Alt Tellin: Ermittlungen nach Brand von Schweinezuchtanlage

Stand: 31.03.2021 06:00 Uhr

Ein Großbrand hat am Dienstag große Teile einer Schweinezuchtanlage in Alt Tellin bei Jarmen zerstört und Zehntausende Tiere getötet. Noch ist die Brandursache unklar.

Nach dem Großbrand in einer Schweinezuchtanlage in Alt Tellin bei Jarmen im Landkreis Vorpommern-Greifswald hat die Kriminalpolizei die Ermittlungen aufgenommen. Die Brandursache ebenso wie die Höhe des Schadens seien noch unklar. Ein Brandgutachter soll die Anlage jetzt untersuchen. Laut Polizei dürfte der Schaden aber ersten Schätzungen zufolge in die Millionen gehen. Bei dem Brand am Dienstag waren mehrere Zehntausend Tiere verendet, alle 18 Ställe wurden zerstört. Feuerwehren und Rettungskräfte aus der gesamten Region waren bis in den Abend vor Ort, um das am Morgen ausgebrochene Feuer zu löschen.

Biogasanlage war in Gefahr

Die Lage galt während der Löscharbeiten als angespannt, weil der Wind sich gedreht hatte. Die Flammen drohten, auf eine angrenzende Biogasanlage überzugreifen. Daraufhin kühlte die Feuerwehr die Anlage vorsorglich mit Wasser. Immer wieder ließen Windböen die Flammen auflodern. Eine Hörerin von NDR 1 Radio MV aus einem Nachbarort Alt Tellins berichtete am Dienstag, dass es bei ihr regelrecht Asche geregnet habe.

Backhaus spricht von Tragödie - und fordert Konsequenzen

Mecklenburg-Vorpommerns Landwirtschaftsminister Till Backhaus (SPD) sprach von einer Tragödie. "Nach unseren Kenntnissen befinden sich in der Anlage rund 9.000 Sauen und rund 50.000 Ferkel. Man kann sich das Tierleid bei einem solchen Brand nicht vorstellen", erklärte der Minister. All jene, die beim Bau gegen diese "Ferkel-Fabrik" protestiert hatten, sähen sich nun im Recht. Auch er wolle solche Großanlagen nicht, sie passten weder in die Zeit noch ins Land. "Von der gesetzgeberischen Seite muss gehandelt werden, damit sich solche Tragödien nicht ständig wiederholen. Ich erinnere daran, dass wir erst kürzlich in Kobrow einen großen Brand hatten, dem hunderte Tiere zum Opfer fielen", so Backhaus.

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Eine der größten Zuchtanlagen Norddeutschlands

Der Betrieb in Alt Tellin war bereits 2019 wegen einer defekten Lüftungsanlage in die Schlagzeilen geraten. Damals verendeten mehr als 1.000 Schweine. Die betroffene Sauen- und Ferkelzuchtanlage war über Jahre sehr umstritten und gehört zu einem der größten Schweinezuchtbetriebe in Deutschland - der Landwirtschaftliche Ferkelzucht Deutschland (LFD) Holding, die 2020 von der Schweizer Terra Grundwerte AG übernommen wurde. Früheren Angaben zufolge bietet die Anlage Platz für 10.000 Sauen und 35.000 Ferkel.

Kritik des Vize-Bürgermeisters von Daberkow

Aus der Nachbargemeinde Daberkow wurde Kritik an den Genehmigungsbehörden laut. "Diese Anlage hätte wegen des Brandschutzes in der Größe gar nicht genehmigt werden dürfen", sagte der stellvertretende Bürgermeister, Thomas Kröchert. Es sei eine Schande, dass nun Tiere deshalb verenden müssten. Kröchert ist Landwirt und bewirtschaftet Flächen in unmittelbarer Nachbarschaft. Es gehe nicht darum, Schweinehaltung generell zu verhindern, sagte der Landwirt. Nur die Größe der Ferkelaufzuchtanlage, die dicht an Daberkow steht, sei nicht akzeptabel. "Die meisten Auswirkungen, wie ständige Gülle- und Tiertransporte, müssen die Nachbardörfer ertragen."

BUND: "Es wurde viel zu lange weggeschaut"

Linke, Grüne sowie Umwelt- und Tierschutzverbände forderten eine neue Orientierung bei der Planung von Tierhaltungsanlagen. "Derart überdimensionierte Tierzucht- und Mastanlagen dürfen nicht länger genehmigt und betrieben werden", erklärte die regionale Landtagsabgeordnete der Linken, Jeannine Rösler. Gründe seien die Brandschutzprobleme, aber auch der Tier- und Umweltschutz. Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) forderte, die Genehmigung für die "gigantische, tierquälerische und umwelttoxische Anlage" in Alt Tellin aufzuheben. Der Brand zeige, dass viel zu lange weggeschaut wurde.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 31.03.2021 | 06:00 Uhr

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