Das Bischofssiegel von Bischof Ludolf, das im Klützer Winkel gefunden wurde © Heimatverein Klütz

Bischofssiegel gefunden: Archäologische Sensation im Klützer Winkel

Stand: 15.11.2021 19:24 Uhr

Große Aufregung im Heimatverein Klütz: Erst vor Kurzem ist ein junger Mann dem Verein beigetreten, nachdem er seine Liebe zur Geschichte entdeckt hat. Nun hat er einen sensationellen Fund aus dem 13. Jahrhundert gemacht.

Carsten Schmoldt vom Heimatverein in Klütz (Landkreis Nordwestmecklenburg) kann es kaum fassen: Seit 30 Jahren ist er als Hobby-Archäologe unterwegs. Doch so einen bedeutenden Fund wie sein Vereinskollege Markus Griese hat er noch nie gemacht. "Normalerweise kann er jetzt seinen Detektor verkaufen, weil besser wird's nicht. So was findet man einmal im Leben. So ein Stempel eines Bischofs ist in Mecklenburg und deutschlandweit einzigartig."

"Hier hast Du was richtig Gutes gefunden"

Ein Glücksfund für Markus Griese, den Neuling in der Hobbyforscher-Szene. Erst seit einem Jahr ist er auf Schatzsuche im Klützer Winkel: "In der Nähe von Klütz war ich mit dem Detektor unterwegs. Und beim Ausbuddeln war das Metall schon sehr gut, sehr dick und dann habe ich es erstmal in die Tasche gesteckt. Als ich zu Hause das Stück gereinigt habe, da wurde mir dann klar: Okay, hier hast Du was richtig Gutes gefunden."

Erstmals Bischofssiegel gefunden

Ausgebuddelt hat der 45-jährige Klützer ein halbrundes Stück Bronze, etwa fünf Zentimeter lang, auf einer Seite sind Buchstaben zu erkennen. Sofort schickte er ein Foto an den erfahrenen Hobby-Archäologen Carsten Schmoldt. Und der weiß gleich: Das ist ein Kracher. "Wir haben da beide mit Tränchen in den Augen gestanden und haben uns sehr gefreut. Ein Petschaft zu haben von einem Menschen, der heilig gesprochen wurde, und noch von einem Bischof - mehr geht nicht." Mit einem Petschaft, einem Siegelstempel, haben Bischöfe zum Beispiel Urkunden beglaubigt. Nach ihrem Tod wurden diese Stempel komplett zerstört, damit niemand in ihrem Namen agieren konnte. Auch das macht diese Entdeckung so besonders, denn bisher wurde noch kein anderer Bischofsstempel gefunden.

"Setz Dich hin! Das ist Ludolf."

Der Petschaft erzählt auch eine weitere Geschichte, und zwar die des Bischofs Ludolf von Ratzeburg. Er ist auf der verbliebenden Hälfte des Stempels auf einem Thron sitzend zu sehen. Carsten Schmoldt hat sich deshalb an einen Experten gewandt. "Dann hab ich Dr. Jörg Ansorge dieses Bild geschickt mit der Bitte, ob man da was herausfinden könnte zu diesem Petschaft. Das hat genau zwei Minuten gedauert, dann war die Antwort da: 'Setz Dich hin, das ist Ludolf. Ludolf von Ratzeburg.' Und das war natürlich der Knaller."

Wichtiger Fund für die Landesgeschichte

Ansorge war 30 Jahre beim Landesamt für Kultur- und Denkmalpflege beschäftigt. Der Archäologe ist Experte für das Mittelalter und Frühe Neuzeit. Auch für ihn ist dieser Fund eine Sensation. "Also in Mecklenburg-Vorpommern sind zwei Fürstensiegel bisher - Fragmente - in Vorpommern gefunden worden. Ein Bischofssiegel ist meines Wissens in Deutschland archäologisch noch gar nicht entdeckt worden. Und wenn man sich überlegt, aus welcher Zeit dieser Fund stammt, nämlich aus der MItte des 13. Jahrhundert, dann zeigt das, wie wichtig dieser Fund für die Landesgeschichte ist."

Wohl ein Fall für das Archäologische Landesmuseum

Kaum ein Kirchenregister in Mecklenburg-Vorpommern ist so gut geführt worden - und bis heute erhalten - wie das Ratzeburger Zehntregister. Nordwestmecklenburg gehörte im Mittelalter zum Bistum Ratzeburg. Dessen Ludolf hat beispielsweise das Kloster in Rehna gegründet und die Kirche in Klütz geweiht. "Der Bischof Ludolf hat amtiert bis zu seinem Tode 1250. In Wismar ist er gestorben. Also eine Zeit, in der die ersten Siedler aus Westfalen, Niedersachsen und den Niederlanden hier in Mecklenburg-Vorpommern angekommen sind."

Und was geschieht nun mit Ludolfs Siegelstempel? Er wird wohl Landeseigentum, schätzt Ansorge. Und er wird wohl später einmal im Archäologischen Landesmuseum an herausragender Stelle gezeigt werden.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 15.11.2021 | 15:30 Uhr

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