Stand: 10.08.2019 11:02 Uhr

Saugende Toiletten für ein besseres Klima

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Auf dem Gelände der ehemaligen Lettow-Vorbeck-Kaserne in Jenfeld ist eines der modernsten Abwassersysteme entstanden.

Auf dem Gelände der ehemaligen Lettow-Vorbeck-Kaserne in Hamburg-Jenfeld ist wohl eines der modernsten Abwassersysteme weltweit entstanden. Beim Hamburg Water Cycle landet das Toilettenwasser der 800 angeschlossenen Haushalte in einem eigenen Kraftwerk. Die Anlage von Hamburg Wasser sammelt die Toilettenreste in einem Silo, in dem so Biogas produziert wird. Damit wird wiederum Strom für die Siedlung erzeugt.

Zwei Bauarbeiter, die Wasserkanäle bauen.

Projekt in Jenfeld: Abwasser effektiv genutzt

Hamburg Journal -

Bis zu zehn Liter Trinkwasser verbrauchen normale Toiletten pro Spülung. In einem Wohnquartier in Hamburg-Jenfeld wurde eine effizientere Anlage gebaut. Und das Wasser wird weiter genutzt.

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Herkömmliches Prinzip verbraucht viel Wasser

54 Millionen Liter Wasser rauschen jeden Tag durch Hamburgs Toilettenschüsseln. Denn nur so funktioniert das uralte Kanalisationsprinzip. "Das bedeutet, wir haben viel Wasser, wir brauchen viel Energie dafür und wir können die modernen Fragen der Abwasserreinigung mit dem Zentralsystem nicht mehr lösen", sagt Wolfgang Kuck von Hamburg Wasser.

Unterdruck durch Kompressoren

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Vakuumpumpen erzeugen Unterdruck, damit können die Toiletten des Wohnquartiers abgesaugt werden.

Bei dem Projekt in Jenfeld landet das Toilettenwasser zunächst in Tanks - und zwar per Unterdruck, den Vakuumpumpen erzeugen. "Diese Kompressoren saugen 250 Kubikmeter Luft die Stunde aus unseren Tanks. Und die erzeugen sozusagen den Unterdruck in relativ schneller Zeit", sagt Kuck. Er zeigt auf ein Messgerät: "Den Unterdruck können wir hier sehen: 0,6 bar."

In dem neuen Wohnquartier musste für die Anlage ein komplett neues Rohrsystem entwickelt werden, und zwar mit 3,5 Kilometern Spezialrohren, die dem permamenten Unterdruck stand halten. Die Toiletten in der Siedlung sehen fast aus wie jede andere, allerdings saugen sie das "Geschäft" ab und benötigen nur einen Liter Wasser statt wie bisher bis zu zehn Litern pro Toilettengang.

Biogas aus dem Faulturm

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Saugen statt Spülen: Bei den Toiletten in Jenfeld wird nur sehr wenig Wasser verbraucht.

Ein weiterer wichtiger Teil der Anlage ist ein eigener Faulturm. Denn das sogenannte Schwarzwasser besitzt viel weniger Feuchtigkeit als herkömmliches Abwasser und ist somit wesentlich energiereicher. In dem Faulturm ensteht so Biogas, das gleich vor Ort ein Blockheizkraftwerk antreibt. Herzstück ist ein normaler Motor, an dem ein Stromgenerator angeschlossen ist. "Wir haben Gas, wir wissen, da ist Energie drin, - und wir wollen Strom und Wärme. Also wandeln wir hier im Blockheizkraftwerk mit einem Wirkungsgrad von 87 Prozent Strom und Wärme um. Und zwar für das Quartier", sagt Kuck.

Das Ergebnis: Kaum noch Wasserverlust. Stattdessen wird die Energie des Abwassers gleich vor Ort effizient weiterverwendet. In einem nächsten Schritt soll auch das sogenannte Grauwasser der Siedlung, zum Beispiel aus Duschen und Küchen, aufbereitet und vor Ort genutzt werden. Das Regenwasser fließt schon jetzt nicht mehr wie sonst überall in die Kanalisation, sondern wird in Biotope vor Ort geleitet, wo es unter anderem verdunstet und für ein besseres Klima sorgt.

"Wir dürfen nicht mit allem so verschwenderisch umgehen"

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Ist begeistert vom Projekt in Jenfeld: Wolfgang Kuck von Hamburg Wasser.

Das Projekt in der Jenfelder Au ist nur der Anfang. Im großen Maßstab angewandt ließen sich allein in Hamburg jährlich Milliarden Liter Wasser sparen. "Meine Vision ist ja, dass wir bewusster mit unseren Ressourcen umgehen. Wir brauchen das Wasser und wir dürfen nicht mit allem so verschwenderisch umgehen. Wir müssen auch gucken, dass wir unser Klima entlasten. Das alles schafft diese Anlage in mehreren Stufen an mehreren Stellen", sagt Kuck. "Also ich finde das genial, so eine Idee".

Weitere Informationen

Strom aus Abwasser: In Jenfeld läuft's

In Hamburg-Jenfeld wird ab jetzt Strom aus Toilettenabwasser erzeugt. Die Anlage sammelt die Toilettenreste in einem Silo, in dem so Biogas und Wärme produziert werden. (18.06.2019) mehr

Dieses Thema im Programm:

Hamburg Journal | 05.08.2019 | 19:30 Uhr

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