Corona-Ausbruch nach Party: Schwierige Kontaktverfolgung

Stand: 11.08.2021 08:18 Uhr

Nach einer Party in Bad Doberan mit ursprünglich zwei Corona-Infizierten nimmt die Zahl der positiven Fälle zu. Der Landkreis Rostock hat derweil große Probleme mit der Kontaktnachverfolgung.

Eine Party mit 300 Teilnehmern Ende Juli in einem Club in Bad Doberan (Landkreis Rostock) droht zum Corona-Problemfall zu werden. Mittlerweile seien elf infizierte Gäste festgestellt worden, teilte der Landkreis am Mittwochmorgen mit. Bei der Kontaktverfolgung waren weitere Besucher mit Krankheitssymptomen gefunden und zu einem sofortigen Abstrich geschickt worden. Alle Betroffenen kommen aus Rostock und dem Landkreis Rostock. Der Landkreis legte allen Besuchern der Veranstaltung in der Nacht vom 31. Juli zum 1. August nahe, sich mindestens einem Schnelltest zu unterziehen. Wer Erkältungssymptome hat, sollte demnach sofort einen PCR-Test machen lassen.

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Fehlender Datenschlüssel für Luca-App oder fehlerhafte Daten-Anforderung?

Die Kontaktnachverfolgung bereitet den Behörden große Probleme. "Die Daten aus der Luca-App sind derzeit unbrauchbar, weil der Datenschlüssel verlegt wurde", sagte Kreissprecher Michael Fengler NDR 1 Radio MV. "Wir suchen jetzt nach einer Lösung, um die Daten doch noch gegebenenfalls entschlüsseln zu können." Der Club-Betreiber widerspricht: Er sagte dem NDR, er habe am Montagmittag Luca-App-Daten an das Gesundheitsamt übermittelt. Die Behörde habe aber Daten für einen falschen Zeitraum angefordert - als er darauf hinweisen wollte, sei niemand erreichbar gewesen.

Landkreis bestätigt Datenabfrage

Dem widerspricht der Landkreis am Dienstagvormittag gegenüber NDR 1 Radio MV. Demnach habe der Veranstalter eigentlich Ansprechpartner bei den Behörden. Die Datenabfrage mit dem falschen Zeitraum sei ein Test gewesen. Das Gesundheitsamt habe auch eine richtige Anfrage gestellt. Laut Landkreissprecher Fengler haben die Luca-Betreiber zudem mitgeteilt, dass nachträglich kein digitaler Schlüssel erstellt werden kann. Damit könnte es sein, dass die Daten aus der App doch nicht mehr genutzt werden können.

Drohungen gegen Veranstalter

Wegen Drohungen gegenüber dem Veranstalter hat der Landkreis jetzt die Polizei informiert. Der Clubbetreiber hatte nach eigenen Angaben Drohungen erhalten, weil er angeblich nicht mit dem Gesundheitsamt zusammenarbeitet. Er warf dem Landkreis "Rufmord" vor, weil deren Darstellung, wonach er den digitalen Schlüssel verschlampt habe, ihn zum Sündenbock mache. Der Clubbetreiber will entgegen solcher Darstellungen aber einen öffentlichen Aufruf unterstützen, um Besucherinnen und Besucher ausfindig zu machen, heißt es nun vom Kreis.

Falschangaben auf Papierlisten

Bei der Kontaktverfolgung sei die Schwierigkeit, dass auch die Papierlisten mit den Namen der Teilnehmer kaum weiterhelfen, so Kreissprecher Fengler. "Von den Daten, die wir auf Papierlisten bekommen haben - 104 insgesamt - waren nur 20 brauchbar. Alle anderen sind mit Fake-Telefonnummern oder auch Fake-Namen versehen, sodass die Ermittlungen des Gesundheitsamtes derzeit massiv behindert sind", so Fengler weiter.

Aufruf: Partygäste sollen sich melden

Der Kreissprecher appellierte an die Mitwirkung der Partygäste. Sie sollten in Kontakt mit dem Gesundheitsamt treten. "Damit wir herausfinden, wer dort war, wer gegebenenfalls symptomatisch ist oder auch schon infektiös", so Fengler weiter. Nur so ließe sich der Ausbruch eindämmen. Andernfalls drohten schwerwiegende Folgen, die auch Auswirkungen "bis in den Schul-, Kita-, und Hortbetrieb in der Region" haben könnten. Und: "Natürlich trifft es vor allem die Schwächsten, wenn sich die Infektion ausbreitet. Das sind ungeimpfte und vorerkrankte Menschen egal welchen Alters", so Fengler.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | Die Nachrichten | 11.08.2021 | 06:00 Uhr

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