Stand: 05.05.2018 08:40 Uhr

Moorburg-Abwärme sollte nicht verpuffen

von Reinhard Postelt

Seit dem Volksentscheid über den Rückkauf der Energienetze 2013 wird über die Zukunft der Fernwärme diskutiert. Noch hält Vattenfall 75 Prozent und die Stadt 25 Prozent. Beide müssen sich eigentlich einigen - und streiten doch nur darum, ob man Fernwärme aus dem Kohlekraftwerk Moorburg nutzen darf.

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NDR 90,3 Redakteur Reinhard Postelt kommentiert den Streit um die Fernwärme.

Die Debatte um Hamburgs Fernwärme war schon lange hitzig. Nun kocht sie über. Der Sprecher der Umweltbehörde bezichtigt Vattenfall der Angstmache und falscher Zahlen. Vattenfall rechnete nämlich am Mittwoch vor, das alternative Fernwärmekonzept der Umweltbehörde koste 300 Millionen Euro. Der grüne Fraktionschef Anjes Tjarks rief der Opposition in der Bürgerschaft wütend zu: "Dass Sie hier so einen Quatsch erzählen, ohne rot zu werden, gespickt mit Fake-News, das ist wirklich unverantwortlich!" Ich meine: Alle Hitzköpfe mal runterkühlen!

Höllenwärme aus Moorburg

Tatsache ist doch, dass die Stadt seit Jahren auf ein tragfähiges Fernwärmekonzept der Umweltbehörde wartet - und auf den Rückkauf des Fernwärmenetzes.Tatsache ist, dass das Kohlekraftwerk Wedel schon 2021 aufgrund gesetzlicher Zwänge vom Netz muss. Dann fehlen 390 Megawatt Wärme für die Heizungen von 230.000 Hamburger Haushalten. Tatsache ist auch, dass es einen günstigen und schnellen Ersatz gäbe: eine Fernwärmeleitung vom Kohlekraftwerk Moorburg in die Stadt. Vattenfall hat sie beantragt. Doch die Umweltbehörde mit ihrem grünen Senator Jens Kerstan hält das für Teufelszeug, sieht es als Höllenwärme aus dem Kohlemeiler.

Abwärme verpufft bisher

Ja, Moorburg ist überdimensioniert und verhagelt Hamburgs CO2-Bilanz. Aber es ist nun mal da und darf noch jahrelang laufen. Bisher verpufft Moorburgs Abwärme ungenutzt, sie erhitzt die Elbe und die Luft. 120 Grad ist sie heiß. 130 Grad braucht Fernwärme. Die Behauptung der Grünen, die Abwärme müsse mit viel Kohle hochgeheizt werden, ist schlicht unwahr. Die Fernwärme Moorburgs ist vor allem günstig. Sehr günstig. Das Alternativkonzept der Umweltbehörde will Abwärme von Müllverbrennungsanlagen und Industrie und ein Gasheizkraftwerk. Das verteuert Fernwärme – um 10 Prozent sagt sie selbst; um viel mehr, sagt Vattenfall.

Vorrang für bezahlbares Wohnen

Ich nehme Klimaschutz sehr ernst. Aber bei der Frage: "Bezahlbares Wohnen oder - höhere Heizkosten durch eine weltweit gesehen geringe CO2-Einsparung?" sage ich: Die Wohnkosten sind Hamburgs Hauptproblem. Auch grüne Wähler wollen nicht aus ihren Quartieren vertrieben werden, weil Miet- und Nebenkosten explodieren. Aus ideologischen Gründen die Moorburg-Abwärme verpuffen zu lassen, statt sie zu nutzen, das ist Unsinn.

Weitere Informationen

Vattenfall wirbt für Fernwärme-Lösung

Der Energiekonzern Vattenfall will im Kraftwerk Moorburg Fernwärme für Hamburg produzieren. Der Kohleausstieg müsse für Kunden bezahlbar bleiben, sagte Konzernchef Hatakka. mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | Der Hamburg-Kommentar | 05.05.2018 | 08:40 Uhr

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