Auslastung der Intensivstationen in MV steigt schneller als erwartet

Stand: 18.11.2021 16:58 Uhr

Die Auslastung der Intensivstationen in Mecklenburg-Vorpommern steigt aktuell schneller, als von Experten erwartet. Zahlreiche Krankenhäuser in Mecklenburg-Vorpommern verschieben bereits planbare Operationen, weil für Covid-Patienten mehr Kapazitäten benötigt werden.

Die vierte Corona-Welle hat Mecklenburg-Vorpommern fester im Griff, als Experten zuvor vermuteten. Der Greifswalder Bioinformatiker Lars Kaderali sagte, über die Wucht der vierten Corona-Welle sei auch er überrascht, obwohl er die Entwicklung genau beobachte. Mögliche Gründe dafür seien zum einen eine hohe Dunkelziffer nicht bekannter Corona-Infektionen - auch wegen überlasteter Gesundheitsämter - und zum anderen die aggressive Delta-Variante.

Kaderali: "Die Lage ist dramatisch"

Der Bioinformatiker Lars Kaderali
Prof. Lars Kaderali ist Bioinformatiker an der Uni Greifswald und berät die Landesregierung in der Corona-Krise.

Die Daten zeigen laut Kaderali zwar den erwarteten Impfeffekt, dass bei steigender Zahl der Neuinfektionen die Intensivstationen nicht mehr so stark ansteigen würden, allerdings falle dieser viel schwächer aus, als erwartet, so Kaderali. Bei der derzeitigen Entwicklung stehe zu befürchten, dass die Intensivstationen bereits in zwei bis drei Wochen an ihre Kapazitätsgrenzen stoßen würden. Verhindern ließe sich das nicht mehr, weil die jetzigen Ansteckungszahlen für die Belegung der Krankenhäuser mit Covid-Patienten in einigen Wochen entscheidend seien. "Die Lage ist dramatisch", so Kaderali. Nun komme es darauf an, die Geschwindigkeit zu verlangsamen. Was passieren könne, wenn die Krankenhäuser ihre Belastungsgrenzen überschreiten, habe man während der ersten Corona-Welle in Italien beobachten können - ein Szenario, zu dem es auch im Nordosten kommen könne.

Mehr als 200 Covid-Patienten in Krankenhäusern

In ganz Mecklenburg-Vorpommern liegen laut aktuellen Angaben des Landesamts für Gesundheit und Soziales (LAGuS) 225 Menschen infolge einer Corona-Infektion im Krankenhaus, 58 davon auf einer Intensivstation. Laut Intensivregister wurden am Mittwoch 32 Patienten invasiv beatmet. Das Register weist für Mecklenburg-Vorpommern 503 belegte und 99 freie Intensivbetten aus.

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Einzelne Krankenhäuser setzen Operationen aus

Eine NDR MV-Umfrage unter den Kliniken des Landes hat am Donnerstag ergeben, dass am Südstadt-Klinikum Rostock, einem der größten Krankenhäuser des Landes, der Operations-Plan derzeit noch weitgehend eingehalten werden kann. Man entscheide momentan tagesaktuell, je nach Lage auf der Intensivstation. Derzeit würden dort drei Patienten betreut, einer davon muss beatmet werden. Alle seien ungeimpft. Auf der Normalstation werden den Angaben zufolge derzeit zehn Patienten mit Covid-19 behandelt, davon die Hälfte ungeimpft. Alle unaufschiebbaren medizinischen Eingriffe, insbesondere bei Tumorpatienten, können jedoch durchgeführt werden, hieß es aus Rostock.

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Besucherstopp in Neubrandenburg ab der komenden Woche

Die Unimedizin Greifswald verschiebt eine Reihe planbarer Operationen. Für die Covid-Patienten werden mehr Betten benötigt. Bei den Erkrankten handelt es sich größtenteils um Ungeimpfte. Bereits am Montag hatte das Dietrich-Bonhoeffer-Klinikum in Neubrandenburg mitgeteilt, verschiebbare Eingriffe und Aufnahmen ab sofort auszusetzen. Am Donnerstag gab das Klinikum bekannt, ab dem 22. November auch einen Besucherstopp zu verhängen. Nur nach Rücksprache mit dem ärztlichen Dienst könne in Ausnahmefällen davon abgewichen werden. Dies beträfe allerdings nur Schwangere sowie minderjähriger Kinder. Auch das Kreiskrankenhaus Demmin plant bereits Eingriffe nach Möglichkeit zu verschieben, heißt es dort. Dringende Operationen und Notfälle werden natürlich weiter durchgeführt beziehungsweise behandelt. Gleiches gilt für das Mediclin Müritz-Klinikum in Waren. In allen Fällen gilt: Notfälle werden jederzeit aufgenommen und behandelt.

Krankenhäuser auf "Krisenmodus" vorbereitet

Die Kliniken in Ludwigslust und Hagenow haben bislang Operationen nur in wenigen Einzelfällen verschoben, allerdings werden Weiterbildungen und Kurse, die unter 2G-Bedingungen hätten durchgeführt werden können, bereits abgesagt. Man sei darauf vorbereitet, in den "Krisenmodus" zu schalten". In den Kliniken in Schwerin sowie in Wismar gebe es bislang keine Einschränkungen, allerdings sehe man die Entwicklung mit Sorge. Maßnahmen müssten mit Blick auf die konkrete Situation entschieden werden, etwa wenn Stationen betroffen seien oder Mitarbeiter erkranken, heißt es bei Helios. In der Asklepios Klinik in Pasewalk ist die Situation noch nicht so ernst, aktuell gibt es viele wichtige Eingriffe, die operiert werden müssen. Mit Blick auf das aktuelle Geschehen sei jedoch nicht auszuschließen, dass auch in Pasewalk bald Operationen verschoben werden müssen.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | Die Nachrichten | 18.11.2021 | 17:00 Uhr

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