Stand: 20.11.2019 15:48 Uhr

Ticket-Affäre: Badde zu Geldstrafe verurteilt

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Die frühere Staatsrätin Elke Badde wurde zu einer Geldstrafe verurteilt.

Mehr als zwei Jahre nach dem Konzert der Rolling Stones im Hamburger Stadtpark hat es im ersten Gerichtsprozess zur Freikartenaffäre ein Urteil gegeben. Das Hamburger Amtsgericht verurteilte die frühere Staatsrätin Elke Badde (SPD) am Mittwoch zu einer Geldstrafe in Höhe von insgesamt 20.400 Euro - 120 Tagessätze zu 170 Euro. Sie habe sich der Vorteilsannahme und Verleitung von Untergebenen zu einer Straftat schuldig gemacht, so das Gericht. Baddes Verteidiger kündigte an, gegen die Verurteilung Rechtsmittel einzulegen.

"Da hätten Sie einschreiten müssen"

Badde hatte nach Überzeugung des Gerichts vier Monate vor dem Konzert im Hamburger Stadtpark zwei Tribünenkarten einschließlich vergünstigter Gebühren für 357,50 Euro über den damaligen Leiter des Bezirksamts Hamburg-Nord, Harald Rösler (SPD), bestellt. Als Disziplinarvorgesetzte von Rösler habe sie damit Kenntnis davon gehabt, dass das für die Genehmigung des Konzerts zuständige Amt einen bevorzugten Zugang zu Karten hatte. "Da hätten Sie einschreiten müssen. Das haben Sie nicht getan", stellte der Richter fest.

Elke Badde

Freikartenaffäre: Geldstrafe für Ex-Staatsrätin

Hamburg Journal -

Im ersten Prozess wegen der Freikartenaffäre um das Hamburger Rolling-Stones-Konzert 2017 wurde die frühere Staatsrätin Elke Badde zu einer Geldstrafe von 20.400 Euro verurteilt.

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Badde: Karten nie angekommen

Badde gab in dem Prozess an, gar nicht beim Konzert gewesen zu sein. Die 59-Jährige beteuerte, dass sie nie vergünstigte Tickets bekommen habe. Sie habe Rösler zwar in einer Mail mitgeteilt, dass sie gern zwei Tribünenkarten gehabt hätte. Diese seien aber nie bei ihr angekommen. Warum, konnte sie nicht erklären. "Mein Mann und ich, wir sind keine großen Fans der Rolling Stones", sagte die 59-Jährige. Am Abend des Konzerts habe sie mit ihrer Familie gemeinsam Abendbrot gegessen. Sie habe die beiden Tickets auch nicht bezahlt.

Rückdatiertes Schreiben abgezeichnet

Badde sagte, sie habe im damaligen Angebot von Rösler, Konzertkarten zu besorgen, keinen Vorteil gesehen. Sie habe gedacht, er leite einfach ihren Namen an den Konzertveranstalter weiter - mehr nicht. Sie räumte aber einen Fehler ein: Sie habe die Annahme von zwei Freikarten und den Besuch eines Empfangs durch Rösler nachträglich am 20. September 2017 mit einem rückdatierten Schreiben genehmigt. Sie habe deswegen schon ein Disziplinarverfahren gegen sich selbst beantragt. Damals habe sie aber noch nichts "von den Machenschaften von Herrn Rösler" gewusst.

Bezirksamt für Genehmigung des Konzerts zuständig

Die Karten für Badde stammten laut Anklage aus einem Kontingent von 300 Kauf- und 100 Freikarten, die Rösler vom Konzertveranstalter verlangt haben soll. Das Bezirksamt war für die Genehmigung des Konzerts zuständig. Badde hatte zu der Zeit auch die Aufsicht über die Bezirke. In dieser Funktion soll sie Rösler auch rückwirkend den kostenlosen Besuch des Konzertes genehmigt haben.

Weitere Verfahren

Von den anfänglich 49 Ermittlungsverfahren in der Rolling-Stones-Affäre sind die meisten inzwischen eingestellt, der überwiegende Teil gegen Geldauflagen. Neben dem Verfahren gegen Badde gibt es sieben weitere Anklagen. Gegen den ehemaligen Bezirksamtsleiter Rösler hat die Staatsanwaltschaft noch keine Anklage erhoben, gegen ihn wird aber ermittelt.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 20.11.2019 | 16:00 Uhr

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