Stand: 24.04.2020 13:36 Uhr  - NDR 90,3

Schulsenator will 80.000 Tablets für Schulen anschaffen

Warum gibt es keine Maskenpflicht in der Schule? Müssen Kinder mit Eltern aus Risikogruppen in die Schule? Gibt es genug Lehrer? Hamburgs Schulsenator Ties Rabe (SPD) war am Freitag für eine Stunde bei NDR 90,3 per Telefon zugeschaltet und hat Fragen von Hörerinnen und Hörern beantwortet.

Warum müssen in den Schulen keine Masken getragen werden, wollte eine Hörerin wissen. Die Antwort von Schulsenator Rabe: Weil in den Klassenräumen ausreichend Abstand gehalten werde, "sodass die Maske hier nicht nötig ist". Es komme schließlich nur jeweils die Hälfte einer Klasse in die Schule. Im ersten Schritt werden die Schulen auch nur für bestimmte Jahrgänge geöffnet. Für den Weg zur Schule werde die Maske aber empfohlen, so der Schulsenator. Er wies auch darauf hin, dass zum Beispiel das häufige Berühren einer Maske dazu führe, die Gefahr eine Infektion zu erhöhen.

Wer sich oder andere gefährdet, muss nicht zur Schule

Eine Hörerin fragte, wie es mit Schülerinnen und Schülern aussieht, die zu einer Risikogruppen gehören. Müssen die auch wieder zur Schule? Rabe sagte, Eltern könnten in solchen Fällen Entschuldigungen schreiben. "Jeder hat das Recht gesund zu bleiben und zu sagen: Nein, mir ist das Risiko zu groß." Das gelte auch, wenn eine andere Person im Haushalt der Schülerinnen und Schüler besonders gefährdet ist. Auch dann müssten sie nicht zur Schule. Für die Entschuldigung müssten aber solche Gründe genannt werden - Angst reiche da nicht.

Rabe: Vorbereitung auf das Abitur war möglich

Zur Frage, inwieweit sich Schülerinnen und Schüler gut auf das Abitur vorbereiten konnten, sagte Rabe, der Lernstoff sei in den Schulen bereits im Januar abgeschlossen worden. Es sei üblich, dass die Schülerinnen und Schüler danach allein zu Hause lernen. Diese Phase sei jetzt zwei oder drei Wochen länger gewesen. Aber "das kann man schon hinbekommen", so der Schulsenator.

Weitere Informationen
Tische stehen mit Sicherheitsabstand zueinander in einem Klassenraum im Gymnasium Eppendorf. Daran sitzen Schüler vor ihrer schriftlichen Abiturprüfung. © picture alliance / dpa Foto: Daniel Reinhardt

Abiturienten starten mit schriftlichen Prüfungen

Für die Abiturientinnen und Abiturienten in Hamburg haben die schriftlichen Prüfungen begonnen. Der Abi-Start war für die rund 9.800 Prüflinge wegen der Corona-Pandemie verschoben worden. (21.04.2020) mehr

Rabe: Lehrpersonal reicht "auf jeden Fall"

Einige Hörerinnen hatten Fragen zu den Auswirkungen für Lehrkräfte. Gibt es davon überhaupt genug für die derzeitigen Regelungen, wollte eine wissen. Mit Blick auf die derzeitige Lage sagte Rabe: "Das Personal reicht auf jeden Fall aus." Schwierigkeiten könnten möglicherweise erst entstehen, wenn alle Schülerinnen und Schüler wieder an die Schulen kommen - und Lehrerinnen und Lehrer aus Risikogruppen weiter zu Hause bleiben müssen. Vorerst gebe es aber keine Probleme. In der nächsten Zeit sei vorerst nur ein Teil der Klassen an den Schulen. Lehrkräfte könnten ihre eigenen Kinder in die Notbetreuung geben.

