Stand: 20.04.2018 16:52 Uhr

Botschafter bringt "Blumengrüße aus Russland"

von Stefan Ludmann, NDR 1 Radio MV

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Ministerpräsidentin Schwesig empfing den russischen Botschafter

Antrittsbesuche von Botschaftern in Mecklenburg-Vorpommern sind normalerweise Protokoll- und Fototermine. Heute beim Besuch des russischen Botschafters Sergej Netschajew im Landtag, in der Staatskanzlei und später in Rostock war das anders: Denn die Spannungen mit Russland angesichts der Krim-Annexion, der Unterstützung des syrischen Diktators Assad in Syrien und der ungeklärten Giftgasattacke auf den Ex-Agenten Skripal in London verpassten dem Besuch im Nordosten einen besonderen Anstrich.

Von Eiszeit oder Krise nichts zu spüren

Allerdings: Von Eiszeit oder Krise war nichts zu spüren. Die Gastgeber - allen voran Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) - bereiteten der Exzellenz aus Moskau einen warmen, herzlichen Empfang. Und der Botschafter gab das zurück: Er bedankte sich für die Pflege der russischen Kriegsgräber in Mecklenburg-Vorpommern. Und von seinem Besuch im Schweriner Schloss war Netschajew ebenfalls begeistert, die Führung sei faszinierend gewesen. Es sei gut, dass die Pläne für die Gaspipeline Nord Stream 2 zwischen Russland und Deutschland vorankämen, das Projekt bringe viele Arbeitsplätze.

Kritik am Raketenangriff auf Syrien

Die Stimmung passte zum sommerlichen Wetter: "Vielen herzlichen Dank für die Gastfreundschaft und viel Glück fürs Bundesland", schrieb Netschajew ins Gästebuch der Landesregierung. Um die großen Fragen machte er anschließend dann jedoch keinen Bogen. In den Augen seiner Regierung waren die jüngsten Raketenangriffe der USA, Großbritanniens und Frankreichs auf Syrien ein klarer Bruch des Völkerrechts. Man habe losgebombt ohne echte Beweise auf die Urheber des Giftgasangriffs.

Botschafter beschwört "einmalige" Beziehungen

Der Botschafter sagte auch, man verstehe, dass Deutschland sich in der Lage solidarisch mit seinen Partner gezeigt habe. "Wir nehmen das zur Kenntnis", sagte er, meinte aber, glücklich sei er darüber nicht. Wichtig sei jetzt aber, den Kontakt nicht abreißen zu lassen: Die "geschätzte Bundeskanzlerin" habe erst kürzlich mit Präsident Wladimir Putin telefoniert und ein weiteres Telefonat zwischen Außenminister Heiko Maas und seinem russischen Kollegen stehe an. Die deutsch-russischen Beziehungen seien für Europa "absolut einmalig und wichtig". Man kenne sich einfach sehr gut.

Schwesig betont Wichtigkeit des Dialogs

Und dann lobte er Schwesig noch für ihre Russischkenntnisse - die Regierungschefin hatte ihn in seiner Muttersprache begrüßt, im anschließenden einstündigen Gespräch sprachen beide deutsch. Schwesig hat Netschajew dabei zum Russlandtag Mitte Oktober in Rostock eingeladen. Gerade in schwierigen Zeiten sei das Gespräch wichtig. Mecklenburg-Vorpommern sei jedenfalls längst im Dialog mit der Partnerregion, dem Leningrader Gebiet.

Schwesig und Netschajew eröffnen Blumenausstellung

Bei dieser Kooperation soll es nicht nur um den Ausbau wirtschaftlicher Kontakte gehen, sondern auch um Wissenschaft und Kunst. Und das wurde heute auch ganz praktisch: Schwesig eröffnete mit dem Botschafter in der Rostocker Kunsthalle die Ausstellung "Blumengrüße aus Russland". Der Titel erinnerte einige Journalisten an den James-Bond-Film: "Liebesgrüße aus Moskau". Das aber waren andere Zeiten - 1963 im Kalten Krieg.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 20.04.2018 | 16:00 Uhr

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