Kommentar: Corona-Krise trifft Kinder besonders hart

Stand: 23.01.2021 08:40 Uhr

Kinder und Jugendliche leiden besonders unter Corona. Das ist allen klar: Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), Peter Tschentscher (SPD) und Schulsenator Ties Rabe (SPD). Trotzdem heißt es jetzt erstmal für alle Schüler, Schülerinnen und Kitakinder: Zu Hause bleiben. Ein Kommentar von Anette van Koeverden.

von Anette van Koeverden

Anette von Koeverden im Studio von NDR 90,3 © NDR Foto: Marco Peter
Anette von Koeverden kommentiert die erneute Notbetreuung an Kitas und Schulen.

Was für eine lebensferne Vorstellung ist das denn? Eltern betreuen die kleinen Kinder zu Hause, helfen beim Homeschooling und erledigen nebenbei ihren Job im Homeoffice. Das ist nicht zu leisten.

Homeschooling: technische Voraussetzung besser

Aus dem ersten Lockdown haben führende Politikerinnen und Politiker, wie beispielsweise Hamburgs Sozialsenatorin Melanie Leonhard (SPD) und Schulsenator Ties Rabe den Schluss gezogen, dass Kinder nicht zu Hause bleiben sollen. Fairerweise muss man sagen, dass Rabe den WLAN-Ausbau vorangetrieben und Zehntausende Laptops für Schülerinnen und Schüler angeschafft hat.

Notabitur?

Leonhard will zumindest nicht ganz auf eine Notbetreuung gehen, sondern eine erweiterte Notbetreuung. Das ist in anderen Bundesländern anders. Insgesamt weiß offenbar keine Ministerin und kein Minister so genau, was richtig ist und die Regelungen gleichen einem Flickenteppich. In Sachsen dürfen alle Abschlussklassen in die Schulen, in Bayern gilt das ab dem 1. Februar. Dann öffnet Baden- Württemberg Kitas und Grundschulen. Vergleichbare Abschlüsse sind damit passé und es bleibt der Makel des Notabiturs.

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Soziale Folgen

Denn die Folgen liegen auf der Hand: eine abgehängte Generation von Schülerinnen und Schülern, psychische Probleme, ein Anstieg von häuslicher Gewalt und Isolation. Die Bildungsungerechtigkeit wird größer, Eltern sind überfordert. Wie soll die Zukunft unseres Landes aussehen, wenn Jugendliche schlecht ausgebildet sind, kleine Kinder wenig gefördert werden und ohne gemeinsames Spielen aufwachsen?

Mehr Tests in Schulen

Ein Ansatz wäre meiner Meinung nach in den Schulen mehr zu testen: Lehrkräfte, Schülerinnen und Schüler. Dann könnte man den Wechselunterricht aufrechterhalten. Die Hamburger Polizei geht beispielsweise diesen Weg und bleibt dadurch arbeitsfähig. Das sollte auch für Schulen gelten.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | Der Hamburg-Kommentar | 23.01.2021 | 08:40 Uhr

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