Stand: 04.05.2018 18:37 Uhr

Bützow drei Jahre nach dem Tornado

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Unmittelbar nach dem Sturm überwog bei den Bützowern die Fassungslosigkeit. (Archivbild)

Abgedeckte Dächer, eingestürzte Wände, entwurzelte Bäume - genau drei Jahre sind vergangen, seitdem ein Tornado der Stärke F3 mit geschätzten Windgeschwindigkeiten von bis zu 250 km/h über Bützow hinweggefegt ist. Damals glich die Kleinstadt mit 8.000 Einwohnern einem Trümmerfeld: Tausende heruntergefallene Dachziegel lagen zersplittert auf den Straßen, umgeknickte Straßenlaternen, demolierte Autos, zerborstene Scheiben. Die Kirche hatte es besonders getroffen. Das Dach wurde fast vollständig abgedeckt.

Auf den ersten Blick alle Schäden beseitigt

Drei Jahre danach sind die Schäden fast komplett beseitigt. Lediglich zwei Privathäuser stehen noch als Ruinen da. Wenn in der kommenden Woche die Bauabnahme am Kirchenplatz hinter dem Rathaus abgeschlossen ist, ist die Stadt sozusagen einmal runderneuert. Doch das Unglück steckt den Menschen noch immer in den Knochen.

Ein Jahrhundertereignis - Der Tornado in Bützow

"... und die Kinder flüchten ins Haus"

So sind die Schrecken des Abends des 5. Mais 2015 plötzlich wieder allgegenwärtig, wenn mal wieder ein Baum plötzlich umgefallen ist - ohne dass besonders starker Wind blies. Eine Spätfolge des Tornados, heißt es dann. Der Sturm habe bei einigen Bäumen die Wurzeln gelockert. "Sie können jeden Bützower fragen: Jeder weiß, wo er war, als der Tornado kam. Und wenn es heute dunkel aufzieht und eine Schlechtwetterfront naht, bekommen die Kinder Angst und flüchten ins Haus", sagt Tischlermeister Volkmar Rossnagel.

Der Tornado hat die Leute zusammengebracht

In den Augen von Birgit Czaschka, Geschäftsführerin der Beschäftigungs- und Qualifizierungsgesellschaft in Bützow, war der Tornado aber nicht nur Fluch für die Stadt: "Letztendlich, glaube ich, war er sogar mehr Segen. Denn er hat Leute zusammengebracht, die vorher nicht immer gut Freund waren." Viele Bützower hätten an jenem verhängnisvollen Abend vor drei Jahren Seite an Seite geschippt, gefegt und gemeinsam gestaunt, was eigentlich passiert war. Außerdem habe der Sturm Bützow in einem neuen Bild erscheinen lassen. "Denn die Fassaden, Dächer, Straßen und Plätze, die allesamt gemacht wurden - das wäre hier in den nächsten 20 Jahren unter normalen Umständen undenkbar gewesen", sagt Birgit Czaschka.

Große Hilfsbereitschaft, große Dankbarkeit

Mit den Menschen, die in ihrer Gesellschaft beschäftigt waren, konnte Birgit Czaschka gleich von Anfang an dort helfen, wo Hilfe nötig war. "Wir waren morgens die ersten am Platz - alle Mann - und haben angefangen aufzuräumen." Eine atemberaubende Zeit sei das gewesen, erinnert sie sich. Und sie freut sich noch heute darüber, dass sich im Nachhinein tatsächlich viele bei ihr bedankt haben. "Dieser persönliche Dank von Betroffenen, von denen, die einen kennen und die einen nicht kennen und die einen tatsächlich nur danach bewerten: Was hat sie geleistet, was hat sie geschafft? Das ist ein gutes Gefühl.“

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Mancher wurde schwer getroffen

Wobei der Tornado auch viele Bützower schwer getroffen hat. "Eine Dame ist sehr schwer verletzt worden", sagt Bürgermeister Christian Grüschow. Sie sei bis heute arbeitsunfähig und werde es wohl auch bleiben. "Auch das sollte man sicherlich nicht aus den Augen verlieren", meint er. Auch die materiellen Schäden seien schwerwiegend. Grüschow spricht von 3,5 Millionen Euro, die die Stadt für die Sanierung ihrer eigenen Bauten ausgeben musste.

Schäden gingen in die Millionen

Bis zu 40 Millionen Euro kamen seinen Angaben zufolge auf Privatleute zu, um die Schäden zu beseitigen. Vor allem haben Versicherungen den Bützowern geholfen, das Geld aufzubringen - in den meisten Fällen hätten sie auch anstandslos gezahlt. Schwierig war es für all die, die ihr Eigentum nicht ausreichend versichert hatten. Aber auch da konnte die größte Not beseitigt werden, weil es viele Menschen gab, die spontan gespendet haben, so dass am Ende 24.000 Euro verteilt werden konnten. Und schließlich kamen auch noch 220.000 Euro von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz und weitere zwei Millionen Euro von der Landesregierung.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 05.05.2015 | 07:00 Uhr

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