Tochter mit Medikamenten fast getötet: Haftstrafe für 36-Jährige

Stand: 13.09.2021 12:48 Uhr

Eine Mutter hat ihrer Tochter eine lebensbedrohliche Menge an Medikamenten verabreicht. Das Hamburger Landgericht verurteilte die 36-Jährige deshalb wegen versuchten Mordes zu vier Jahren und zehn Monaten Gefängnis.

Nach Auffassung des Gerichts hatte die Frau ihrer vierjährigen Tochter nach einem kleinen Unfall Ende vergangenen Jahres Schlaf- und Beruhigungsmittel gegeben, die für das Kind hätten tödlich sein können. Sie verabreichte dem Mädchen gleich drei verschiedene Medikamente in hoher Dosis. Sie habe dabei den Tod der Vierjährigen billigend in Kauf genommen, sagte der Vorsitzende Richter. Die Angeklagte habe sich der gefährlichen Körperverletzung und des versuchten Mordes aus Heimtücke schuldig gemacht.

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Tochter fast getötet: Wie die Mutter auf das Urteil reagierte

Das Landgericht hat die Mutter wegen versuchten Mordes zu vier Jahren und zehn Monaten Gefängnis verurteilt. Elke Spanner berichtet. 1 Min

Die Staatsanwaltschaft hatte in ihrem Plädoyer sechs Jahre Haft gefordert. Die Verteidigung ging von gefährlicher Körperverletzung aus und hielt eine Bewährungsstrafe für angemessen. Bis zuletzt bestritt die 36-Jährige die Vorwürfe.

Ärzte erstatteten Anzeige

Laut Anklage brachte die dreifache Mutter ihre Tochter am 28. Dezember 2020 mit Verdacht auf eine Schädelprellung ins Kinderkrankenhaus Wilhelmstift. Das Kind sei vom Sofa gefallen, sagte sie. Weil der Zustand des Mädchens sich verschlechterte, wurde es ans Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf überwiesen. In Urin- und Blutproben seien dort Rückstände von Schlaf- und Beruhigungsmitteln gefunden worden, die nicht für Kinder bestimmt seien. Die Ärzte erstatteten Strafanzeige.

NDR 90,3 Gerichtsreporterin Elke Spanner. © NDR Foto: Screenshot
AUDIO: Tochter mit Medikamenten fast getötet: Gericht verurteilt 36-Jährige (1 Min)

Motiv für die Tat bleibt unklar

Es gebe keinerlei Anhaltspunkte, dass jemand anderes als die Mutter dem Kind die Medikamente gegeben haben könnte, sagte der Richter, auch nicht aus Versehen. Offen bleibt, warum die Intensivkrankenschwester die Tat beging. Ein Psychiater hatte vor Gericht erklärt, es gebe keinen Anhaltspunkt für eine psychiatrische Erkrankung. Der Richter gab der 36-Jährigen mit auf den Weg, dass sie die Zeit in der Haft nutzen müsse, um sich mit ihrer Tat auseinanderzusetzen - und um herauszufinden, warum sie das getan habe. Bei der Urteilsbegründung weinte die Angeklagte die ganze Zeit.

Der Tochter geht es inzwischen wieder gut. Sie lebt zusammen mit ihren zwei Geschwistern bei ihrem Vater.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 13.09.2021 | 12:00 Uhr

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