Stand: 24.06.2019 15:14 Uhr

Sparkassen-Überfälle: 70-Jähriger gesteht Serie

Vor dem Hamburger Landgericht ist am Montag der Prozess gegen einen mutmaßlichen Bankräuber fortgesetzt worden. Der Angeklagte soll drei Filialen der Hamburger Sparkasse (Haspa) überfallen haben. Dem 70-Jährigen, der bereits früher wegen anderer Banküberfälle eine lange Haftstrafe abgesessen hat, wird neben schwerer räuberischer Erpressung auch versuchter Mord vorgeworfen. Am Montag gestand er nun eine Serie von Banküberfällen - nur zum prozessentscheidenden Vorwurf, in Altona vor zwei Jahren einen Haspa-Mitarbeiter niedergeschossen zu haben, äußerte er sich nicht.

Als er im Januar auf dem Boden vor der Haspa-Filiale lag, in Schach gehalten von bewaffneten Polizisten, hatte der Räuber noch darum gebeten, dass die Fesseln nicht ganz so fest gezogen werden. Er sei doch schon ein alter Mann. Selbst war der 70-Jährige offenbar weniger rücksichtsvoll. Wenige Minuten vor seiner Festnahme im Januar soll er in der Haspa-Filiale an der Langen Reihe die Mitarbeiter mit einer scharfen Pistole bedroht haben. Insgesamt soll er drei Banken überfallen haben.

"Ich will die reine Wahrheit"

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Wie beim Prozessauftakt zeigte sich der Angeklagte am Montag offen den Kameras der Pressefotografen.

Den Vorwürfen werde er nicht widersprechen, kündigte sein Anwalt an. Dann erzählte der Angeklagte über seine Taten, als gebe er im Gericht eine amüsante Abenteuergeschichte zum Besten. "Mir geht es darum, dass hier die reine Wahrheit auf den Tisch kommt", beteuerte der 70-Jährige. Im vergangenen Jahr sei er in Geldnot geraten, die Grundsicherung habe nicht ausgereicht. "Ich hatte so gut wie kein Geld mehr." Es wäre ein Leichtes für ihn gewesen, einen Supermarkt zu überfallen. Dort gebe es keine Überwachungskameras und die Kassen seien gut gefüllt. Aber er habe die dortigen Mitarbeiter nicht mit einer Waffe bedrohen wollen. "Darum kamen für mich immer nur Banken in Frage."

Zu einem Vorwurf allerdings schwieg er: Beim Überfall auf eine Haspa-Filiale in Altona soll er einem Mitarbeiter in den Bauch geschossen haben. Dafür ist er wegen versuchten Mordes angeklagt. Dieser Vorwurf könnte ihn für den Rest seines Lebens ins Gefängnis bringen. Der 45-jährige Bankangestellte wurde am Bauch getroffen und konnte nur durch eine Notoperation gerettet werden. Der Täter erbeutete den Angaben zufolge 4.888 Euro und flüchtete mit einem Fahrrad. Die Polizei fahndete mit großem Aufwand nach dem Räuber, unter anderem in der ZDF-Sendung "Aktenzeichen XY... ungelöst". Die Haspa setzte eine Belohnung von 10.000 Euro für Hinweise aus.

Nach Überfall in St. Georg festgenommen

Die Bemühungen blieben zunächst vergeblich. Doch dann gab es fast genau zwei Jahre später einen weiteren Überfall auf eine Haspa-Filiale im Stadtteil St. Georg. Der Täter bedrohte am 10. Januar 2019 drei Angestellte mit einer Pistole und erbeutete diesmal 5.550 Euro. Wieder wollte er danach mit dem Fahrrad flüchten. Doch eine zunächst unbekannt gebliebene Zeugin machte zufällig anwesende Beamte auf die Tat aufmerksam, wie die Polizei später berichtete. Sie konnten den Verdächtigen noch am Tatort festnehmen.

Wegen drei Überfällen vor Gericht

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Im Januar 2017 wurde eine Haspa-Filiale in Altona überfallen. Dabei wurde ein Angestellter angeschossen.

Nach der Verhaftung prüften die Ermittler, ob der 70-Jährige für weitere Taten in Frage kommt. Dabei ergab sich nicht nur der Zusammenhang mit der Tat an der Holstenstraße in Altona-Altstadt, sondern auch der Verdacht zu einem früheren Überfall Ende 2011. Damals hatte ein maskierter und bewaffneter Räuber eine Filiale in Hamburg-Neustadt überfallen und laut Staatsanwaltschaft 14.800 Euro erpresst. Auch damals war der Mann mit einem Fahrrad geflüchtet. Dieser Überfall wird dem Angeklagten nun ebenfalls zur Last gelegt.

Schon früher lange im Gefängnis

Der in Kiel lebende Angeklagte hat wegen Raubüberfällen bereits 13 Jahre in Hamburg im Gefängnis gesessen. Bereits in den 1980er-Jahren wurde er wegen Banküberfällen verurteilt. 1990 sorgte er für Schlagzeilen als er eine Meuterei im der Justizvollzugsanstalt "Santa Fu" angezettelt haben soll. Gemeinsam mit Mitgefangenen stieg er aufs Dach der Gefängniskirche und forderte bessere Haftbedingungen. 1996 wurde er aus der Haft entlassen. Doch Jahre später soll er dann wieder zugeschlagen haben.

Nach seiner Entlassung arbeitete er in mehreren Hotels als Nachtportier. Nach Angaben eines Gerichtssprechers geht die Staatsanwaltschaft davon aus, dass im Falle einer Verurteilung auch die Anordnung einer Sicherungsverwahrung geprüft werden muss.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 24.06.2019 | 13:00 Uhr

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