Stand: 14.03.2020 18:15 Uhr  - NDR 1 Radio MV

Experte rechnet mit bis zu 10.000 Corona-Infizierten in MV

Der Rostocker Mediziner Prof. Dr. Reisinger spricht bei einer Pressekonferenz in Schwerin. © NDR
Virologe Emil Reisinger rechnet in MV in den nächsten drei Monaten mit bis zu 10.000 Corona-Infektionen.

Die Auswirkungen des Coronavirus werden erst in den kommenden Wochen voll zum Tragen kommen. "Wir werden uns noch monatelang mit dieser Epidemie beschäftigen" sagte der Chef des Robert-Koch-Instituts, Lothar Wieler, am Sonnabend bei einem Beratungstreffen von Infektions-Experten und Mitgliedern der Landesregierung in Schwerin mit. Wieler geht in den kommenden Wochen von weiterhin steigenden Coronavirus-Infizierten und Todesfällen aus. "Unser Ziel muss es sein, durch klare Eindämmungsmaßnahmen - etwa dass wir Einzelne quarantänisieren, dass wir Menschen in erster Linie ambulant behandeln - die Ausbreitung des Virus zu verlangsamen, um genügend Kapazitäten im Gesundheitssystem zu haben", so Wieler.

"Werden Zahlen erleben, die wir uns jetzt nicht vorstellen können"

"Wir werden Zahlen erleben, wie wir sie uns momentan noch nicht vorstellen können, die unser Gesundheitssystem stark belasten werden", sagte der Rostocker Medizinprofessor Emil Reisinger. Mecklenburg-Vorpommern stehe noch ganz am Anfang der Epidemie. Das sei gut, weil noch Maßnahmen ergriffen werden könnten, um Menschen, die schwerer erkranken, gut zu behandeln. Dabei müssten insbesondere ältere Menschen in den Blick genommen werden. Denn bei Menschen ab 60 Jahren gebe es Komplikationen. Sie müssten abgeschottet und geschützt werden. "Wir hoffen, nicht in die Situation zu kommen, eine Triage zu machen", so der Virologe. Bei einer Triage werden Patienten je nach Schwere der Erkrankung eingeteilt und entsprechend priorisiert.

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Experte geht von bis zu 10.000 Fällen in drei Monaten aus

Zu der Frage, wie stark sich das Coronavirus in Mecklenburg-Vorpommern verbreiten werde, nannte Reisinger konkrete Zahlen, die in den Berechnungsszenarien der Experten eine Rolle spielten. Reisinger geht von 2.000 bis 10.000 Fällen in Mecklenburg-Vorpommern in drei Monaten aus. Das seien pro Monat 800 bis 3.000 Fälle. "Dann wissen wir auch ungefähr, was auf unsere Krankenhäuser zukommt: Wenn wir 80 bis 100 Fälle im Monat in den Krankenhäusern haben, dann werden wir das mit viel Anstrengung schaffen. Wenn wir 300 Fälle oder mehr haben im Monat, dann werden wir an unsere Grenzen kommen. Da ist dann auch unsere Landesregierung gefragt, entsprechende Maßnahmen vorzusehen."

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So gut wie möglich abschotten

Die Experten befürworteten die drastischen Maßnahmen der Landesregierung, die am Mittag eine Schließung von Schulen und Kindertageseinrichtungen verfügt hatte. "Es ist wichtig, dass wir uns so weit wie möglich abschotten, so dass die Welle nicht schnell über uns hereinbricht und das Gesundheitssystem lahmlegt, sondern dass wir die Welle verzögern können, um die zu erwartende Menge an Patienten gut bewältigen zu können", so Reisinger weiter. Mecklenburg-Vorpommern sei in der "glücklichen Situation, dass wir noch nicht viele Infizierte haben und auf andere Bundesländer und deren Erfahrungen zurückgreifen können."

Land will weitere Beatmungsgeräte anschaffen

Gesundheitsminister Harry Glawe (CDU) erklärte, dass das Land weitere Beatmungsgeräte anschaffen wolle. Dazu würden in den kommenden Tagen Gespräche geführt. Zudem sollen drei weitere Testzentren zu den bestehenden neun in Mecklenburg-Vorpommern eingerichtet werden. Drei zusätzliche soll es bei der Landespolizei geben. Dort werden Beamte mit Verdacht auf eine Infektion getestet. Laut Reisinger wurden bislang etwa 1.500 Tests im Nordosten durchgeführt. Bis Sonnabend hatten sich in Mecklenburg-Vorpommern mindestens 45 Menschen mit dem Virus infiziert. Drei neue Fälle wurden aus Schwerin gemeldet, neun aus anderen Landesteilen.

Schulen und Kitas werden geschlossen

Am Mittag hatte Schwesig verkündet, dass alle Schulen und Kindertageseinrichtungen in Mecklenburg-Vorpommern von Montag an bis zum 20. April geschlossen bleiben. Dies sei für ein Bundesland mit einer hohen Betreuungsrate wie Mecklenburg-Vorpommern eine drastische Maßnahme, aber dem Ernst der Lage angemessen, so Schwesig. Die Landesregierung berät wegen der Corona-Krise den ganzen Tag über mit Vertretern der Kommunen und Experten über Maßnahmen gegen die schnelle Ausbreitung des Coronavirus. Ein weiteres Statement zur allgemeinen Lage wird frühestens um 18:30 Uhr erwartet. NDR.de überträgt live.

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NDR 1 Radio MV | Die Nachrichten | 14.03.2020 | 08:00 Uhr

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