Stand: 07.06.2020 07:48 Uhr  - NDR 90,3

Tausende bei Demos gegen Rassismus in Hamburg

Zwei Demos gegen Rassismus und Polizeigewalt in der Hamburger Innenstadt haben am Sonnabendnachmittag deutlich mehr Menschen angezogen, als es in Corona-Zeiten zulässig ist. Laut Hamburger Polizei waren insgesamt etwa 14.000 Beteiligte im gesamten Innenstadtgebiet unterwegs. Beide Versammlungen wurden von den Veranstaltern kurz nach Beginn wieder beendet. Obwohl die Zahl zu hoch war, ließ die Polizei die Teilnehmenden dennoch gewähren - mit der Begründung, dass ein Eingriff in die Menschenmenge und eine Auflösung der Demos das Risiko einer Infektion mit dem Coronavirus vermutlich noch erhöht hätte. Die Veranstaltungen verliefen größtenteils friedlich. Im Anschluss an die Demonstrationen kam es allerdings zu einzelnen Auseinandersetzungen.

Jungfernstieg abgeriegelt wegen zu vieler Teilnehmer

Bild vergrößern
Auf dem Jungfernstieg in Hamburg kamen am Sonnabend rund 10.000 Menschen zusammen, um gegen Rassismus zu demonstrieren.

Am Jungfernstieg hatten die Teilnehmenden am Sonnabend Plakate dabei, auf denen "Black Lives Matter" geschrieben stand oder "I can't breathe" - die letzten Worte des Afroamerikaners George Floyd, der bei einem Polizeieinsatz in den USA ums Leben gekommen war. Laut Polizei waren bereits um 14 Uhr rund 9.000 Menschen in Hamburg vor Ort. "Zulässig (zum Schutz vor Corona-Infektionen) waren nur 525 Teilnehmer", erklärte die Polizei. Die Versammlungsleitung habe die Demo deshalb vorzeitig beendet. Wegen des Überschreitens der angemeldeten Teilnehmerzahl riegelte die Polizei eine abgegrenzte Fläche ab und ließ keine weiteren Demonstrantinnen und Demonstranten durch die Absperrung. Mit Ansagen durch die Lautsprecheranlage baten die Beamten alle Teilnehmenden, den Mund- und Nasenschutz aufzusetzen. Die meisten befolgten die Anweisung.

Auch zweite Demo am Rathausmarkt abgesagt

Bei einer zweiten Demonstration auf dem Rathausmarkt gab es eine Schweigeminute und Reden gegen die Diskriminierung der Schwarzen. Wieder und wieder riefen die Demonstrierenden "Black Lives Matter ". Auch diese Veranstaltung wurde laut Polizei wegen zu vieler Teilnehmerinnen und Teilnehmer wieder abgebrochen. Laut Polizei waren am Nachmittag rund 6.000 Menschen auf dem Rathausmarkt und in den angrenzenden Straßen zugegen.

Pfefferspray, Wasserwerfer und 24 verletzte Polizisten

Im Anschluss an die friedlichen Kundgebungen gab es Auseinandersetzungen. Zunächst hatte eine Gruppe schwarz vermummter Personen Polizeibeamte und -beamtinnen mit Flaschen beworfen und Transparente auf der Reesendammbrücke ausgerollt. Darauf stand “Bullen sind Schweine“ und "ACAB" - die Abkürzung einer international bekannten Beleidigung für Polizisten. Bis zum späten Abend lieferten sich die Krawallmacher ein Katz-und Maus-Spiel mit der Polizei in der Innenstadt mit Pyrotechnik, Flaschen- und Steinwürfen. Nach Angaben der Polizei wurden 24 Einsatzkräfte verletzt. Elf Personen wurden festgenommen, 36 kamen in Gewahrsam. Die Polizei setzte auch Wasserwerfer und Tränengas ein.

Demos erinnern an gewaltsamen Tod von George Floyd

Nach dem gewaltsamen Tod von George Floyd fanden in ganz Deutschland, auch in Niedersachsen und in Mecklenburg-Vorpommern, neue Anti-Rassismus-Demonstrationen statt. Die Veranstalter hatten dazu aufgerufen, in schwarzer Kleidung zu erscheinen und der Tat schweigend zu gedenken.

Hamburger Polizei solidarisiert sich mit Protesten

Vor Beginn der Demonstrationen hatte die Hamburger Polizei ihre Solidarität erklärt. "Wir sind an eurer Seite!", twitterte sie. "Rassismus darf in unserer Gesellschaft keinen Platz haben. Wir arbeiten täglich dafür, dass sich alle Menschen in Hamburg sicher fühlen können."

Die Polizei erklärte in den Tweets, ihr Auftrag sei es, Straftaten zu verfolgen und Gefahren abzuwehren. "Wenn wir entsprechend einschreiten, dann tun wir dies unabhängig von Hautfarbe, Religion oder sozialem Status einer Person."

4.500 Menschen bei Protest am US-Konsulat

Bild vergrößern
Vor dem US-Konsulat an der Alster hatten schon am Freitag Tausende Menschen demonstriert.

In der Hansestadt hatten bereits am Freitag Tausende Menschen gegen Rassismus und Polizeigewalt demonstriert. Statt der angekündigten 250 Teilnehmer und Teilnehmerinnen waren am Nachmittag etwa 4.500 zum US-Konsulat am Alsterufer gekommen. Trotz Durchsagen der Beamten verstießen Demonstrierende gegen die corona-bedingten Auflagen wie Abstandhalten und das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes. Nach nur einer halben Stunde wollte die Polizei deshalb die Versammlung auflösen.

Die Demonstrierenden blieben allerdings - und die Polizei ließ sie gewähren. Ein Polizeisprecher sagte NDR 90,3, eine Auflösung der Menschenmassen würde das Infektionsrisiko zusätzlich erhöhen. Erst am späten Nachmittag verließen die Demonstrierenden nach und nach die Veranstaltung.

Weitere Informationen

Tausende demonstrieren vor US-Konsulat gegen Rassismus

In Hamburg haben rund 4.500 Menschen vor dem US-Konsulat gegen Rassismus und Polizeigewalt demonstriert. Trotz Verstößen gegen Corona-Auflagen ließ die Polizei sie gewähren. (05.06.2020) mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 06.06.2020 | 13:00 Uhr

Mehr Nachrichten aus Hamburg

02:34
Hamburg Journal
02:41
Hamburg Journal
04:49
Hamburg Journal