Stand: 26.09.2019 06:48 Uhr

Studie sieht Fortschritte bei Betreuung in Kitas

Eine neue Studie der Bertelsmann-Stiftung bescheinigt Hamburg eine positive Entwicklung bei der Betreuung in Kindertagesstätten. Dabei geht es um den Betreuungsschlüssel, also darum, um wie viele Kinder sich eine Fachkraft in Krippen und Kitas jeweils kümmert. Laut Bertelsmann-Studie war ein Kita-Betreuer im vergangenen Jahr durchschnittlich für etwa ein Kind weniger zuständig als noch 2013.

"Betreuungssituation noch immer nicht kindgerecht"

Trotz Verbesserungen bei der Kinderbetreuung hänge Hamburg bei der personellen Ausstattung der Krippen im westdeutschen Vergleich weiter hinterher, heißt es im Ländermonitoring Frühkindliche Bildungssysteme der Bertelsmann Stiftung, das am Donnerstag veröffentlicht wurde. "Die Betreuungssituation in den Kitas ist noch immer nicht kindgerecht und stellt zudem eine hohe Arbeitsbelastung für die Fachkräfte dar", heißt es in dem Bericht.

Deutliche Verbesserung in Kitas

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Der Betreuungsschlüssel hat sich laut Studie in den Hamburger Kitas verbessert.

Am 1. März 2018 war in Hamburg eine pädagogische Fachkraft in Krippengruppen laut Studie rein rechnerisch für 4,8 ganztagsbetreute Kinder zuständig. Die Personalsituation habe sich damit gegenüber 2013 (1 zu 5,4) verbessert. In den Kindergartengruppen gab es sogar eine erheblichere Verbesserung. Verantworteten Erzieherinnen und Erzieher 2013 noch die Förderung von 9,3 Kindern, waren es im Jahr 2018 nur 8,1. Für eine kindgerechte Betreuung empfiehlt die Bertelsmann Stiftung, dass in Krippengruppen maximal 3 und in Kindergartengruppen 7,5 Kinder auf eine pädagogische Fachkraft kommen.

Rund ein Drittel der Zeit für andere Aufgaben benötigt

Allerdings sehe das Betreuungsverhältnis im Kita-Alltag immer ungünstiger aus, da nicht die gesamte Arbeitszeit für die Betreuung der Kinder zur Verfügung stehe. Wissenschaftliche Untersuchungen zeigten, dass rund ein Drittel der Arbeitszeit für Aufgaben außerhalb der pädagogischen Praxis benötigt wird, etwa für Elterngespräche und Qualitätsentwicklung. In Krippengruppen müsse dann in Hamburg eine Mitarbeiterin 7,1 unter dreijährige Kinder betreuen. In Kindergartengruppen sei eine Fachkraft für 12,1 Kinder zuständig.

Mehr als 3.000 zusätzliche Erzieher notwendig

Um eine kindgerechte Betreuung in den Kitas in Hamburg sicherzustellen, braucht es den neuesten Berechnungen der Bertelsmann Stiftung entsprechend rund 3.100 zusätzliche Fachkräfte. 3.000 zusätzliche Fachkräfte hatte die Stadt Hamburg im vergangenen Jahr angekündigt. 1.200 davon seien bereits eingestellt, heißt es aus der Sozialbehörde. Allerdings wächst auch die Zahl der Kita-Plätze ständig.

Geld vom Bund

Nach der Verabschiedung des bundesweiten sogenannten Gute-Kita-Gesetzes erhält Hamburg vom Bund zusätzliche 121 Millionen Euro für Verbesserungen bei der Kinderbetreuung. Das Geld soll hier genutzt werden, um den oft kritisierten Betreuungsschlüssel zu verbessern.

Kritik der Opposition

Die Opposition übt Kritik. "Nach wie vor kümmern sich in keinem westdeutschen Bundesland weniger Erzieher um ein Kleinkind als in Hamburg", sagte Philipp Heißner, familienpolitischer Sprecher der CDU-Fraktion. Dies sei die direkte Folge der verfehlten Kita-Politik der letzten Jahre, die total einseitig auf Quantität vor Qualität gesetzt habe. Skandalös sei, dass der rot-grüne Senat die Bundesmittel des "Gute-Kita-Gesetzes" nicht für eine Verbesserung der Situation in den Kitas einsetze, sondern damit seinen Haushalt sanieren wolle.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 26.09.2019 | 07:00 Uhr

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