Ein Wildschwein läuft in einem Wildschweingehege durch den Wald. © dpa Foto: Lino Mirgeler

Drückjagdsaison in Mecklenburg-Vorpommern beginnt

Stand: 04.11.2021 04:52 Uhr

In Mecklenburg-Vorpommern beginnt die Saison für Drückjagden. Damit soll der Wildbestand reguliert werden. Autofahrer und Waldbesucher werden um Achtsamkeit gebeten.

von Franziska Drewes, NDR 1 Radio MV

Bis Ende Januar wird wieder verstärkt in den Wäldern des Landes gejagt, und zwar in Gruppen und in der Regel mithilfe von Hunden. Jägerinnern und Jäger wollen so den Wildbestand regulieren.

Drückjagden werden vor allem an den Wochenenden durchgeführt aber auch vereinzelt in der Woche. Der Landesjagdverband appelliert an Autofahrer, besonders achtsam zu sein. Rehe, Hirsche oder Wildschweine und Jagdhunde können abrupt auf die Straße springen. Die Tiere rennen dabei teilweise orientierungslos wieder zurück in den Wald.

Jagd soll Bestand regulieren

Drückjagden werden von den einzelnen Forstämtern, privaten Waldbesitzern und Jagdpächtern organisiert. Jäger und Treiber bringen das Wild gemeinsam langsam in Bewegung und drücken es aus der Deckung. Das Jagen sei in Zeiten der Afrikanischen Schweinepest (ASP) besonders wichtig, so die Sprecherin des Landesjagdverbandes Julia Blau. "Prävention und Tierschutz spielen dabei eine große Rolle. Es muss unbedingt verhindert werden, dass die hochansteckende Tierseuche hierzulande ausbricht". Dies wäre auch für Nutztierbestände fatal, denn infizierte Wild- oder Hausschweine würden qualvoll leiden, betont Blau weiter. Ähnlich argumentiert auch der Leiter des Forstamtes Billenhagen, Bernhard von Finckenstein. In den Revieren des Forstamtes finden vor allem im November und Dezember Drückjagden statt, im Januar wird wegen der ASP nur noch gezielt Schwarzwild geschossen.

Jagd im Sinne des Waldes

Der Forstexperte verweist auf die kalte Jahreszeit, in der Wildtiere ihren Stoffwechsel herunterfahren und deshalb auch Phasen der Ruhe brauchen. Eine Bestandsregulierung schütze aber auch den Wald, so von Finckenstein weiter. Er denkt dabei an Wildschäden im Wald. Vor allem Rehe und Hirsche knabbern oftmals junge Pflanzen und Triebe an. Allerdings müssten Bäume infolge des Klimawandels mehr und mehr geschützt werden. "Es ist die Aufgabe der Forstämter, Wälder zu klimastabilen Mischwäldern umzubauen". Jagd sei dabei ein wichtiges Hilfsmittel. Wild gehöre in den Wald aber nur so viel wie dieser vertragen kann, so der Forstexperte.

Warnschilder verweisen auf Drückjagden

Generell müssen Drückjagden nicht bei den jeweiligen Landkreisen angemeldet werden. Es sei denn, sie führen an öffentlichen Straßen und Wegen entlang. Dort müssen Warnschilder aufgestellt werden. Darauf verweist auch der Deutsche Jagdverband. Auch Waldspaziergänger müssen mithilfe von Hinweisschildern gewarnt werden. Waldwege dürfen während einer Jagd nicht gesperrt werden. Im Landeswaldgesetz ist klar geregelt, dass jedermann den Wald zum Zwecke der Erholung betreten darf. Aber aus Sicherheitsgründen sollten Spaziergänger den Wald während einer Drückjagd meiden. Der Landesjagdverband verweist dabei auf die Lebensgefahr, die besteht, wenn Spaziergänger in eine solche Jagd gelangen.

Tierschützer kritisieren Jagd

Der Deutsche Tierschutzbund sieht Drückjagden kritisch, vor allem weil Wildtiere durch Treiber und Hunde den Jägern zugetrieben werden. Dies bedeute enormen Stress für die Tiere, so die Landesvorsitzende des Deutschen Tierschutzbundes Kerstin Lenz.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 04.11.2021 | 06:00 Uhr

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