Stand: 01.09.2019 12:45 Uhr

Wohnungsnot: Wenn die Suche ewig dauert

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Die Kampagne "einfach wohnen" will auf die schwierige Lage auf dem Hamburger Wohnungsmarkt aufmerksam machen.

Nichts wünscht er sich so sehr, wie eine eigene Wohnung. Oliver Brüggemann ist im Frühjahr aus dem Gefängis entlassen worden. Der 32-Jährige war mehrfach schwarz gefahren und konnte die Geldstrafe nicht bezahlen. Nun ist er vorbestraft. Er hat zwar einen sogenannten Dringlichkeitsschein vom Wohnungsamt, bekommt also Unterstützung bei der Wohnungssuche, findet jedoch keine Bleibe.

Keine Wohnung, keine Geborgenheit

"Dass ich diese unstete Wohnsituation habe, macht mich traurig und frustriert", sagt Oliver Brüggemann. Wenn er beim Spazierengehen in die Fenster der Häuser sehe, frage er sich oft, warum er nicht in den Wohnungen dahinter leben könne. "Ich vermisse es. Ich vermisse diese Geborgenheit", sagt Brüggemann.

Die Kampagne "einfach wohnen" von verschiedenen sozialen Trägern will jetzt auf die schwierige Lage aufmerksam machen: Allein im vergangenen Jahr fanden in der Stadt mehr als 11.000 Menschen keine Wohnung, obwohl sie wie Brüggemann "vordringliche wohnungssuchend" waren.

Eine Aktion der Kampagne "Einfach Wohnen": Wohnzimmereinrichtung wird an der Reesendammbrücke aufgestellt

Kampagne soll Wohnungsnot bekämpfen

Hamburg Journal -

Auch mit Dringlichkeitsschein finden viele Menschen keine Wohnung, vor allem Haftentlassene, Alleinerziehende oder Obdachlose. Die Kampagne "Einfach Wohnen" macht darauf aufmerksam.

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Leerstand ist noch immer ein Problem

"Wir fordern für Menschen, die dringend in Wohnungsnot sind, einen stärker und besser geregelten Zugang zum Wohnungsbestand, den wir haben", sagt Dirk Ahrens, Sprecher der Initiative und Diakonie-Chef. "Wir brauchen eine sofortige Aufhebung der Freistellungsgebiete, also der Gebiete, in denen es Wohnungen für Menschen in Wohnungsnot gibt, wo Vermieter aber die Erlabunis haben, an andere zu vermieten", sagt Ahrens. Das müsse sofort rückgängig gemacht werden, auch müsse man den Leerstand in der Stadt noch energischer und noch strenger verfolgen, als bisher.

Nun in der Übergangswohnung

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Findet keine Wohnung und lebt in einer Übergangswohnung: Oliver Brüggemann.

Brüggemann war im Laufe seines Lebens immer wieder obdachlos. Die Gefängisstrafe - eine Zäsur für ihn. Nach der Entlassung bekam er Hilfe vom Fürsorgeverein und konnte in eine Übergangswohnung ziehen. Hier darf er noch einige Monate bleiben. Er will aber so schnell wie möglich in eine eigene Wohnung, auch deshalb hat er sich bis heute nicht richtig eingerichtet. "Ich mache das nicht, es ist ein Übergang und dieser Übergang soll auch für mich sichtbar sein, damit ich einen Antrieb habe, einen Anreiz, intensiv Wohnungen zu suchen", sagt Brüggemann.

Unterstützung bei der Suche

Pro Jahr werden in Hamburg 3.000 Häftlinge aus dem Gefängis entlassen, nur ein Bruchteil findet direkt eine Wohnung. Für Brüggemann wäre es ohne die Hilfe des Fürsorgevereins noch schwerer, nach seiner Zeit in Haft neu zu starten. Er wird hier bei der Wohnungssuche unterstützt. "Wir haben hier eben nur diese 21 Plätze, die zur Verfügung stehen, und die in aller Regel auch letztendlich in eine Wohnung führen, aber das ist nur ein Tropfen auf den heißen Stein", sagt Andreas Mengler vom Hamburger Fürsorgeverein von 1948 e.V.

Oliver Brüggemann möchte jetzt endlich durchstarten und später als Sozialarbeiter Menschen unterstützen. Die eigene Wohnung wäre ein erster Schritt in ein bessere Zukunft.

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Dieses Thema im Programm:

Hamburg Journal | 26.08.2019 | 19:30 Uhr

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