Stand: 07.03.2020 16:10 Uhr

Baltic-Lights-Absage: Wer trägt die Kosten?

Heringsdorf: Till Demtrøder steht nach der Absage des Schlittenhunderennens Baltic Lights am Strand von Heringsdorf auf der Insel Usedom vor der teilweise überfluteten Rennstrecke. © dpa-Bildfunk Foto: Jens Kalaene
Die strengen Coronavirus-Sicherheitsauflagen und die teilweise überflutete Rennstrecke bewogen Veranstalter Till Demtrøder zur Absage des Schlittenhunde-Spektakels.

Nach der Absage des Schlittenhunderennens Baltic Lights auf Usedom sieht der Veranstalter und Schauspieler Till Demtrøder auch die Landesregierung in der Verantwortung. Das Krisenmanagement nach den bestätigten Corona-Fällen in Vorpommern lasse zu wünschen übrig, so der Schauspieler zu NDR 1 Radio MV. Eine solche Veranstaltung wie das Schlittenhunderennen mit Prominenten zu Gunsten der Welthungerhilfe habe eine bundesweite Strahlkraft. Damit die Veranstaltung auch im kommenden Jahr stattfinden könne, wünscht sich Demtrøder mehr Engagement der Landesbehörden sowie der Gemeinde Heringsdorf. Bürgermeisterin Laura Isabelle Marisken wollte sich zu den Vorwürfen zunächst nicht äußern und verwies auf eine Pressekonferenz in der kommenden Woche.

Sehr kurzfristige Absage wegen des Coronavirus

Das Schlittenhunderennen hatten die Veranstalter am Freitag sehr kurzfristig abgesagt. Der Hauptgrund seien die hohen Auflagen durch die Behörden wegen des Coronavirus. Diese seien nicht umsetzbar, sagte ein Sprecher der Veranstalter. Zudem hätten der auflandige Wind und der steigende Wasserspiegel über Nacht Probleme bereitet. "Die Rennstrecke ist derzeit unpassierbar und steht der Veranstaltung somit nicht zur Verfügung", erklärte Till Demtrøder. Die mit ihren Hunden angereisten Musher und die Prominenten hätten Verständnis gezeigt. Überrascht habe die Entscheidung niemanden, hieß es.

Demtrøder: Das könnte Baltic Lights zerstören

Demtrøder beklagte mangelnde Unterstützung durch die Gemeinde Heringsdorf. Noch ist nicht klar, wer für die entstandenen Kosten aufkommt. Die Veranstalter beziffern die Kosten für den Aufbau des Hundeschlitten-Spektakels, zu dem bis zu 60.000 Besucher erwartet worden waren, mit rund 200.000 Euro. Das könne Baltic Lights zerstören, sagte Demtrøder. Damit sei dann auch die nächste Auflage des Schlittenhunderennens im kommenden Jahr fraglich.

FAQ
Das Messegelände in Berlin während der ITB 2019. © NDR Foto: Markus Lobsien

Wer sagt ab - und wer trägt die Kosten?

Wegen des Coronavirus sind Großveranstaltungen wie das Schlittenhunderennen auf Usedom und die ITB in Berlin abgesagt worden. Wer entscheidet das? Und wer trägt die Kosten? (tagesschau.de) extern

Veranstalter beklagt Messen mit zweierlei Maß

Der Schauspieler wollte bis zuletzt seine Veranstaltung durchführen und beschwerte sich im NDR Fernsehen über mangelnde Unterstützung vor Ort. Es sei die Frage, mit welchem Maß hier gemessen worden sei, wenn andernorts Fußballspiele stattfinden könnten, so Demtrøder. Nach den ersten Coronavirus-Fällen in Mecklenburg-Vorpommern hatte die Gemeinde neue Auflagen für Großveranstaltungen angesetzt, die die Veranstalter eigenen Angaben zufolge nicht umsetzen konnten.

