Corona: Hamburg verschärft Regeln und führt Sperrstunde ein

Stand: 17.10.2020 06:36 Uhr

Seit Sonnabend gilt in Hamburg zwischen 23 und 5 Uhr für Gaststätten eine Sperrstunde sowie ein Alkoholverkaufsverbot. Auf privaten Feiern sind nur noch 15 Personen erlaubt. An Berufsschulen und in Oberstufen gilt Maskenpflicht.

Wegen der steigenden Corona-Zahlen müssen in Hamburg seit Sonnabend alle Gaststätten um 23 Uhr schließen. Die Sperrstunde gelte bis 5 Uhr morgens, teilte der Senat am Freitag mit. Lieferdienste sind davon nicht betroffen. Im gleichen Zeitraum gelte zugleich ein allgemeines Verbot des Verkaufs und der Abgabe von alkoholischen Getränken.

Hamburg nähert sich dem Grenzwert

Eigentlich waren Verschärfungen erst bei einer Überschreitung des Grenzwertes erwartet worden, der bei 50 Infektionen auf 100.000 Einwohnende in einer Woche festgelegt ist. Den ersten kritischen Wert hat Hamburg schon vor gut einer Woche überschritten: mit 35 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohnerinnen und Einwohner in einer Woche. Am Freitag lag der Wert nach einer Korrektur bei 42,2 und damit nicht mehr weit entfernt vom Grenzwert von 50 Neuinfektionen.

Tschentscher: Hamburg will frühzeitig handeln

Auf einer Pressekonferenz des Senats erklärte Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) am Freitagnachmittag: Hintergrund für die verschärften Regeln seien die steigenden Zahlen in Hamburg. Zwar sei Hamburg dabei mittlerweile von fast allen großen Städten überholt worden. Aber man wolle frühzeitig handeln. "Je weiter die Dynamik voranschreitet, umso weitreichender müssen unsere Entscheidungen sein", so Tschentscher. "Ein Blick ins europäische Umland zeigt, in welche Situation man in kürzester Zeit kommt."

Kontaktverfolgung bei Infektionen wird schwieriger

Ab einem Inzidenzwert von 50 Neufinektionen werde es noch schwieriger, die Kontakte nachzuverfolgen. "Es ist die Anzahl der Kontakte, die entscheidend ist für die Infektionsdynamik", so Tschentscher. Daher zielten die neuen Regeln auf den öffentlichen Raum, private Feiern sowie die Gastronomie und die Großveranstaltungen.

Leonhard: Je später die Stunde, desto größer die Nähe

Sozialsenatorin Melanie Leonhard (SPD) erklärte: Die Erfahrung zeige "spätere Stunde - größere Nähe, mehr Alkohol - größere Nähe" und dadurch steige das Infektionsgeschehen. Daher habe man sich für die Sperrstunde entschieden. Man verzeichne derzeit sehr viele so genannte "Sekundär-Infektionen."

Grote: Polizei wird Sperrstunde verstärkt kontrollieren

Innensenator Andy Grote (SPD) erklärte, ab Sonnabend werde die Polizei die Einhaltung der Sperrstunde und des Alkoholverkaufsverbots in Hamburg verstärkt kontrollieren. Auf St. Pauli werde unter anderem eine Hunderschaft der Bereitschaftspolizei eingesetzt.

VIDEO: Corona: Neue Maskenpflicht in den Vergnügungsvierteln (2 Min)

5.000 Euro Bußgeld bei Nicht-Einhaltung der Sperrstunde

"Der Begriff 'Sperrstunde' kommt im Hambuger und St. Paulianer Wortschatz bisher nicht vor", erklärte Grote. Daher solle bei der Kontrolle "mit Augenmaß" agiert werden. Aber: "Wir kommen nicht drei Mal". Der Ordnungswidrigkeiten-Katalog sei indes angepasst worden. Bei Nicht-Einhaltung der Sperrstunden droht ein Bußgeld von 5.000 Euro. "Es hilft am Ende auch der Gastronomie, wenn wir nicht weitergehende Schritte tun müssen - und das ist unser Ziel."

