Stand: 17.06.2019 15:50 Uhr

Bestattungskultur: Friedhofszwang aufheben?

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Die Bestattungskultur ändert sich - eine Expertenkommission arbeitet in Mecklenburg-Vorpommern an Vorschlägen für ein neues Bestattungsgesetz. (Archivbild)

In ihrer letzten Sitzung vor der Sommerpause hat sich die vom Landtag eingesetzte Expertenkommission zur Bestattungskultur im Land mit dem Friedhofszwang beschäftigt. Seit Ende vergangenen Jahres sitzt die Kommission regelmäßig zusammen. Die Fachleute sollen für die Abgeordneten Empfehlungen ausarbeiten, aus denen diese dann ein neues Bestattungsgesetz formen können. Diskutiert wurde unter anderem, ob Urnen im Garten beigesetzt werden dürfen oder ob die Asche verstreut werden darf.

Gedenksteine auf einem Friedhof.

Bestattungskultur: Kippt der Friedhofszwang?

Nordmagazin -

Eine Expertenkommission erarbeitet Vorschläge für eine Gesetzesänderung zur Bestattungskultur. In der letzten Sitzung vor der Sommerpause ging es um Leichenschau und Friedhofszwang.

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Für und Wider diskutiert

Der Wille des Verstorbenen sei entscheidend, argumentierte Torsten Schmitt von Aeternitas, einer Verbraucherinitiative zur Bestattungskultur. Jeder solle zu Lebzeiten festlegen dürfen, wo und wie er beigesetzt wird. Das müsse auch im heimischen Garten möglich sein, so Schmitt.

Nordkirche: "Tod ist nicht privat"

Markus Wiechert von der Nordkirche hielt dagegen, dass der Tod nicht privat sei. Es gebe meist mehrere Angehörige, Freunde und Bekannte, die einen öffentlich zugänglichen Ort bräuchten, um trauern zu können. Sei eine Urne im heimischen Garten beigesetzt oder stehe im Bücherregal, würde man vielen Menschen den Zugang zum Toten versperren. Mehrere Kommissionsmitglieder können sich aber vorstellen, dass Angehörige die Urne zumindest in der ersten Trauerphase mit nach Hause nehmen dürfen.

Entscheidung im Herbst

Eine Entscheidung zum Friedhofszwang wurde bei der letzten Sitzung vor der Sommerpause noch nicht getroffen. Nach den Ferien soll weiter diskutiert werden. Im Herbst will die Kommission dann ihren Bericht mit sämtlichen Empfehlungen vorlegen.

Leichenschau ebenfalls in der Diskussion

Über den Friedhofszwang hinaus wurde auch über die Bestatter diskutiert. Sie hätten vielfältige Aufgaben, eine Qualifikation müssen Bestatter trotzdem nicht vorweisen, beklagt Torsten Lange, Vorsitzender des Bestatterfachverbandes Mecklenburg-Vorpommern. Außerdem wurde kritisiert, dass das System der Leichenschau nicht funktioniere. Laut Klaus-Peter Philipp, Rechtsmediziner aus Greifswald, würden viele Tötungsdelikte übersehen. Ärzte seien ungenügend geschult, hätten zu wenig Übung und oft sei auch gar kein Arzt zur Stelle. Die Kommission wünscht sich eine Art rechtsmedizinischen Notdienst, der helfen soll, wenn sich Ärzte bei einer Leichenschau unsicher sind. Außerdem soll die Leichenschau Kassenleistung werden.

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