Schulen müssen bei Fernunterricht Rücksicht nehmen

Eine Hörerin berichtete, die Lehrerinnen und Lehrer ihres zwölfjährigen Sohnes verlangten von ihm, dass er im Fernunterricht Lösungen zu Aufgaben per E-Mail an sie schickt. Dafür solle es auch Noten gebe. Ihr Sohn habe aber gar keinen Computer und kein Mailprogramm. Schulsenator Rabe sagte, die Schule dürfe so etwas nicht verlangen. Wenn es nicht möglich sei, die Lösungen per E-Mail zu schicken, müsse die Schule eine Alternative anbieten. "Das muss möglich sein", so Rabe. Gleichzeitig sagte er, der Fernunterricht "kann und soll benotet werden".

Soziale Spaltung durch Fernunterricht?

Die Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft hatte vor einer sozialen Spaltung durch den Fernunterricht gewarnt. Manchen Kindern fehlen Computer, Raum zum Lernen und Eltern, die helfen können. Rabe sagte, dass das ihn selbst schmerze. Wer zu Hause nicht lernen könne, dürfe im Ausnahmefall in die Schule kommen. Diese Regelung werde derzeit immer öfter genutzt.

Rabe fordert klareres Bild von Wissenschaft

Die Frage nach einer weiteren Öffnung der Schulen sei ein "Balanceakt". Mit Blick auf Vereinbarungen zwischen den Bundesländern und dem Bund sagte der Politiker: "Es ist schon gut, wenn wir vorsichtig gemeinsam die ersten Schritte machen." Generell wünsche er sich von der Wissenschaft ein klareres Bild, welche Lockerungen möglich sind. "Ich als Politiker verstehe etwas von Schule, aber ich habe keine Ahnung von Infektionsgefahren." Die Politik sei gut beraten, behutsam einen Weg in eine "neue Normalität" zu suchen. "Wir können nicht bis Dezember die Schulen schließen", so Rabe.

Bis zu 80.000 Tablets für Schulen

Rabe kündigte zudem weitere Investitionen in die Digitalisierung an den Schulen und für die Schülerinnen und Schüler an. Mittelfristig sollen 60.000 bis 80.000 Tablet-Computer angeschafft werden - zur Hälfte finanziert vom Bund und zur Hälfte von der Stadt Hamburg, so Rabe. Bis wann die Geräte da sind, sei derzeit allerdings noch offen. In einem ersten Schritt wünsche er sich aber "10.000 bis 15.000 neue Geräte bis Ende der Sommerferien". Auch jetzt dürften Schulen bereits Geräte an Schülerinnen und Schüler verleihen. Vor der Corona-Krise sei das nicht gestattet gewesen.

Halten Schülerinnen und Schüler genug Abstand?

Ein Hörer berichtete von seinen Eindrücken vom Schulhof. Er habe gesehen, dass die Schülerinnen und Schüler keinen Abstand voneinander halten. Rabe sagte: "Ich habe solche Berichte nicht." Bisher habe er von zufriedenen Eltern und Schülerinnen und Schülern gehört. Er wolle aber auch nicht ausschließen, dass auch mal "etwas schief gehen kann".

Weitere Informationen
In einer leeren Schulklasse steht das Wort "Coronavirus" an der Tafel. (Themenbild) © picture alliance Foto: Zoonar

Corona: Hygieneplan für Hamburgs Schulen vorgelegt

Die Hamburger Schulbehörde hat Anweisungen gegeben, wie in den kommenden Tagen und Wochen Unterricht wieder stattfinden soll. Doch es gibt viele Bedenken. mehr

Masken für Personal an Schulen für Menschen mit Behinderung

Wie sieht es mit Schulen für Kinder mit einer körperlichen oder geistigen Behinderung aus, wollte ein Hörer wissen. Für das Personal dort sei es oft nicht möglich, Abstand zu halten. Rabe sagte, es sei wichtig, sowohl auf den Schutz des Personals, aber auch der Schülerinnen und Schüler zu achten. Diese Kinder zu Hause zu betreuen sei eine "große Belastung für die Eltern". Er gehe davon aus, dass die betroffenen Schülerinnen und Schüler ab dem 4. Mai wieder zur Schule gehen können. Dann solle das Personal dort mit "guten Masken" ausgestattet werden.