Einschränkung auch bei privaten Feiern

Auch die Zahl der Teilnehmenden von Privatfeiern wird weiter eingeschränkt. Innerhalb der eigenen Wohnung seien seit Sonnabend nur noch maximal 15 Personen erlaubt. Bislang lag die Zahl bei 25. Außerhalb der eigenen Wohnung sind Treffen nur noch mit bis zu 25 Menschen zulässig. Zusätzlich werde empfohlen, körperliche Kontakte auf ein absolut nötiges Minimum zu reduzieren und geeignete Hygienemaßnahmen einzuhalten.

Stärkere Einschränkung bei Überschreiten des Grenzswerts

Sollte die Zahl der Neuinfektionen den Inzidenzwert von 50 überschreiten, so würden private Feiern auf eine Anzahl von zehn Personen begrenzt werden müssen und in privaten Räumen solche Feierlichkeiten auf zwei Hausstände beschränkt werden. Zunächst werde aber abgewartet, ob die neuen Einschränkungen reichen, um die Ansteckungsrate wieder zu senken.

Veranstaltungen im Freien nur noch mit 100 Teilnehmenden

Veranstaltungen ohne feste Sitzplätze sind im Freien nur noch mit bis zu 100 Teilnehmenden und in geschlossenen Räumen mit höchstens 50 Menschen zulässig. Wenn während der Veranstaltung Alkohol ausgeschenkt werde, reduziere sich die Anzahl der zulässigen Teilnehmenden jeweils um die Hälfte.

Maskenpflicht in Oberstufen und an Berufsschulen

Zudem wird die Maskenpflicht ausgeweitet: Schülerinnen und Schüler von Berufsschulen sowie an den Oberstufen der allgemeinbildenden Schulen müssen von kommender Woche an auch im Unterricht Mund-Nase-Masken tragen. Die gelte auch für Lehrkräfte, erklärte Schulsenator Ties Rabe (SPD). Zudem sollen die Klassenräume in allen Schulen nach den Herbstferien alle 20 Minuten gelüftet werden, teilte der Senat mit. Also: In jeder Pause und einmal pro Schulstunde. "Wir müssen damit rechnen, dass sich Schülerinnen und Schüler in ihrer Freizeit anstecken", sagte Rabe. "Lehrer dürfen sich zwischen den Herbst- und Winterferien drei Mal kostenlos bei ihren Hausärzten auf Corona testen lassen."

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Kritik vom Gastronomie-Verband

Der Vorsitzende des Branchenverbandes Dehoga in Hamburg, Franz Klein, forderte am Freitag den Senat auf, sowohl das Beherbergungsverbot als auch die Sperrstunden für die Gastronomie zu streichen. Für ihn ist weder das eine noch das andere ein geeignetes Mittel zur Eindämmung der Pandemie, stürze aber eine ganze Branche in die Krise. Die allermeisten Wirte würden sich sehr genau an alle Vorgaben halten.

Hamburg bleibt bei Beherbergungsverbot

Das Beherbergungsverbot bleibt in Hamburg aber erst einmal bestehen. Am Freitag gab es dazu eine Eilentscheidung des Oberverwaltungsgerichts, welches eine Entscheidung des Verwaltungsgerichts bestätigte. Gleichwohl findet auch Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) diese Regel nicht gut. Er pocht jedoch auf Einheitlichkeit in allen Bundesländern. Das fordert auch die Hamburger Handelskammer. Mehrere Bundesländer hatten das Verbot in den letzten Tagen aufgehoben - oder es wurde von Gerichten gekippt.

Ansteckungen auch am Arbeitsplatz

Allerdings sind inzwischen nicht nur Partys und Feiern das Problem, sondern auch der Arbeitsplatz. Diese Beobachtung machen die Hamburger Gesundheitsämter. Deshalb gibt es noch einmal den dringenden Appell, zu Hause zu bleiben, wenn man sich krank fühlt.

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