Studie zu Corona-Toten: Virus in meisten Fällen todesursächlich

Stand: 18.02.2021 19:55 Uhr

Viel wurde darüber diskutiert, ob Menschen ursächlich an dem Coronavirus sterben oder mit dem Virus. Diese Frage hat das Institut für Rechtsmedizin am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) jetzt noch einmal eindeutig beantwortet.

Insgesamt wurden 735 Todesfälle untersucht. In den meisten Fällen starben die Menschen an den Folgen der Corona-Infektion - entweder an einer Lungenentzündung oder einer Thrombose, die das Virus verursacht hatte. Nur in sieben Prozent der Fälle hatten sich die verstorbenen Patientinnen und Patienten zwar mit dem Virus angesteckt, es war aber nicht todesursächlich.

Die meisten Verstorbenen hatten Vorerkrankungen

Und es bestätigt sich eine weitere Erkenntnis der Rechtsmedizinerinnen und Rechtsmediziner: Die meisten Menschen, die an Corona gestorben sind, hatten mehrere Vorerkrankungen. Dazu zählten sehr starkes Übergewicht, Bluthochdruck, chronische Lungenerkrankungen und Nierenschwäche. Drei Viertel aller Verstorbenen waren älter als 76 Jahre.

Bessere Behandlung durch Blutverdünner

Die Rechtsmediziner des UKE haben nach eigenen Angaben aber auch dazu beigetragen, eine Corona-Erkrankung besser zu behandeln: Da das Virus eben oft zu Thrombosen führt, werden Patientinnen und Patienten inzwischen vorsorglich mit einem Blutverdünner behandelt - also wie bei einem Schlaganfall.

Benjamin Ondruschka © picture alliance / dpa Foto: Christian Charisius
Der Leiter des Instituts für Rechtsmedizin, Benjamin Ondruschka, stellte die Studie vor.

"Zwar haben unsere Obduktionen der Verstorbenen gezeigt, dass die Covid-19-Erkrankten trotz der Gabe von Blutverdünnungsmitteln noch Blutgerinnsel in den Lungenschlagadern aufweisen konnten", sagte der Leiter des Instituts für Rechtsmedizin, Benjamin Ondruschka, beri der Vorstellung der Studie im UKE. In der statistischen Auswertung hätten sich aber längere Überlebenszeiten seit einer Therapieumstellung gezeigt. Außerdem wisse man aus klinischen Studien, dass auch Entzündungshemmer wirksam seien, ergänzte Ondruschka im Interview mit dem Hamburg Journal im NDR Fernsehen.

Bisher kein Zusammenhang mit Impfungen

Einen Zusammenhang zwischen Impfungen und Sterbefällen sehe er bislang nicht. "Bisher können wir von keinem Fall berichten, wo ein direkter kausaler Zusammenhang zwischen dem Tod und der vorher verabreichten Impfdosis existiert", sagte Onduschka. Man werde das aber gründlich untersuchen.

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Dieses Thema im Programm:

Hamburg Journal | 18.02.2021 | 19:30 Uhr

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