Stand: 12.06.2018 22:38 Uhr

Nena begeistert ihre Fans im Hamburger Stadtpark

von Johanna Ohlau

Es ist fünf vor acht. Langsam wird das Publikum ungeduldig im Hamburger Stadtpark. Groß ist die Freude auf Nena, den Star aus Kinder- und Jugendzeiten. Dann streckt jemand ganz vorsichtig den Kopf durch den schwarzen Vorhang am rechten Bühnenrand. Die langen dunklen Haare, der markante Pony - kein Zweifel: Es ist Nena, die einen kurzen Blick auf ihr Publikum erhascht. Das bleibt den Fans in den ersten Reihen nicht verborgen. Sie begrüßen den Popstar mit lautem Jubel und Applaus.

3.800 Konzertbesucher im Stadtpark

Es wird noch einmal ganz still. Die Musiker flitzen auf ihre Positionen, tiefe Trommelschläge erklingen. Nenas Fans brauchen keine drei Töne zu hören, um "Indianer" zu erkennen. Die Zeitreise zurück in die 80er-Jahre im Hamburger Stadtpark beginnt. Die 58-Jährige springt und tanzt wie eh und je auf der Bühne hin und her, heizt die 3.800 Konzertbesucher mit "Come on!"-Rufen an. Doch im Gegensatz zu dem energiegeladenen Popstar lassen es die meisten ihrer Fans erst einmal etwas ruhiger angehen. Viele im Publikum begleiten Nena aber textsicher bei "Ganz oben" mit.

Hits, aber auch unbekannte Songs

"Nur geträumt" ist kaum angespielt, da zücken viele Konzertbesucher das Smartphone aus der Tasche und halten den Hit aus dem Jahr 1982 fest. Darauf folgen etwas weniger bekannte Lieder. "Kino" kündigt Nena als einen Song an, den sie selten live gespielt habe, und fragt zu Beginn in die Menge: "Na, wer kennt das Ding?" Die geringe Zahl der Handys über den Köpfen der Konzertbesucher zeigt, dass es für die meisten wohl nicht das Lied des Abends sein wird.

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Bei "Kleine Taschenlampe brenn" kommen wieder jede Menge Handys zum Einsatz - dieses Mal jedoch auf Wunsch der Sängerin als viele kleine Lichter in der Menge. Doch dem Wettergott scheint die Ballade der Neuen Deutschen Welle weniger zu gefallen: Das Publikum bekommt einen kleinen Regenschauer ab.

Song "Berufsjugendlich" für alle Kritiker der 58-Jährigen

Glücklicherweise ist es genau zu Nenas erstem Bühnen-Highlight des Abends wieder trocken: Die Sängerin entschwindet von der Bühne, um kurze Zeit später mitten im Publikum auf einer Mini-Bühne mit blinkender E-Gitarre um den Hals, ihrem Bassisten und Schlagzeuger mit dem Song "Noch einmal" rockige Klänge anzuschlagen. "Wir stehen hier auf der kleinsten Bühne der Welt. So habe ich mal angefangen", scherzt die Sängerin. Dass sie Kritik durchaus mit Humor nimmt, wie den Vorwurf, "berufsjugendlich" zu sein, zeigt die junggebliebene Nena in dem gleichnamigen Song.

Überhaupt bekommen die Konzertbesucher sowohl aus den Liedzeilen als auch aus Nenas Erzählungen einen kleinen Einblick in das Leben der Sängerin, so wie bei "In meinem Leben". Dieses Lied, sagt Nena, habe sie in "nur in zweieinhalb Minuten geschrieben".

Nena mit ihren Kindern auf der Bühne

Wie viele Künstler stellt auch Nena ihre Band als "meine Familie" vor. Doch treten zusammen mit der Sängerin tatsächlich Familienmitglieder auf: Ihre Zwillinge Larissa und Sakias sind den ganzen Abend mit dabei. Später holt Nena noch ihren Sohn Simeon ans Mikro, auch Samuel steht neben der Bühne und verfolgt von dort aus mit eigenem Nachwuchs auf dem Arm den Auftritt. Etwa zur Hälfte des Konzerts überlässt Nena ihrem Sohn Sakias mal die ganze Bühne - für seinen Song "Weißes Schiff".

"Singt da etwa Xavier Naidoo?"

Etwas verwundert lauschen im Publikum, aber auch vor den Toren der Stadtparkbühne viele, die keine Karten mehr für das ausverkaufte Konzert bekommen haben, wer da gerade eigentlich singt. "Steht da etwa Xavier Naidoo mit auf der Bühne?", fragt einer von ihnen etwas irritiert. In der Tat erinnert die Stimme des langhaarigen Sakias an die des bekannten Sängers.

Rap-Song "Oldschool" spaltet ein wenig das Publikum

Gegen Ende des Konzertabends könnte man den Eindruck bekommen, Nena hat sich auch noch eine Girlband aus den 90ern à la "Tic Tac Toe" nach Hamburg eingeladen. Ein bisschen klingt es so, als sie zusammen mit ihrer Tochter Larissa auf der Mini-Bühne und in roter Glitzer-Bomberjacke "Oldschool" rappt - mit beeindruckendem Tempo. Diese kleine Show-Einlage spaltet ein wenig das Publikum: Einige Fans schauen etwas irritiert, was "ihre" Nena da macht. Bei den Jüngeren kann die Pop-Sängerin hingegen Eindruck schinden. Spätestens bei "Irgendwie Irgendwo Irgendwann" hat sie wieder alle Generationen auf ihrer Seite - samt Smartphones in der Luft. Den Hit mixt Nena mit dem Beat von Jan Delays gleichnamigen Song als kleine Hamburger Spezial-Einlage.

Natürlich darf an diesem Abend Nenas größter Hit "99 Luftballons" nicht fehlen. Den zelebriert sie mit riesigen "Love-Ballons", die sie mit viel Freude ins Publikum wirft und die Konzertbesucher noch einmal kräftig zum Mitfeiern anfeuert. Die Sängerin genießt den Abend sichtlich und lässt sich bei "Leuchtturm" einfach mal ins Gras vor der Bühne fallen und singt im Liegen weiter.

Glück mit dem Wetter

Die grauen Wolken lassen die Konzertbesucher ab und zu etwas besorgt in den Himmel schauen, aber bis auf den einen Regenguss bleibt es trocken. So geht gegen 22 Uhr ein gelungener Konzertabend zu Ende. Katja und Marco Eggebrecht sind aus Kiel zum Konzert in den Stadtpark gekommen und machen sich begeistert wieder auf den Heimweg. Auch für Kerstin Neumann und ihren Mann Thorsten aus Reinbek hat sich der Abend gelohnt. "Nena ist schon eine coole Socke", sagt sie zu der Rap-Einlage. Neumann war schon als Teenager bei einem Nena-Konzert in der Großen Freiheit in Hamburg. Für das Paar und für viele weitere Konzertbesucher hätten es deshalb gerne noch ein paar mehr "Lieder von früher" von Nena sein dürfen.

Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | 12.06.2018 | 22:00 Uhr

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