreis Rostock.

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Größter Schlafkiller: Schichtarbeit

Besonders verantwortlich für Schlafstörungen ist Schichtarbeit, erklärte Kutzbach. Schichtarbeiter schlafen im Schnitt etwa zwei Stunden weniger pro Nacht als andere Arbeitnehmer. Die Folge sind Schlafstörungen, von denen besonders Bus- und Straßenbahnfahrer betroffen sind. Wer unter Schlafstörungen leidet, ist außerdem öfter krank, hat die Krankenkasse ermittelt: Während ein Arbeitnehmer durchschnittlich 20 Tage im Jahr krank ist, bleibt ein Patient mit Schlafstörungen 56 Tage zu Hause.

Auch Depressionen führen zu Schlaflosigkeit

Aber nicht nur die Schichtarbeit macht schlaflos, erläuterte Andreas Brooks, Chefarzt der Psychiatrie bei den Helios Kliniken Schwerin: Auch von Depressionen und anderen psychischen Erkrankungen Betroffene leiden unter Schlafstörungen. "Da bringt es nichts, ein Rezept über Schlafmittel auszustellen". Zunächst müsse vielmehr die Grunderkrankung behandelt werden, erst dann bessert sich im Idealfall indirekt auch der Schlaf. Schlaflosigkeit ist ein Symptom der Depression. Gleichzeitig kann die Schlaflosigkeit aber auch Depressionen auslösen, weil der Mensch sich nie erholt.

Schlaf-Apnoe: Atmung setzt immer wieder aussetzt

Ähnlich ist es bei Patienten mit Schlaf-Apnoe. Die Atmung dieser Patienten setzt im Schlaf immer wieder aus - bei manchen 30, 40, oder 50 Mal in der Stunde. Wolfram Grüning, Chefarzt für Pneumologie an den Helios Kliniken Schwerin erklärte, dass die fehlende Atmung dazu führt, dass der Sauerstoffgehalt im Blut sinkt. Nach sechs oder sieben Stunden Schlaf fühlen sich Betroffene deswegen nicht erholt, sondern regelrecht gerädert. "Man wacht morgens auf und hat Schwerarbeit geleistet", so Grüning. Hier hilft die Diagnostik im Schlaflabor.

Angst vor Schlaflosigkeit, die zu Schlafstörungen führt

Die häufigste Form der Schlafstörung hat laut Brooks gar keine echte Ursache. Gelegentliche Schlafprobleme können bei eigentlich gesunden Menschen zu echten Schlafstörungen führen, wenn aufgrund des Wissens über die Gefahren von chronischen Schlafstörungen das Gedankenkarussell nicht mehr stillsteht. In solchen Fällen können feste Rituale den Kreislauf durchbrechen. Zu einer "gesunden Schlafhygiene" gehören beispielsweise ein kühler, gut belüfteter, in kühlen Farben gestrichener Raum, das richtige Bett, keine Aufregung, kein Fernsehen, keine Nachrichten, keine Bildschirme vor dem Schlafengehen, sondern pure Entspannung - "aggressives Nichtstun", wie Brooks es nennt.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 22.10.2019 | 18:00 Uhr

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