Stand: 14.02.2020 11:23 Uhr

Der Einsatz von Glyphosat bedroht Imker in MV

Mit Glyphosat verunreinigter Honig wird zum Problem für Imker in Mecklenburg-Vorpommern. Experten fordern eine bessere Abstimmung mit der Landwirtschaft.

Die Rapsblüte ist die wichtigste Honigtracht in Norddeutschland. © NDR/ToB Filmproduktion/Tim Böhme
Die meisten Bienenvölker können durchschnittlich 40 Kilogramm Honig im Jahr produzieren .

Das Unkrautvernichtungsmittel Glyphosat im Honig – das ist so ziemlich das Schlimmste, was sich Hobby- und Berufsimker für ihr Produkt vorstellen können. Einer Imkerei in Brandenburg ist es im vergangenen Jahr passiert. Der Familienbetrieb musste in der Folge insgesamt rund vier Tonnen Honig aus dem Verkehr ziehen. Tausende Gläser wurden vernichtet. Damit war nicht nur die Arbeit eines ganzen Jahres zunichte gemacht, sondern auch das Image des betroffenen Imkers ramponiert und damit dessen Existenz bedroht.

Glyphosat ist ein Totalherbizid

Glyphosat ist ein ebenso bekannter wie umstrittener Unkrautvernichter, ein sogenanntes Totalherbizid. Das bedeutet: Dort, wo die hochgiftige Substanz versprüht wird, wächst nichts mehr. Landwirt Norbert Jungjohann, Betriebsleiter auf Gut Grambow im Landkreis Nordwestmecklenburg weiß, was es bedeutet, wenn Bienen mit Pflanzen in Berührung kommen, auf denen sich Glyphosat-Rückstände befinden: "Die Pflanzen hören ja nicht sofort auf zu blühen, wenn sie gespritzt wurden. Und die Bienen nehmen dann über die Pollen verunreinigten Nektar mit ins Volk.“ Die Folge: Glyphosat im Honig.

Abstimmungsbedarf zwischen Imkern und Landwirten

Einen so schwerwiegenden Fall wie in Brandenburg hat es im Nordosten bisher nicht gegeben. Landwirte und Imker müßten zusammenarbeiten, nur so könnten Schäden vermieden werden. Nicht immer leicht, weiß Agrarberater Rudolf Gerber: "Landwirte und Imker sprechen unterschiedliche Sprachen. Das Problem ist, der Landwirt hat von Imkerei keine Ahnung und der Imker weiß nichts von Landwirtschaft." Bei einer Berufsimkerei bleibe nicht viel übrig, wenn sie eine große Charge Honig vernichten müssen, das könne das Aus bedeuten. Der Staat müsse den Einsatz solcher Unkrautvernichtungsmittel verbieten, forderte Gerber.

In Mecklenburg-Vorpommern bisher zwei leichte Fälle

Die als unbedenklich geltende Rückstandshöchstmenge an Glyphosat für Honig beträgt 0,05 mg/kg, ein Wert, der knapp über der Nachweisgrenze liegt. In den vergangenen Jahren hat das Landesamt für Lebensmittelsicherheit in Mecklenburg-Vorpommern jedes Jahr rund 170 Honigproben untersucht. Weniger als ein Fünftel davon auch auf Rückstände von Pflanzenschutzmitteln. Ausdrücklich auf Glyphosat hatte das Amt vor drei Jahren zuletzt getestet. Ergebnis: Von einhundert Proben hatten zwei die zulässige Höchstmenge überschritten – die beiden dazugehörigen Chargen mussten daraufhin vernichtet werden. Ein kleiner Trost für die Imker und ihre Völker: Für die Bienen selbst ist das Pflanzengift nicht unbedingt tödlich. Und außerdem soll mit dem Glyphosateinsatz spätestens am 31. Dezember 2023 Schluss sein, dann läuft nämlich die Zulassung für den Unkrautvernichter EU-weit aus.

 

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 14.02.2020 | 12:30 Uhr

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