Stand: 25.09.2018 15:47 Uhr

Mit Denkmalschutz gegen Fachkräftemangel

von Julia Weigelt

Es sah schlecht aus für das historische Reetdachhaus am Hamburger Eichbaumsee zwischen Moorfleet und Billwerder. Die Abrissgenehmigung lag schon auf dem Tisch. Doch dann trat Ulrich Mumm von der Bürgerstiftung Hamburg auf den Plan. "Die ursprünglichen Gebinde kommen aus dem Jahr 1547, ein Jahr nach Luthers Tod. Das ist ein bedeutendes historisches Haus Hamburgs. Das vergisst man immer: Hamburg hat nicht nur eine städtische Vergangenheit sondern auch eine bäuerliche Vergangenheit." Der 72-Jährige rette das Haus – und zwar mit einer ungewöhnlichen Idee.

Dem Fachkräftemangel begegnen

Mumm brachte eine Jugendbauhütte nach Hamburg. Bundesweit gibt es 14 Jugendbauhütten, in denen Jugendliche von 16 bis 26 Jahren traditionelle Handwerkstechniken lernen - wie Stühle restaurieren oder Fachwerk reparieren. Das historische Reetdachhaus in Hamburg passte perfekt in dieses Konzept: Die Geschichte Hamburgs bewahren und für die Zukunft sorgen – das passiert in so einer Jugendbauhütte gleichzeitig.

Derzeit leisten sechs junge Leute hier ihr freiwilliges soziales Jahr in der Denkmalpflege. Es ist bereits der dritte Jahrgang, der hier arbeitet. Mit seiner Initiative stemmt sich Mumm auch dem Fachkräftemangel entgegen. "Vom letzten Jahrgang wird eine junge Dame Restauratorin, einer wird Tischler, einer will Architekt werden und einer Holzbiologe - mehr kann man nicht erwarten", sagt Mumm.

In der Jugenbauhütte kann jeder alles ausprobieren

Angeleitet werden die Jugendlichen von Zimmermann Wido Hahne, der durch die Diele des gewaltigen Bauernhauses läuft. "Hier war der Arbeits- und Lebensraum der Familie. Hier war eine offene Feuerstelle ursprünglich, später dann wurde ein Kamin eingezogen, damit der Rauch nicht durchs ganze Haus zieht", erklärt er.

Das riesige Reetdach ist schon neu gedeckt, jetzt räumen sie die ausgemauerten Fächer zwischen den Fachwerk-Ständern aus und sanieren die Balken. "Es muss jetzt nicht jeder alles können. Jeder darf das mal probieren", sagt Hahne. "Wenn einer nicht mit Holz zurecht kommt, dann geht er halt mauern. Man darf alles mal ausprobieren. Aber es klappt erstaunlicherweise ganz gut."

Millionenschwere Sanierung

Zwei bis fünf Millionen Euro soll die Sanierung des alten Hauses insgesamt kosten, inklusive Taschengeld für die jungen Leute und massig Baugutachter-Kosten. In zehn Jahren soll hier ein lebendiges Zentrum für Baukultur eröffnen.

Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 24.09.2018 | 15:00 Uhr

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