Einen Tag pro Woche in die Schule?

Mit Blick auf die Zukunft sagte Rabe, er habe die Sorge, "dass wir viele Schüler zu Hause überfordern“. Von dem Engagement von Lehrerinnen und Lehrern sowie Eltern sei er angetan, aber der Fernunterricht könne das Lernen im Klassenverband nicht ersetzen. Die Corona-Krise habe der Digitalisierung zwar einen großen Schub gegeben, er hoffe aber, dass alle Schülerinnen und Schüler bald "zumindest einen Tag in der Woche" wieder in die Schule gehen können.

Weitere Informationen
Viren schweben durch einen Tunnel aus Zahlen. © Fotolia, panthermedia Foto: Mike Kiev, lamianuovasupermail

Corona-Ticker: Forscher entwickeln Vorhersage-Modell

Wissenschaftler aus Osnabrück und Jülich haben eine Methode entwickelt, um mögliche Verläufe von regionalen Corona-Ausbreitungen zu berechnen. Mehr Corona-News im Ticker. mehr

Ein Virus schwebt vor einer Menschenmenge (Fotomontage) © panthermedia, fotolia Foto: Christian Müller

Coronavirus in Hamburg: Nachrichten und Hintergründe

Wie geht es Hamburg mit der Corona-Pandemie? Welche Beschränkungen gibt es, welche Lockerungen? Hier finden Sie die aktuellen Zahlen, Nachrichten, Videos und Hintergründe. mehr

Der Virologe Prof. Christian Drosten und die Virologin Prof. Sandra Ciesek (Montage) © picture alliance/dpa, Universitätsklinikum Frankfurt Foto: Christophe Gateau,

"Coronavirus-Update": Der Podcast mit Drosten & Ciesek

Hier finden Sie alle bisher gesendeten Folgen zum Nachlesen und Nachhören sowie ein wissenschaftliches Glossar und vieles mehr. mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | 24.04.2020 | 10:00 Uhr

Mehr Nachrichten aus Hamburg

Baggerschiffe verbreitern das Fahrwasser auf der Elbe. © NDR Foto: Screenshot

Hafenschlick bedroht die Elbvertiefung

Die Elbvertiefung ist offenbar durch den zunehmenden Schlick im Hamburger Hafen gefährdet. Die Stadt sucht deshalb in der Elbmündung nach einer neuen Deponie unter Wasser. mehr

Dominik Koepfer am Hamburger Rothenbaum © Witters

Rothenbaum: Deutsche Tennis-Profis ausgeschieden

Dominik Koepfer und Yannick Hanfmann haben am Mittwoch ihre Achtelfinal-Matches beim ATP-Turnier in Hamburg verloren. Der NDR überträgt am Donnerstag im Livestream vom Rothenbaum. mehr

Peter Tschentscher spricht auf der Landespressekonferenz im Rathaus. © dpa-Bildfunk Foto: Christian Charisius

Corona-Krise: Großkonzerne und Eventbranche bei Tschentscher

Bei einem Treffen mit der Eventbranche machte Hamburgs Bürgermeister Hoffnung auf weitere Corona-Lockerungen. Im Anschluss verhandelte er mit Vertretern von Großkonzernen - auch über Bürokratie. mehr

Falko Droßmann, Bezirksamtsleiter Hamburg Mitte, ist in seinem Büro im Gespräch. © NDR Foto: NDR

Kiez-Besucher: Nur 30 Prozent mit Kontaktlisten erreichbar?

Sind 70 Prozent der Kiez--Besucher anhand von Corona-Kontaktlisten nicht erreichbar? Ein Fernseh-Auftritt von Falko Droßmann, dem Chef des Bezirksamts Hamburg-Mitte, wirft Fragen auf. mehr