Stand: 08.02.2020 10:08 Uhr  - Hamburg Journal

Tierheim Süderstraße: Revolte gegen Leitung

Wegen des Verdachts der Überbelegung hatten Tierärzte des Bezirksamts Hamburg-Mitte im Januar das Tierheim an der Süderstraße kontrolliert. Dabei wurde auch klar: Das Tierheim Süderstraße und das Veterinäramt des Bezirks liegen seit Monaten über Kreuz. Außerdem gab es nach Informationen von NDR 90,3 Berichte über Mitarbeitende, die das Tierheim im Streit verlassen hätten. Mehrere Tierpflegende hätten Missstände im Tierheim angezeigt.

Rund 5.000 Mitglieder entscheiden

Nun haben mehrere Mitarbeitende des Tierheims angekündigt, bei der Vorstandswahl Mitte April gegen die aktuelle Führung anzutreten. Rund 5.000 Mitglieder des Tierschutzvereins entscheiden dann über die neue Führung. Kandidieren will auch Thorsten Jugert, der nach Kritik am Vorstand aus dem Verein ausgeschlossen worden war. Er interessiert sich für den Posten des Schatzmeisters. Jens Schmidt, der seit Jahren ehrenamtlich Hunde im Tierheim betreut, bewirbt sich als zweiter Vorsitzender.

Mitarbeitende berichten von Angst und Missständen

Von beiden kommt scharfe Kritik. "Wenn die Beschäftigten im Tierheim gemobbt werden oder freiwillig gehen, weil sie es einfach nicht mehr aushalten, dann ist es am Ende immer das Tier, was leidet. Genau so eine Situation haben wir im Moment", betont Jugert im Gespräch mit NDR 90,3. Und Schmidt sagt: "Ich finde, für viele Tiere ist die Unterbringung derzeit nicht okay. Wir haben zu viele Tiere und zu wenig Personal. Das ist für die Tiere keine optimale Lösung." Auch andere Mitarbeitende des Tierheims berichten dem Hamburg Journal, die Arbeitsatmosphäre sei geprägt von Angst. Viele Mitarbeitende trauten sich nicht, Kritik zu äußern. Die Vorsitzende des Vereins, Sandra Gulla, herrsche wie eine Despotin. Bei den Tieren gebe es Missstände bei der Hygiene, der Behandlung von Krankheiten und bei der täglichen Versorgung.

Tierschutzbund: Kritiker haben nicht recht

Der Tierschutzverein und die Tierheimleitung weisen die Vorwürfe zurück. "Der Großteil unserer Mitarbeiter arbeitet hier gerne", sagt Tierheimleiterin Susanne David im Hamburg Journal. Auch die Kritik an den Zuständen im Heim weist der Verein zurück. Die jüngsten Kontrollen durch das Bezirksamt Mitte seien Schikane gewesen, heißt es. Gegen den zuständigen Amtstierarzt ging der Verein gerichtlich vor. Eine Prüfung durch den Tierschutzbund belegt laut dem Tierschutzverein, dass die Kritik falsch sei. Niklas Mirbach, Anwalt des Tierschutzvereins, betont: "Nach meiner Meinung disqualifizieren sich die Kritiker selbst, indem sie sehr oft leicht widerlegbare, falsche Vorwürfe vortragen."

Weitere Informationen
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Dieses Thema im Programm:

Hamburg Journal | 07.02.2020 | 19:30 Uhr

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