2G-Regel in MV: Geteilte Reaktionen bei Verbänden und Politik

Stand: 12.11.2021 18:30 Uhr

Am Freitag hat das Kabinett in Schwerin die 2G-Pflicht ab Corona-Stufe "orange" für Mecklenburg-Vorpommern beschlossen. Verbände und Politik reagieren teils mit Kritik.

Die Einführung einer 2G-Pflicht bei einer weiter steigenden Zahl von Covid-Patienten in Kliniken in Mecklenburg-Vorpommern stößt auf geteilte Reaktionen im Land. Der Landestourismusverband zeigte sich erfreut darüber, dass im Hotelgewerbe weiterhin 3G gelte. "Viele andere Bereiche werden sich jetzt natürlich auf 2G einstellen müssen", so der Geschäftsführer Tobias Woitendorf. Außerdem käme Arbeit dazu, weil ungeimpfte Mitarbeiter täglich einen Test bräuchten. Einige Betriebe seien in den vergangenen Tagen bereits auf 2G umgestiegen - aus Verantwortung gegenüber der Gesundheit von Mitarbeitern und Gästen, aber auch um noch Schlimmeres zu verhindern. "Ob die Regeln dann auch kontrolliert werden und wie Testkapazitäten hochgefahren werden, das sind Fragen, die in den nächsten Tagen noch beantwortet werden müssen", so Woitendorf.

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Dehoga: "Schwer, Testpflicht bei ungeimpften Mitarbeitern umzusetzen"

Unverständnis äußerte Dehoga-Präsident Lars Schwarz. Das Gaststätten- und Hotelgewerbe müsse jetzt ausbaden, was in den vergangenen Wochen verschlafen wurde. "Man hätte viel früher und viel klarer reagieren müssen", so Schwarz. Seiner Ansicht nach würden jetzt Maßnahmen ergriffen, die nicht nachvollziehbar seien und keine Akzeptanz hätten. Die Branchen, die Corona am meisten getroffen habe, würden genommen, um Ungeimpfte unter Druck zu setzen. Für die Betriebe wird es zudem schwer, die tägliche Testpflicht für ungeimpfte Mitarbeiter umzusetzen, da Mitarbeiter ihrem Arbeitgeber rein rechtlich nicht sagen müssen, ob sie geimpft sind oder nicht. Für Schwarz ist es aber erstmal gut, dass die ungeimpften Mitarbeiter bei der 2G-Pflicht nicht nach Hause geschickt werden müssen.

LSB: "Lachendes und weinendes Auge"

Für den Landessportbund (LSB) kommt der Beschluss nicht überraschend. Man könne einen so großen gesellschaftlichen Bereich wie den Sport mit 260.000 aktiven Mitgliedern nicht ausnehmen aus einer solchen Regelung, wenn es um mehr Sorgfalt und Verhinderungsmöglichkeiten geht, so der LSB-Präsident Andreas Bluhm. "Insofern sehen wir das ein bisschen mit einem lachenden und einem weinenden Auge." Gut sei, dass Kinder und Jugendliche von "so einer radikalen Regelung" wie 2G ausgenommen sind.

Kultur: 2G-Regel funktioniert

Der Museumsverband begrüßte die neuen Maßnahmen. "Wir sind als Museen ja schon lange mit Besucherlenkung und -kontrolle aber auch mit Reduzierung der Besucherzahlen vertraut. Unter einer 2G-Regelung funktionieren Museen in Mecklenburg-Vorpommern natürlich auch", so der Landesvorsitzende Steffen Stuth. "Bei 2G sehe ich Tücken", sagte Manfred Tepper von der Konzertkirche Neubrandenburg. "Die Gäste brauchen keine Maske tragen, keinen Abstand halten und wir können den Saal zu 100 Prozent auslasten. Das ist ein bisschen komisch, weil das Virus ja noch da ist." Dennoch: Die Besucher der Konzertkirche hätten gesagt, dass sie sich mit 2G sicherer als bei 3G fühlen würden.

Einschnitte für Ungeimpfte

Für alle Ungeimpften bedeuten die verschärften Regeln deutliche Einschnitte. Die 2G-Regel gilt künftig in Kreisen und kreisfreien Städten, die auf der Corona-Warnampel "orange" eingestuft werden. Ungeimpfte haben dann zu etlichen Bereichen des öffentlichen Lebens, sofern es in Innenräumen stattfindet, keinen Zutritt - auch nicht mit einem negativen Test.

FDP: Kostenfreie Tests anbieten

Die ersten politischen Reaktionen fielen unterschiedlich aus. Die FDP im Landtag forderte, Corona-Tests wieder flächendeckend und kostenfrei anzubieten. "Sollten die Tests dauerhaft kostenpflichtig sein, bürdet das entweder den Unternehmen oder den Beschäftigten unverschuldet Kosten auf und schadet langfristig den Einstellungschancen von Ungeimpften", so die FDP-Abgeordnete Sabine Enseleit. Die Grünen forderten, die Impfkapazitäten schnell wieder hochzufahren und die Impfzentren im ganzen Land umgehend wiederzueröffnen. Die AfD sprach sich gegen 2G aus. Die 2G-Regelung führe zur Ausgrenzung Ungeimpfter und bedeute für sie einen Quasi-Lockdown.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | Die Nachrichten | 12.11.2021 | 20:00 Uhr

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