Stand: 22.09.2016 07:58 Uhr  - NDR 1 Radio MV

AKW-Abriss Lubmin: Schornstein wird demontiert

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Job in luftiger Höhe: Ein Arbeiter in einer Gondel bei der Demontage des knapp 100 Meter hohen Schornsteins.

Mehr als 20 Jahre nach seiner Stilllegung verliert das Kernkrafwerk in Lubmin (Landkreis Vorpommern-Greifswald) seine weithin sichtbare Silhouette. Am Donnerstag begann die Demontage des ersten von vier knapp 100 Meter hohen Schornsteinen. Damit werde der Rückbau des Kernkraftwerks nun auch nach außen sichtbar, sagte die Sprecherin der bundeseigenen Energiewerke Nord (EWN), Marlies Philipp, dem Eigentümer der Anlage.

Gesaugt und abgeschleift

Die Schornsteine dienten als Abluftkamine, in denen über Jahrzehnte die Luft gefiltert und an die Umgebung abgegeben wurde. Sie waren an der Innenseite radioaktiv belastet. Rund anderthalb Jahre war ein Spezialunternehmen mit der Reinigung des Betons beschäftigt - mit Staubsaugern, Bürsten und später durch Abschleifen, so Philipp.

In 14 Tagen soll der erste Schornstein weg sein

Die Materialien wurden in Fässern verstaut. Nach der Freimessung des nunmehr von Radioaktivität gereinigten Kamins habe das Innenministerium am 9. August die Genehmigung zum Abriss des Schornsteins erteilt, hieß es weiter. Der Rückbau des ersten Schornsteins soll in zwei Wochen abgeschlossen sein. Ein Antrag auf Abriss des zweiten Schornsteins sei bereits gestellt.

Neues Konzept: Abriss statt abklingen lassen

Ursprünglich hatten die EWN geplant, die teils kontaminierten Gebäude über mehrere Dekaden stehen und nach und nach abklingen zu lassen. Doch vor einigen Jahren rückte das Unternehmen vom Konzept der sogenannten Langzeitverwahrung ab. Die Gebäude sollen nun gereinigt und abgerissen werden. Bis 2028 sollen sämtliche radioaktiv belasteten Materialien und der Beton aus den KKW-Anlagen entfernt werden, so Philipp. Wann und durch wen die Reaktorgebäude abgerissen werden, könne noch nicht gesagt werden.

KKW Lubmin: Langwieriger Rückbau

Abriss doch viel teurer

Den gesamte Abriss der beiden DDR-Atommeiler in Lubmin und Rheinsberg (Brandenburg) beläuft sich laut aktuellen Schätzungen auf Gesamtkosten von 6,6 Milliarden Euro. Zuvor waren dafür noch 4,2 Milliarden Euro veranschlagt worden. Die höheren Zahlen ergeben sich laut EWN aus einer Neukalkulation, die sich deutlich von den ersten Hochrechnungen aus den 1990er-Jahren unterscheidet. Die Landtagsfraktion der Grünen in Mecklenburg-Vorpommern verlangte Aufklärung über die Kostenexplosion.

Lubmin produzierte elf Prozent des DDR-Bedarfs

Das Kernkraftwerk am Greifswalder Bodden war zwischen 1973 und 1990 in Betrieb und erbrachte mit einer Gesamtleistung von 1.760 Megawatt einen Anteil von elf Prozent des Strombedarfs in der früheren DDR. Wegen Sicherheitsbedenken wurde das Kraftwerk 1990 abgeschaltet.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 22.09.2016 | 09:30 Uhr

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