Gemeinde erteilte strenge Auflagen

Unter anderem hätten die Besucherzahl deutlich reduziert und alle Besucher am Eingang auf Corona-Symptome geprüft werden müssen. Darüber hinaus hätte jeder Besucher seinen Namen, seine Adresse und eine Telefonnummer hinterlegen müssen. Die Bürgermeisterin der Gemeinde Heringsdorf, Laura Isabelle Marisken, hatte sich für ihre Entscheidung mit einem Virologen der Universität Greifswald, dem zuständigen Gesundheitsamt und Landrat Michael Sack (CDU) beraten.

Vorbereitungen waren in vollem Gange

Das Schlittenhunderennen auf Usedom findet seit 2016 statt. Im vergangenen Jahr kamen knapp 60.000 Besucher. Das eingenommene Geld wäre an die Welthungerhilfe gespendet worden. 2019 waren mehr als 70.000 Euro zusammengekommen. Ob eine Versicherung für den Ausfall aufkommt, ist noch unklar. Demtrøder und sein Team waren schon lange mit den Vorbereitungen und dem Aufbau des Hunderennens beschäftigt. Gäste, die eigens für Baltic Lights angereist waren, hatten bereits in Hotels eingecheckt. Zahlreiche Prominente aus Musik, Fernsehen, Showgeschäft und Sport wollten bei dem Schlittenhunderennen am Strand von Heringsdorf an den Start gehen.

Weitere Informationen
Illustration des neuen Coronavirus © Panther Media Foto: Kiyoshi Takahase Segundo

Corona-Ticker: Bundesweit 11.287 neue Fälle - Rekord

RKI-Präsident Wieler appellierte an die Menschen, sich an die Schutzmaßnahmen zu halten. Mehr News im Live-Ticker. mehr

Eine Laborantin sitzt an einem Mikroskop in einem abgedunkelten Labor © Colourbox

Was Sie zum Coronavirus wissen müssen

Die Corona-Pandemie hat den Alltag massiv verändert. Das Virus hat sich ausgebreitet. Was muss weiter beachtet werden? Was hat die Forschung ergeben? Fragen und Antworten zum Coronavirus. mehr

Ein Arzt mit Mundschutz zieht sich Gummihandschuhe an © imago images / localpic

Coronavirus: Sechster Fall in MV nachgewiesen

In MV hat sich ein weiterer Mensch mit dem Corona-Virus infiziert. Laut Gesundheitsministerium ist der Betroffene aus dem Kreis Mecklenburgische Seenplatte bereits in Quarantäne. mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | Die Nachrichten | 07.03.2020 | 16:00 Uhr

Mehr Nachrichten aus Mecklenburg-Vorpommern

Blick auf meinen Balkongarten und den Wasserturm in Rostock. Ein Bild von Marlies Neubert aus Rostock. © NDR Foto: Marlies Neubert,Rostock

Rostock: Bürgerschaft entscheidet sich für die BUGA 2025

Die Mehrheit der Stadtvertreter hofft auf einen Schub für die Stadtentwicklung durch die Bundesgartenschau. mehr

Binz: Leere Balkons am geschlossenen Strandhotel Rugard im Seebad an der Ostseeküste. © dpa-Bildfunk Foto: Jens Büttner

Corona: Mehr Verantwortung für Hoteliers

Gastgeber sollen künftig Gesundheitserklärungen der Urlauber kontrollieren. mehr

Blick auf das Hinweisschild vor dem Dietrich-Bonhoeffer-Klinikum in Neubrandenburg. © dpa Foto: Bernd Wüstneck

Seenplatte: Besuchsverbot in allen Krankenhäusern

Auch die Behörden in der Haff-Müritz-Region schränken den Publikumsverkehr ein. mehr

Visualisierung: Coronavirus. © picture alliance / 360-Berlin

MV: 89 neue Corona-Infektionen, jetzt 1.887 Fälle insgesamt

Die meisten Neu-Infektionen gibt es in Vorpommern-Rügen. Elf weitere Infizierte werden in Krankenhäusern behandelt. mehr