Rolling-Stones-Affäre: Dezernatsleiterin steht vor Gericht

Stand: 06.08.2021 20:18 Uhr

Fast vier Jahre ist es her, dass die Rolling Stones im Hamburger Stadtpark gespielt haben - vor dem Amtsgericht Hamburg hat heute der zweite Prozess in diesem Zusammenhang begonnen. Es geht um die Freikarten, die das Bezirksamt Nord für das Konzert bekommen hat.

100 kostenlose Tickets soll die damalige Leitung des Bezirksamts Nord gefordert und auch erhalten haben. Zwei der Freikarten erhielt Dezernatsleiterin Yvonne Nische. Die heute 56-Jährige wollte zwischenzeitlich selbst Bezirkamtsleiterin werden, zog sich aber wegen der Freikartenaffäre zurück. Vorteilannahme und Verleitung von Untergebenen zu einer Straftat wirft ihr die Anklage vor.

Nische dementiert Vorwürfe

Nische selbst weist die Vorwürfe heute im Gericht zurück. Sie habe vom damaligen Bezirksamtsleiter Harald Rösler mehrfach gesagt bekommen, dass mit den Freikarten alles in Ordnung sei, dass es sogar ein Rechtsgutachten dazu gebe. Schriftlich belegen könne sie das aber nicht, so Nische.

"Fühlte mich verpflichtet, die Karten anzunehmen"

Die Angeklagte betonte, dass sie sich zuvor persönlich um Kaufkarten bemüht hatte, da sie privat mit einem Bekannten auf das Konzert gehen wollte. Die Stehkarten hätten jeweils 290 Euro gekostet. Mitte Mai habe sie dann eine E-Mail von ihrem Chef erhalten, wonach sie zwei von 100 Freikarten bekommen könne. "Ich fühlte mich verpflichtet, die Karten anzunehmen", sagte die 56-Jährige, da sie das Bezirksamt repräsentieren sollte. Außerdem sei sie für den Katastrophenschutz zuständig und da sei es sinnvoll, wenn sie vor Ort sei, sollte etwas passieren. In rund zwei Wochen könnte das Urteil fallen. Einen Termin für den Prozess gegen Harald Rösler und drei weitere Hauptbeschuldigte gibt es noch nicht.

Rösler drohen bis zu fünf Jahre Haft

Rösler wird vorgeworfen, bei der Genehmigung des Konzerts vom Veranstalter 300 Kauf- und 100 Freikarten verlangt und diesem das Gelände im Gegenzug zu erheblich geringeren Gebühren als üblich zur Nutzung überlassen zu haben. Sollte Rösler verurteilt werden, drohen ihm bis zu fünf Jahre Haft und der Verlust seiner Pensionsansprüche. Rösler ist seit 2018 im altersbedingten Ruhestand. Ebenfalls angeklagt wurden der stellvertretende Bezirksamtsleiter und zwei Verantwortliche der Konzertproduktionsgesellschaft.

Weitere Informationen
Die Sozialamtsleiterin im Bezirk Nord, Yvonne Nische. © Yvonne Nische

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 06.08.2021 | 15:00 Uhr

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