Gegen den Trend: Geburtshilfe Anklam bleibt trotz Verlusten

Stand: 06.10.2020 13:06 Uhr

Im Nordosten werden vielerorts kindermedizinische Einrichtungen geschlossen, weil sie sich nicht rechnen. Die Geburtshilfe in Anklam wird vom Betreiber weiterhin getragen - trotz schlechterer Bilanz.

von Torsten Münchberger, NDR Vorpommern-Studio Greifswald

Im Osten des Landes gelegen, 21 Mitarbeiter auf der Station Gynäkologie und Geburtshilfe, seit 2017 kommen hier etwa 400 Babys pro Jahr zur Welt - soweit die Statistik. Es geht um das Anklamer Ameos Klinikum, eines von 37 Krankenhäusern in Mecklenburg-Vorpommern. Die Klinik gehört zu den 15 Krankenhäusern im Land, die sich für eine Gynäkologie und Geburtshilfe entschieden haben.

Geburtenstationen im ländlichen Raum wenig rentabel

In Anklam wird nicht darüber nachgedacht, diesen Bereich zu schließen, obwohl er sich finanziell nicht rechnet. So ist es vielerorts geschehen - beispielsweise in den Bodden-Kliniken Ribnitz-Damgarten, im Krankenhaus Wolgast oder zum 30. Juni 2020 auch im MediClin Krankenhaus am Crivitzer See.

Der personelle Aufwand auf Geburtenstationen ist hoch, erzählt der Krankenhausdirektor des Anklamer Klinikums, Stephan Freitag. Der Dienst muss 24 Stunden an 365 Tagen im Jahr gesichert sein - und das in einer ländlichen Region. Hier leben nicht so viele Menschen wie in den größeren Städten des Landes. Dementsprechend werden auch nicht so viele Babys geboren, wie beispielsweise in Rostock, Greifswald oder Stralsund. So lässt sich auch erklären, warum sich aus wirtschaftlicher Sicht Gynäkologie, Geburtshilfe und auch Kinder- und Jugendmedizin wirtschaftlich nicht tragen.

Gewinne und Verluste insgesamt betrachten

Das Anklamer Klinikum ist Teil vom Gesundheitsdienstleister Ameos, der mehr als 90 Einrichtungen bundesweit betreibt. Die Gruppe hat sich dafür entschieden, Gewinne und Verluste intern zu verrechnen. Auf diese Weise steht nicht jede Einrichtung für sich allein. Das ist ein Model, das offensichtlich funktioniert und das es vor allem ermöglicht, im ländlichen Bereich den Versorgungsauftrag zu erfüllen. So jedenfalls sieht es der Krankenhausdirektor Freitag in Anklam.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | Nordmagazin | 07.10.2020 | 19:30 Uhr

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