Stand: 18.01.2019 20:57 Uhr

Neuer Plan: Wie die Bahn den Hauptbahnhof bauen will

Die Deutsche Bahn hat spektakuläre Pläne für den Umbau des Hamburger Hauptbahnhofs entwickelt. "Machbarkeitsstudie Hamburg Hauptbahnhof" heißt das 25-seitige Konzept, das NDR 90,3 vorliegt. Es sieht eine Verlängerung der denkmalgeschützten Bahnhofshalle um rund 70 Meter gen Süden vor. Das gigantische Dach soll sogar die Straße Steintordammbrücke überspannen, die Verlängerung der Mönckebergstraße zum ZOB.

Unterm Glasdach in den Bus steigen

Unter dem 37 Meter hohen Glasdach können Fahrgäste in HVV-Busse umsteigen. "Hier finden auch zusätzliche Rolltreppen runter zu den überfüllten Bahnsteigen Platz", sagt Oliver Hasenkamp, der Leiter der Projektentwicklung der Bahn. "Neben der Entzerrung der Personenströme liefern wir den Kunden auch mehr Aufenthaltsqualität." Die Halle soll noch weiter verlängert werden - durch Büros und Läden.

"Eine Jahrhundertaufgabe"

Die Bahntochter Station und Service will noch mehr: Mit einem Hochhaus und gläsernen Markthallen am Hachmannplatz soll Geld verdient werden. Das lehnt die Stadt aus Denkmalschutzgründen ab. Auch Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) sei eingeschaltet, sagte der Bahn-Manager. "Der Erste Bürgermeister hat gesagt, das sei eine Jahrhundertaufgabe. Das sehen wir auch so."

Hauptbahnhof an der Kapazitätsgrenze

Mit 550.000 Fahrgästen täglich hat der Hauptbahnhof seine Kapazitätsgrenze erreicht. Die Machbarkeitsstudie ist Teil eines Gestaltungswettbewerbs, den Deutsche Bahn und die Stadt Hamburg gemeinsam für den Bahnhof starten wollen. In einem nächsten Schritt werde ein internationaler Wettbewerb zur Ausgestaltung ausgelobt, sagte Bahn-Sprecher Egbert Meyer-Lovis. Allerdings müsse die Finanzierung des Wettbewerbs noch mit der Stadt geklärt werden. "Ziel ist es, bis Mitte 2019 einen Letter of Intent für die weitere gemeinsame Zusammenarbeit zu unterzeichnen."

Die Pläne der Bahn für den Hauptbahnhof

Aufgeschlossene Reaktionen

Politiker von Senat, Koalition und Opposition haben aufgeschlossen auf die Pläne für den Hamburger Hauptbahnhof reagiert. Ole Torben Buschhüter von der SPD erklärte: "Das sieht sehr interessant aus und ich glaube, das ist ein Projekt mit dem wir den Hauptbahnhof für die nächsten 100 Jahre fit machen können." Martin Bill von den Grünen lobte, dass Fahrgäste viel mehr Platz bekommen sollen. Aber er mahnte, dass man an dem Bahnhof, der ein Denkmal ist, behutsam schauen müssen, was man baut.

Vor 2030 nicht fertig - Kritik von der CDU

Hamburgs Oberbaudirektor Franz-Josef Höing stößt sich hingegen am gläsernen Hochhaus. Der Verkehrsexperte der CDU-Fraktion, Dennis Thering, begrüßte die Erweiterungspläne. "Das Problem ist nur, dass das alles viel zu lange dauert." Als Zeitrahmen zur Umsetzung sei bei der Präsentation Anfang, Mitte der 30er-Jahre genannt worden. "Angesichts der Tatsache, dass der Bahnhof schon jetzt an seiner Kapazitätsgrenze ist, sollte das oberste Priorität haben."

Auch Linke kritisiert Zeitplan

Das monierte auch die Linke Heike Sudmann: "Es würde sehr lange dauern. Wir reden von 2030. Das ist, was mich am meisten stört. Denn wir haben jetzt ein Kapazitätsproblem. Wir brauchen jetzt eine Verbesserung." Sudmann lobte allerdings eine zweite Verkehrsstudie, die den Autoverkehr am Hauptbahnhof ausbremsen und durch eine Kommunaltrasse für Busse, Taxen und Räder ersetzen möchte.

Bahn will kurzfristig Platz schaffen

Um kurzfristig mehr Platz zu schaffen, will die Bahn am besonders belasteten Bahnsteig zwischen den Gleisen 13 und 14 "schnellstmöglich" Aufbauten wie Aufsichtshäuschen, Shops und Automaten entfernen. Zudem sollen in den nächsten drei Jahren provisorische Zugänge geschaffen werden, über die die Reisenden von den Bahnsteigen zur Steintordammbrücke gelangen können.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 18.01.2019 | 07:00 Uhr

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