Corona-Warn-App: Zahnloser Tiger oder technische Hilfe?

Stand: 05.11.2020 08:43 Uhr

Die Corona-Warn-App soll laut Bundesregierung dabei helfen, Infektionsketten schneller zu unterbrechen. Zwar informiert die App Nutzer über Begegnungen mit positiv Getesteten, eine spürbare Entlastung für die Gesundheitsämter ist sie aber nicht.

von Robert Witt

21,1 Millionen Mal ist die Corona-Warn-App bislang in Deutschland heruntergeladen worden. Sie soll dabei helfen, Corona-Infektionsketten besser nachverfolgen zu können und so die Gesundheitsämter zu entlasten. Kurz nach dem Start im Juni dieses Jahres war laut Landesamt für Gesundheit und Soziales (LAGuS) noch keine Rede von einer Entlastung, da die Fallzahlen in Mecklenburg-Vorpommern zu gering waren. Hat sich das durch die aktuellen Fallzahlen in MV und dem größeren Aufwand der Gesundheitsämter geändert?

Wesentliche Entlastung nicht erwartbar

Das LAGuS in Rostock konnte auf Anfrage keine Einschätzung zur Corona-Warn-App auf die Arbeit der Gesundheitsämter treffen. "Allerdings ist nicht zu erwarten, dass durch die Corona-Warn-App bisher eine wesentliche Entlastung der Gesundheitsämter erfolgt ist", heißt es in einem schriftlichen Statement.

Im Landkreis Vorpommern-Greifswald sind laut Kreissprecher Achim Froitzheim einzelne Anfragen zur Corona-Warn-App an der Tagesordnung. "Menschen melden sich, weil bei ihnen ein rotes Warnsignal angezeigt wurde, anschließend werden ihre Kontaktdaten erfasst und sie werden gegebenenfalls zum Abstrich gebeten", so Froitzheim weiter. Für ihn und einen Teil der Mitarbeiter sei die App "ein Baustein von vielen zur Pandemiebekämpfung".

Graue, grüne und rote Warnmeldungen

Anhand von Bluetooth-Signalen erkennt die App andere Smartphones mit eingeschalteter App in der Nähe. Hat ein Nutzer sein positives Testergebnis freiwillig geteilt, warnt die App automatisch andere Nutzer, die sich über einen längeren Zeitraum in der Nähe aufgehalten haben.

Wer die Corona-Warn-App benutzt, sieht auf der Startseite ein großes, quadratisches Feld. Diese Statusanzeige ist das Kernstück der App. Sie zeigt für jeden Nutzer das aktuelle Infektionsrisiko an. Insgesamt gibt es drei Warnhinweise: Grau, grün und rot. Grau bedeutet, dass die Risikoermittlung noch nicht möglich ist. Das kann am nicht eingeschalteten Bluetooth liegen oder weil die App noch nicht lang genug aktiv ist.

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Grün bedeutet, dass das Smartphone in den vergangenen 14 Tagen keine unmittelbare Begegnung mit einer nachweislich mit dem Coronavirus infizierten Person registriert hat. Die Anzeige kann aber auch grün leuchten, obwohl es eine Risiko-Begegnung gab. Die Person war dann aber zu weit entfernt und/oder die Begegnung war zu kurz. Rot bedeutet, dass es innerhalb der letzten 14 Tage mindestens einen längeren Kontakt mit einer nachweislich positiv getesteten Person gab. Der Nutzer sollte seinen Hausarzt, den ärztlichen Bereitschaftsdienst oder das zuständige Gesundheitsamt informieren und das weitere Vorgehen abstimmen.

Keine genauen Nutzerzahlen für MV

Einer nicht repräsentativen Umfrage der Universität Greifswald zu Folge gaben etwa 33 Prozent der Befragten an, eine solche App nutzen zu wollen. Rund 19 Prozent nutzen derzeit eine Tracing-App. Hierbei gab es keine bedeutsamen Unterschiede in den einzelnen Altersgruppen. Aufgrund der dezentralen Bauart der Corona-Warn-App gibt es aber keine genauen Zahlen darüber, wie viele Menschen in Mecklenburg-Vorpommern die App heruntergeladen haben und sie auch aktiv nutzen.

Kritik am Funktionsumfang

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) bezeichnete die Corona-Warn-App zuletzt als "zahnlosen Tiger". Sie habe kaum warnende Wirkung, so der CSU-Chef. Nach dem letzten größeren Update arbeitet die Corona-Warn-App mit den offiziellen Apps einiger anderer Länder zusammen. Außerdem gibt es eine Art Symptomtagebuch für positiv Getestete. Viel mehr als das tägliche Checken der Risikobegegnungen kann ein Nutzer aber aktuell nicht. Weitere Updates sind bis März 2021 geplant.

Geteiltes Echo bei Nutzern

Auch die Teilnehmer unserer Umfrage in den sozialen Netzwerken reagieren zum Teil kritisch: "War gut gedacht aber Ausführung mangelhaft…6 setzen" oder "Überwachungsapp trifft es eher Nein danke". Außerdem wird beklagt, dass die App nicht auf jedem Gerät funktioniere. Es gibt aber auch positives Feedback: "Sie ist top, hat bisher bei allen Risikokontakten immer gepasst und ist ein guter Erinnerungsmechanismus", schreibt ein User. "Ist Super! Mir wurde schon zweimal eine Risikobegegnung mitgeteilt“, schreibt ein anderer.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | Die Nachrichten | 04.11.2020 | 19:30 Uhr

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